Afghanistan: Gegenoffensive in Kundus | Aktuell Asien | DW | 04.10.2016
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afghanistan

Afghanistan: Gegenoffensive in Kundus

In der nordafghanischen Stadt Kundus gehen nach der Offensive der radikalislamischen Taliban die Kämpfe nun in den zweiten Tag. Sicherheitskräfte scheinen allerdings wieder etwas Boden gut gemacht zu haben.

Mit Unterstützung der USA haben die afghanischen Sicherheitskräfte einen Großeinsatz in Kundus gestartet, um die Taliban-Kämpfer wieder aus der Stadt zu vertreiben. Auch Flugzeuge kamen nach Polizeiangaben zum Einsatz. Dabei seien bislang 25 Islamisten getötet worden, sagte der Polizeichef von Kundus. "Wir haben mehrere Plätze zurückerobert." Drei Mitglieder der Sicherheitskräfte kamen bei dem Einsatz ums Leben. Immer noch verharrten jedoch Taliban-Kämpfer in der Stadt.

Video ansehen 01:01

Taliban-Kämpfer prahlen mit angeblichem Erfolg auf sozialen Netzwerken

"Im Moment haben wir Kämpfe im ersten und dritten Distrikt der Stadt", sagte ein Provinzratsmitglied, Sargul Alimi, am Morgen. In der Nacht seien Kämpfer in die Gebäude der Anti-Drogen-Polizei sowie der Hilfsorganisation Roter Halbmond eingedrungen und hätten sich von dort aus Gefechte mit Sicherheitskräften geliefert. Wegen der anhaltenden Kämpfe ist die Zivilbevölkerung in ihren Häusern gefangen. Auch die Taliban verstecken sich in Privathäusern.

Afghanistan | Afghan forces retake control of Aachin district from the Taliban (picture-alliance/dpa/J. Kargar)

Afghanische Truppen versuchen, die Taliban aus dem Stadtzentrum von Kundus zu vertreiben

Taliban kämpfen in kleinen Einheiten

Die deutsche Bundeswehr ist mit einer kleinen Gruppe von Beratern in einem afghanischen Militärlager in Kundus. Einer ARD-Reporterin hatte der Kommandeur der deutschen Einheiten in Nordafghanistan, Hartmut Renk, am Montagabend gesagt, es habe Kämpfe vor allen an den Stadträndern gegeben, aber "eine kleine (Taliban-)Gruppe" sei auch in der Stadt. "Die geht in Zwei-, Drei-Mann-Formationen vor. Die sitzen mal hier in einem Haus, mal da in einem Haus, bewegen sich hochmobil mit ganz leichter Bewaffnung. Die gefährden nicht die Gesamtlage in der Stadt. Aber sie verbreiten Angst und Schrecken."

Die Islamisten hatten am Montag die Stadt im Norden des Landes angegriffen und waren tief in ihr Zentrum vorgedrungen. Der Angriff fand nur einen Tag vor einer Geberkonferenz für das Land statt. Ziel des zweitägigen Treffens bis Mittwoch in Brüssel ist es, Milliarden Dollar an Hilfszusagen zu vereinbaren.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes 2014 massiv verschlechtert. Regierungstruppen haben schätzungsweise nur noch zwei Drittel des Landes unter ihrer Kontrolle. Die Taliban stehen so gut da wie seit ihrem Sturz durch die US-geführte Invasion 2001 nicht mehr und haben zuletzt ihre Angriffe in verschiedenen Landesteilen verstärkt. Vor einem Jahr hatten die Islamisten auch Kundus, wo die Bundeswehr bis vor gut zwei Jahren einen großen Stützpunkt betrieb, kurzfristig unter ihre Kontrolle gebracht.

as/cr (rtr, dpa, afpe)

 

Audio und Video zum Thema