Adil Demircis Freunde fordern Freilassung | Europa | DW | 19.04.2018
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Verhaftung in der Türkei

Adil Demircis Freunde fordern Freilassung

Nach der Verhaftung des Deutsch-Türken Adil Demirci in der Türkei organisieren seine Familie und Freunde eine Solidaritätskampagne. Die Bundesregierung fordern sie auf, mehr diplomatischen Druck auszuüben.

In der Türkei ist erneut ein deutscher Staatsbürger festgenommen worden: Adil Demirci. Dies teilte dessen Anwältin Gülhan Kaya mit und bestätigte damit einen Bericht der Nachrichtenagentur "Etkin Haber Ajansı" (ETHA).

In einem Interview mit der DW sagte Kaya: "Adil Demirci wird beschuldigt, in den Jahren 2013 und 2015 an einer einer Gedenkveranstaltung und drei Beerdigungen von YPG Kämpfern teilgenommen zu haben, die in Syrien gegen den IS gekämpft hatten." Die Kurdenmiliz YPG wird in der Türkei als die Schwesterorganisation der PKK angesehen und somit als terroristische Organisation eingestuft. "Aber", sagt die Anwältin, "die Teilnahme an einer Beerdigung stellt weder in der Türkei noch international eine Straftat dar."

Das Auswärtige Amt ist bereits involviert

Auswärtiges Amt in Berlin (picture-alliance/dpa)

Berlin kümmert sich um den Fall Demirci

Laut Gülhan Kaya soll der 33-jährige Sozialarbeiter aus Köln heute in die Haftanstalt Silivri in der Türkei gebracht worden sein. Das deutsche Konsulat in Istanbul sei im stetigen Austausch mit der Anwältin. Beim Auswärtigen Amt heißt es: "Das Generalkonsulat versucht, mit Herrn Demirci in Kontakt zu treten, um ihn konsularisch betreuen zu können. Das Generalkonsulat steht mit der Familie und den türkischen Behörden in Kontakt."

Anwältin Kaya werde zwar Widerspruch gegen die Verhaftung einlegen, rechne aber nicht mit Erfolg: "Leider existiert unter den Umständen des Ausnahmezustandes keine unabhängige Justiz und daher gehe ich nicht davon aus, dass der Widerspruch Erfolg haben wird."

Freunde starten die Kampagne #FreeAdilDemirci

Die Familie und Freunde von Adil Demirci aus Duisburg haben derweil eine Social Media Kampagne mit dem Titel #FreeAdilDemirci gestartet: "Wir verlangen seine sofortige Freilassung, da Adil sich nichts hat zu Schulden kommen lassen", sagt Said Boluri, ein Freund von Demirci und Pressesprecher der Kampagne. "Wir haben einen Solidaritätskreis gegründet und werden auf seine Situation aufmerksam machen, damit er schneller frei kommt."


Boluri fordert darüber hinaus die Bundesregierung auf, den Druck auf die Türkei zu erhöhen und sich aktiver für Demircis Freilassung einzubringen. In der Pressemitteilung des Solidaritätskreises von Mittwochabend heißt es, dass Demirci in Köln bis zu seiner Verhaftung mit traumatisierten, jungen Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak gearbeitet habe. Darüber hinaus habe er für die linksorientierte, türkische Nachrichtenagentur ETHA geschrieben, für die auch die in der Türkei verhaftete und vor wenigen Wochen freigelassene Meşale Tolu schrieb.

Demircis Eltern verließen aufgrund politischer Verfolgung die Türkei

Laut der Pressemitteilung hat Demirci sowohl die türkische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft. In ihr wird die Verhaftung des 33-Jährigen als eine "ganz offensichtlich politisch motivierte Verhaftung" bezeichnet. Weiter heißt es, der türkische Staat versuche damit kritische Stimmen zu unterbinden. Die weiteren zwei verhafteten Journalistinnen Semiha Şahin und Pınar Gayıp sollen ebenfalls am 19. April der Staatsanwaltschaft vorgeführt werden.

Laut Informationen von Baki Selcuk, einem weiteren Freund der Familie, haben die Demircis die Türkei 1991 aufgrund politischer Verfolgung verlassen müssen. Demirci sei damals sechs Jahre alt gewesen. Später habe er an der Universität Duisburg-Essen Politikwissenschaft studiert.

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