Äthiopiens Regierungschef Abiy bei seinen Truppen an der Front | Aktuell Afrika | DW | 24.11.2021
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Bürgerkrieg

Äthiopiens Regierungschef Abiy bei seinen Truppen an der Front

Laut Regierungssprecher befehligt Abiy Ahmad die Armee im Kampf gegen die Rebellen in Tigray. Immer mehr Länder rufen ihre Bürger auf, Äthiopien zu verlassen.

Äthiopien Konflikt mit Tigray

Abschiedszeremonie für neue Armeesoldaten in Addis Abeba

Als Ministerpräsident ist Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmad auch Oberbefehlshaber der Truppen. Nach Angaben eines Sprechers befindet er sich seit Dienstag an der Front bei den Regierungssoldaten. Die Amtsgeschäfte führt sein Stellvertreter Demeke Mekonnen.

Angesichts der zunehmenden Aufrufe von ausländischen Botschaften an die in Äthiopien lebenden Bürger ihrer Länder, das Land möglichst umgehend zu verlassen, sprach der Regierungssprecher von "psychologischer Kriegsführung" gegen Äthiopien.

Äthiopien Konflikt mit Tigray

Militärrekruten - Nach Abys Ankündigung, sich an die Front zu begeben, wollen sich viele Männer der äthiopischen Armee anschließen

Auch Irland rief seine Landsleute derweil dazu auf, den Staat am Horn von Afrika zu verlassen. Die britische Regierung erneuerte ihre entsprechende Aufforderung an die Briten in Äthiopien. Auch auf der Seite des Auswärtigen Amtes in Berlin heißt es seit Tagen: "Deutsche Staatsangehörige werden dringend aufgefordert, die derzeit verfügbaren kommerziellen Flüge zur sofortigen Ausreise zu nutzen." Zuvor hatten die Vereinten Nationen die Ausreise der Familienangehörigen ihrer internationalen Mitarbeiter bis zum 25. November empfohlen.

Der Vielvölkerstaat Äthiopien ist durch den seit etwa einem Jahr andauernden Konflikt im Land vom Zerfall bedroht. Abiy war 2018 mit dem Versprechen an die Macht gekommen, Äthiopien zu reformieren. Er entmachtete die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die das Land 25 Jahre lang dominierte.

Sudan Äthiopien Flüchtlinge

Hilfsorganisationen beklagen, die Versorgung von Flüchtlingen aus Tigray werde immer schwerer

Im Herbst 2020 führte die TPLF eigenmächtig Wahlen in ihrer Hochburg, der nördlichen Region Tigray, durch und griff kurz danach eine Militärbasis an. Abiy ging daraufhin militärisch gegen die TPLF vor. Mittlerweile hat sich der Konflikt auf weitere Landesteile ausgeweitet. 2019 war Abiy für seine Bemühungen um die Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Prekäre Lage der Flüchtlinge

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) äußerte Besorgnis über eine dramatische Zuspitzung der humanitären Lage in Äthiopien. "Es ist ein Rennen gegen die Zeit, um auf einige der dringendsten humanitären Bedürfnisse zu reagieren", hieß es in eine Mitteilung der IKRK-Delegation in Äthiopien.

Nach Angaben des Roten Kreuzes benötigen Hunderttausende Binnenflüchtlinge vor allem in den nördlichen Regionen Unterstützung, während es für Helfer immer schwieriger werde, zu ihnen vorzudringen. Tausende sind den Angaben zufolge mittellos in die Städte geflohen, müssten in überfüllten Notlagern, Schulen oder sogar im Freien übernachten. Wasser-, Nahrungs- und Strommangel vor Ort erschwerten die Lage noch weiter. Seit Wochen sei es nicht möglich gewesen, humanitäre Hilfe nach Tigray zu schicken. Die Arbeit der Helfer werde durch die Kämpfe und den sich verändernden Frontverlauf zusätzlich erschwert.

uh/hf (dpa, afp)

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