Abu Dhabi zwischen Militär und Diplomatie | Nahost | DW | 31.07.2019
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Krise am Golf

Abu Dhabi zwischen Militär und Diplomatie

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben Gespräche mit dem Iran geführt. Beide Seiten bestreiten zwar, dass es um brisante Themen wie die Spannung am Golf gegangen sei. Doch die Zeichen stehen auf Verständigung.

Sechs Jahre haben sie nicht mit einander gesprochen. Am Dienstag dieser Woche trafen sich erstmals Vertreter Irans und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), um die heikle Lage am Persischen Golf zu erörtern.

In den letzten Jahren hatten sich die Beziehungen beider Staaten abgekühlt. Seit über vier Jahren kämpfen die VAE im Jemen an der Seite Saudi-Arabiens gegen die Huthis, die ihrerseits vom Iran unterstützt werden. Im Zuge dieses Konflikts stuften die VAE 2016 ihre diplomatischen Beziehungen zu Iran herunter.

Zuletzt aber entspannte sich die Lage. Die VAE zogen tausende Soldaten aus dem Jemen ab. In Abu Dhabi zweifle man an der Effizienz dieses Krieges, sagt Elizabeth Dickinson, Chef-Analystin der International Crisis Group für die Arabische Halbinsel. Iran engagiere sich in dem Krieg mit erheblich geringeren Einsatz als Saudi-Arabien und die VAE, so Dickinson: "Das gilt sowohl finanziell wie auch humanitär. Der Iran ist strategisch in einer viel günstigeren Situation." 

Meerenge von Hormus ( imago/P. Widmann)

Politisch unter Hochspannung: die Straße von Hormus

Dieses Kräfteverhältnis vor Augen, hätten sich die VAE zurückgezogen, so Dickinson. Zugleich wollte sich die Regierung der VAE für eine mögliche Eskalation an der Straße von Hormus wappnen.

Warnung vor Eskalation

Seit die USA das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt haben, steht der wichtigste Bündnispartner der VAE, das Königreich Saudi-Arabien, in der Auseinandersetzung mit dem Iran dicht an der Seite der Amerikaner. Nach einigen Scharmützeln - unter anderem einem mutmaßlich iranischen Anschlag auf mehrere Öltanker, dem Abschuss einer iranischen Drohne durch die USA und der Beschlagnahme eines britischen Ölfrachters durch Iran - ist die Situation höchst angespannt. Es könnte leicht zu einer Eskalation kommen, warnte vor kurzem der deutsche Außenminister Heiko Maas. "Die Spannungen sind mittlerweile so groß, dass wir befürchten müssen, dass unvorhergesehene Ereignisse, die nicht zuortbar sind, sehr schnell zu Reaktionen führen können, die eine Eskalationsspirale der Gewalt auslösen können. Das ist das Problem der Stunde."

In den VAE teilt man diese Einschätzung offenbar. Bereits im Mai hatte der Außenminister der VAE, Abdullah bin Zayed Al Nahyan, die Notwendigkeit eines Abkommens betont. "Damit es erfolgreich ist, müssten allerdings zuerst die Länder der Region zu Vertragspartnern werden."

Ein Abkommen mit dem Iran sei notwendig, sagt auch der an der Universität von Abu Dhabi forschende Politologe Abdul Khaliq Abdullah, ein ehemaliger Berater des Kronprinzen von Abu Dhabi. Es müsse sich aber von dem vorhergehenden unterscheiden, müsse verbindlich, streng und umfassend sein. "Um ein solches Abkommen zu erreichen, sollten alle Länder der Region, insbesondere die Nachbarstaaten des Iran - etwa die VAE und Saudi-Arabien - Partner sein." Ein solches Abkommen sei allerdings schwer zu erreichen, so Abdullah im Gespräch mit der DW. Die VAE hätten bereits dafür plädiert, doch bislang verweigere sich Iran.

Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan (Getty Images)

Neue Position im Jemen-Krieg: Scheich Khalifa bin Zayid Al Nahyan, der Präsident der VAE

Neue Distanz zu Saudi-Arabien?

Zudem gibt es nach Darstellung golfarabischer Medien für Khalifa bin Zayid Al Nahyan, den Präsident der VAE, noch ein weiteres Motiv, einen versöhnlicheren Kurs einzuschlagen: der Rückzug der VAE-Streitkräfte aus dem Jemen. Blieben sie nämlich in dem Land an der Südspitze der Golfhalbinsel, könnten die VAE nicht nur dort, sondern auch im eigenen Land stärker ins Fadenkreuz des Iran geraten. Die Spannungen in der Straße von Hormus haben gezeigt, wie verletztlich die dortige Infrastruktur, etwa die Schifffahrt, ist. "Außerdem wollen die Emirate nicht eng mit Saudi-Arabien in Verbindung gebracht werden, wenn das Königreich im Auge des politischen Sturms aus Amerika steht", heißt es in einer Analyse der israelischen Zeitung Haaretz.

Tatsächliche könnte sich der US-Senat wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen Saudi-Arabiens im Jemen sowie der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi zu Sanktionen gegen das Königreich entschließen.

Symbolbild: US Marine im Persischen Golf (Reuters/U.S. Navy/A. Dublinske)

Suche nach Koalitionspartnern gegen den Iran: US-Soldaten in der Straße von Hormus

Zudem seien die VAE von Saudi-Arabien zu Teilen in den Jemen-Krieg hineingezogen worden, sagt Emily Dickinson. "Die VAE haben sich mit ihrer Rolle dort nie ganz anfreunden können. Diese Rolle wollen sie so schnell wie möglich wieder einschränken."

Fernziel Verhandlungen

Die Beziehungen zu Saudi-Arabien seien indessen weiterhin gut, sagt der Politologe Abdul Khaliq Abdullah. Dies gelte auch mit Blick auf den Iran: "Zwischen Riad und Abu Dhabi bestehen hinsichtlich der iranischen Bedrohung keine Differenzen. Beide Staaten sind sich einig, dass der Iran ein destabilisierender Faktor für die Sicherheit und Stabilität des Persischen Golfs und des Nahen Ostens ist." Verhandlungen seien wichtig, so Abdullah." Aber es wird lang anhaltende Sanktionen brauchen, bis der Iran bereit ist, an den Verhandlungstisch zu kommen."

Die gespannte Lage scheint indessen die Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten des Persischen Golfs zu erhöhen. Die Lage erscheint offenbar so heikel, dass die Staaten einen Schwenk von militärischen zu diplomatischen Mitteln ins Auge fassen.

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