Afrika setzt auf die Schiene | Afrika | DW | 06.07.2015
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Afrika

Afrika setzt auf die Schiene

Deutschland investiert Millionen, China Milliarden in den Ausbau des afrikanischen Schienennetzes. Das Ziel: Güter sollen günstiger, schneller und umweltfreundlicher an die Küsten transportiert werden.

Südafrika Güterzug

Holztransport in Südafrika

Kupfer, Kobalt, Zink, Gold, Silber, Uran: In südafrikanischen Binnenländern wie Sambia oder Malawi, aber auch in der Demokratischen Republik Kongo, gibt es gewaltige Rohstoffvorkommen, die zum Teil noch kaum erschlossen sind. Hinzu kommen landwirtschaftliche Produkte, die vom Landesinneren in die Nachbarländer oder an die Küste transportiert werden müssen. Das Potential ist riesig. Doch die Region ächzt unter der Last hoher Transportkosten.

Die Eisenbahn könnte die Lösung des Problems sein. "Schlüsselland dabei ist Südafrika, das Land mit dem dichtesten und längsten Streckennetz des afrikanischen Kontinents", sagt Christian Vosseler, Projektmager im Team Südliches Afrika der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die deutsche Entwicklungsbank hat vor wenigen Tagen einen Förderkredit in Höhe von 200 Millionen Euro an Südafrika vergeben. Das Geld soll - als Teil der deutsch-südafrikanischen Entwicklungszusammenarbeit - vollständig in die Modernisierung der Eisenbahngesellschaft des Landes fließen: "Die Transportkosten in Südafrika sind extrem hoch, auch im internationalen Vergleich. Die Straßen sind verstopft. Das schwächt natürlich die Wettbewerbsfähigkeit des Landes", so Vosseler.

Zukunftsmarkt Schienenverkehr

Hundert Jahre nachdem die damaligen europäischen Kolonialmächte die ersten afrikanischen Eisenbahnlinien gebaut haben, sind in den vergangenen Jahrzehnten vor allem chinesische Staatsunternehmen auf den Zug des neuen Zukunftsmarkts aufgesprungen. Sie vergaben Milliardenkredite für die Reparatur alter und den Bau neuer Bahnstrecken, nahmen Rohstoffe als Garantien und lieferten die Arbeitskräfte gleich dazu. Eine "Win-Win-Situation", sagt der angolanische Analyst David Kissadila: "Die Chinesen haben im Bereich Eisenbahnbau eindeutig die Nase vorn!"

Namibia Geschichte Deutsch-Südwestafrika Bau von Eisenbahnstrecke

Die meisten afrikanischen Bahnlinien stammen noch aus der Kolonialzeit

Für europäische Unternehmen sei es aber bei weitem noch nicht zu spät, bei dem großen Geschäft mitzumischen, sagt KfW-Projektmanager Vosseler. Die Bedeutung des Schienenverkehrs werde im südlichen Afrika weiter zunehmen. "Eine funktionierende Logistik-Infrastruktur ist eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung. Gerade Südafrika verfolgt das Ziel, sich als Logistik-Hub für die ganze Region des südlichen Afrikas zu entwickeln." Das werde auch den Handel ankurbeln, sowohl innerhalb Afrikas, als auch darüber hinaus: "Insofern sehen wir in ganz Afrika extrem hohe Entwicklungspotentiale, was den Schienensektor angeht."

Mit der Eisenbahn zum Klimaschutz

Den 200-Millionen-Euro-Kredit aus Deutschland hat Südafrika auch und vor allem aus ökologischen Gründen erhalten. Die Entwicklungszusammenarbeit mit Südafrika hat den Schwerpunkt Energie und Klima. "Die Entscheidung, den Kauf neuer, klimaschonender Elektroloks zu fördern, lag deshalb nahe", so Vosseler. Denn die Brennstoffmotoren der Autos würden maßgeblich zum CO2-Ausstoß in Ländern wie Südafrika beitragen. Das sieht Amadou Diallo, senegalesischer Vorstandsvorsitzender des Logistikunternehmens DHL Freight, ähnlich: "Der Verkehr der Zukunft muss energieeffizient ablaufen, auch wegen des großen Bevölkerungsanstiegs in Afrika und weil wir den CO2-Ausstoß verringern müssen."

Sambia Kupferbergwerk

Kupferbergwerk in Sambia

Bei allem Umweltbewusstsein: Die Tatsache, dass das Schienennetz in Afrika ineffizient oder inexistent ist, kostet Unternehmen wie DHL viel Geld. "Viel zu viele Waren gehen heutzutage noch verloren, weil es zu viele illegale Kontrollen gibt. An den Grenzen werden die LKWs noch viel zu oft angehalten", berichtet Diallo. "Mit den Zügen ginge das alles viel besser."

Angola: brachliegende Strecken, ungenutztes Potential

Wie das funktionieren könnte, zeigt das Beispiel Angola. Mehr als 4000 der im Bürgerkrieg zerstörten Schienenkilometer wurden dort in den vergangenen Jahren wieder aufgebaut. China stellte dem zweitgrößten Erdölproduzenten Afrikas dafür schätzungsweise zehn Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Die drei großen Häfen Angolas - Luanda, Lobito und Namibe - seien geradezu prädestiniert als Umschlagplätze für die vielen Rohstoffe aus der ganzen Region, vor allem für Kupfer und Kobalt aus Sambia oder aus der Demokratischen Republik Kongo, sagt David Kissadila, angolanischer Marktanalyst und China-Experte.

Angola Benguela-Linie Catumbela

Angola: Verpuffte Milliardeninvestitionen

Kissadila ist sich sicher: "Der Transport dieser Rohstoffe kann eigentlich nur auf der Schiene gemacht werden." Umso trauriger sei es, dass weder der Kongo noch Sambia die nötigen Verbindungen an das angolanische Streckennetz vollzogen hätten: "Auf angolanischer Seite sind die Strecken fertig, aber sie liegen praktisch brach, weil sie mitten im Nichts aufhören." Und so sind die Milliardeninvestitionen in Angola erst einmal verpufft: "Die Strecken in Angola sind noch in einer experimentellen Phase, sie werden bislang nicht so genutzt, wie es geplant wurde", so Kissadila. "Die Regierung muss sich eine neue Politik für die tatsächliche Nutzung dieser Infrastruktur überlegen."

Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und eine effiziente Koordinierung der Projekte auf internationaler Ebene müssten mitgedacht werden, um ein funktionierendes Schienennetz in Afrika aufzubauen, so DHL-Freight-Chef Diallo. Das Problem: "Wir haben in Afrika 54 unterschiedliche Regierungen, 54 verschiedene Staatschefs und 54 unterschiedliche Infrastrukturminister. Die machen 54 unterschiedliche Politiken." Das mache die Sache sehr kompliziert. "Die Koordinierung verbessert sich gerade, aber es wird noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen."

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