25 Tote bei Razzia in Rio de Janeiro | Aktuell Amerika | DW | 06.05.2021
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Polizeigewalt

25 Tote bei Razzia in Rio de Janeiro

Bei dem Einsatz in einer Favela sollten Verdächtige gefasst werden, die Kinder für den Drogenhandel anwerben. Doch die Polizei-Operation artet zur blutigsten in der Geschichte der brasilianischen Metropole aus.

Brasilien Polizeieinsatz gegen Drogenhändler in der Jacarezinho-Favela in Rio de Janeiro

Polizeieinsatz gegen Drogenhändler in der Jacarezinho-Favela in Rio de Janeiro

Über Bahngleise drangen Polizeieinheiten in das dicht besiedelte Viertel Jacarezinho im Norden der brasilianischen Millionenmetropole Rio de Janeiro ein. Helikopter überquerten die Favela mit ihren etwa 40.000 Einwohnern im Tiefflug. Sie steht unter der Kontrolle des "Comando Vermelho" (Roten Kommandos), eines der drei großen Verbrecher- und Drogensyndikate in der Stadt. 

Das brasilianische Fernsehen zeigte Bilder von schwer bewaffneten Männern, die über Hausdächer flohen. Verdächtige lieferten sich heftige Schusswechsel mit den Polizisten. Es gab mehrere Explosionen. Bewohner in der Armensiedlung konnten ihre Häuser wegen der Gefechte nicht verlassen. Ein Krankenhaus musste kurzfristig schließen.

Schwer bewaffnete Polizisten in der Armensiedlung

Schwer bewaffnete Polizisten in der Armensiedlung

Der Betrieb einer Bahnlinie, die an dem Stadtviertel vorbeiführt, wurde vorübergehend unterbrochen. Zuvor waren zwei Fahrgäste durch Querschläger verletzt worden.

24 Verdächtige und ein Polizist sind tot

Bei der Razzia sollten Drogenhändler gefasst werden, die Kinder und Jugendliche für den Rauschgifthandel und andere Verbrechen anwerben. Mindestens 25 Menschen wurden nach offiziellen Angaben während des Einsatzes getötet. Die Opfer sind 24 Verdächtige und ein Polizist. Lokale Medien sprechen vom blutigsten Polizeieinsatz in der Geschichte Rio de Janeiros.

Blut auf dem Fußboden und der Wand eines Zimmers

Ein blutverschmiertes Zimmer nach Feuergefechten bei einem Verdächtigen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International forderten eine gründliche und unabhängige Untersuchung der Todesfälle. Die Staatsanwaltschaft müsse prüfen, ob die Polizisten gegen geltendes Recht verstoßen hätten.

HRW wies darauf hin, von Januar bis März seien in Rio de Janeiro 453 Menschen, darunter vier Polizisten, bei Operationen der Sicherheitskräfte getötet worden. Der Oberste Gerichtshof in Brasilien hatte im vergangenen Jahr Polizeieinsätze in Favelas wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt. Sie seien nur in "absoluten Ausnahmefällen" erlaubt.

se/mak (rtr, ap, kna, dpa)

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