Afghanistan blickt in den wirtschaftlichen Abgrund | Wirtschaft | DW | 19.10.2021
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Afghanistan

Afghanistan blickt in den wirtschaftlichen Abgrund

Afghanistans Wirtschaft schrumpft in diesem Jahr nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) um bis zu 30 Prozent. Das ist umso dramatischer, weil das Land bereits jetzt auf extrem niedrigem Niveau wirtschaftet.

Afghanistan vor dem wirtschaftlichen Kollaps

Da nach der Machtübernahme der Extremisten im August die nicht-humanitäre Hilfe gestoppt und ausländische Vermögenswerte weitgehend eingefroren worden seien, sei die auf Hilfe angewiesene afghanische Wirtschaft mit einer schweren Haushalts- und Zahlungsbilanzkrise konfrontiert. "Der daraus resultierende Rückgang des Lebensstandards droht Millionen Menschen in die Armut zu treiben und könnte zu einer humanitären Krise führen", so der IWF.

Dies dürfte auch die Flüchtlingskrise nach der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban weiter anheizen, die sich auf die Nachbarländer, die Türkei und Europa auswirken werde, erklärte der IWF am Dienstag in einem aktualisierten Wirtschaftsausblick für die Region, ohne jedoch eine Schätzungen über konkrete Zahlen zu geben.

Die ganze Region ist gefährdet

Der IWF legte eine Modellrechnung zu den Folgen für Anrainerländer vor, sollten eine Million weitere Afghanen aus ihrem Heimatland fliehen und sich in anderen Ländern nach einer ähnlichen Verteilung wie zuletzt niederlassen. Dies würde sich in Tadschikistan zu jährlichen Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge von 100 Millionen Dollar (1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) belaufen, im Iran auf etwa 300 Millionen Dollar (0,03 Prozent des BIP) und in Pakistan auf mehr als 500 Millionen Dollar (0,2 Prozent des BIP).

Kein Geld, keine Medikamente – eine Klinik in Afghanistan

Diese Zahlen unterstrichen die Notwendigkeit einer Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft, so der IWF. Exporte nach Afghanistan sind für den Iran, Pakistan, Turkmenistan und Usbekistan von makroökonomischer und sozialer Bedeutung. Sollte die Zahl der Flüchtlinge steigen, so der Fonds, könnte das "die öffentlichen Ressourcen in den Aufnahmeländern belasten, den Druck auf den Arbeitsmarkt erhöhen und zu sozialen Spannungen führen."

Drogenhandel bedroht Handelswege

Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen steht der Handel mit und aus Afghanistan unter Druck: So hat beispielsweise in der vergangenen Woche Indiens größter Hafenbetreiber Adani Ports angekündigt, ab Mitte November keine Waren mehr aus Afghanistan umzuschlagen. Dieser "Warnhinweis", der auch Iran und Pakistan betrifft, gelte für alle von Adani betriebenen Häfen des Landes.

Das Heroin im Wert von geschätzten 2,3 Milliarden Euro war im September in zwei Containern im Hafen von Mundra im Bundesstaat Gujarat entdeckt worden. Der Heroinfund war einer der größten in der Geschichte des Landes. Behördenangaben zufolge stammten die Container aus Afghanistan. Das Land ist der Hauptproduzent von Opium und Heroin.

dk/hb (rtr, afp)

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