Ölpreise geben wieder leicht nach | Wirtschaft | DW | 17.09.2019
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Rohstoffe

Ölpreise geben wieder leicht nach

Eine Art Entspannung nach dem Schock: Die Preise für Erdöl haben am Dienstag wieder etwas nachgegeben. Ein Teil des rapiden Preisanstiegs nach den Anschlägen auf saudische Ölanlagen wird damit wieder ausgeglichen.

Stand am Montag auf den internationalen Ölmärkten plötzlich die Frage im Raum, ob durch die Attacken in Saudi-Arabien womöglich die Weltwirtschaft in Gefahr geraten könnte, hieß es am Tag darauf schnell wieder: business as usual. Nach dem Ölpreisschock habe sich die Lage zuletzt etwas beruhigt, war am Markt zu hören.

Die Ölpreise gaben einen Teil ihrer starken Aufschläge vom Wochenstart wieder ab. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent gab 1,5 Prozent auf 68 Dollar nach. Ein Barrel US-Leitöl sank um knapp zwei Prozent auf 61,71 Dollar je Barrel. Am Montag waren die Preise beider Ölsorten wegen der Sorge um eine Verknappung des Ölangebots noch jeweils fast 15 Prozent gestiegen. Europäisches Rohöl war in der Spitze auf mehr als 70 Dollar gestiegen.

Lage weiterhin unklar

Durch Drohnenangriffe auf Förderanlagen des saudischen Konzerns Aramco wurde die Ölproduktion deutlich beeinträchtigt. Rund fünf Prozent der weltweiten Ölförderung sind betroffen. Als wichtigste Frage gilt jetzt, wie schnell Saudi-Arabien die beschädigten Ölanlagen wieder in Stand setzen kann. Dem anfänglichen Optimismus, dies werde relativ schnell möglich sein, scheint jetzt Ernüchterung zu folgen. Allerdings ist die Lage weiterhin unklar. 

Saudi-Arabien Drohnenangriffe (Reuters)

Brände am Samstag nach den Drohnenangriffen auf saudische Ölanlagen

 

Solange es aber nicht zu einer Eskalation der Situation kommt, dürften sich Marktexperten zufolge die Auswirkungen auf den Ölpreis in Grenzen halten. "Vor dem Angriff haben alle über ein Überangebot geredet. Und die Förderung von US-Schieferöl könnte ausgeweitet werden und so einen starken Preisanstieg verhindern", sagte Rupert Thompson, Chefanalyst beim Vermögensverwalter Kingswood.

An den Tankstellen in Deutschland waren die Auswirkungen der Marktausschläge nicht eindeutig erkennbar. Ohnehin bezieht Deutschland nur einen Bruchteil seines Erdöls aus Saudi-Arabien. Hauptlieferanten für Deutschland sind Russland, Norwegen und Libyen. Zwar stiegen bis mittags die bundesweiten Durchschnittspreise für Diesel und Superbenzin E10 um ein bis zwei Cent im Vergleich zum Vortag. Da die Preise an den Tankstellen täglich mehrmals verändert werden und im Tagesverlauf oft sinken, ist das noch keine belastbare Tendenz.

Infografik Erdöllieferanten Deutschland DE

"Historisch große Störung"

Lediglich Heizöl wurde teurer. Der bundesweite Durchschnittspreis für 100 Liter Heizöl erhöhte sich demnach um rund vier Euro von 66,60 auf 70,50 Euro. Das bedeutete jedoch kein neues Jahreshoch. Anders als die USA bereitet die Bundesregierung auch keine Freigabe von strategischen Ölreserven vor. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei aktuell nicht berührt, heißt es im deutschen Wirtschaftsministerium.

Wie stark die Erdölpreise letztlich auf den Drohnenangriff reagieren, hängt nach Einschätzung von Experten bei Goldman Sachs vor allem von der Dauer des Ausfalls ab. Der Produktionsausfall von etwa der Hälfte der saudischen Tagesproduktion sei jedenfalls "eine historisch große Störung", heißt es in einer Studie der US-Bank. Der Präsident des deutschen Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet damit, dass sich der Ölpreis schnell normalisieren wird. "Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird", sagte Fuest. 

ar/ul (dpa, rtr, afp)

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