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Menschenrechte

Myanmars Armee unnachgiebig angesichts der Rohingya-Massenflucht

Myanmars Armeechef Aung Hlaing weist Berichte über Vertreibungen der muslimischen Rohingya als Propaganda zurück - und stellt ihre Massenflucht nach Bangladesch als Rückkehr in die "angestammte Heimat" dar.

Zwei Rohingya nach ihrer Überfahrt nach Bangladesch (picture-alliance/abaca/O. Elif Kizil)

Zwei Rohingya nach ihrer Überfahrt nach Bangladesch

Die Armee von Myanmar zeigt sich angesichts der Massenflucht von Mitgliedern der Rohingya-Minderheit ins Nachbarland Bangladesch unnachgiebig. Armeechef Min Aung Hlaing wies einen UN-Bericht über systematische Vertreibungen der Muslime als "übertrieben" zurück und warf den Medien "Verhetzung und Propaganda" vor. Den Exodus der Rohingya in Richtung Bangladesch deutete er als Rückkehr in deren "angestammte Heimat".

Am Vortag hatten die Vereinten Nationen der myanmarischen Führung vorgeworfen, auf die gewaltsame Vertreibung der gesamten Rohingya-Minderheit nach Bangladesch hinzuarbeiten. Eine Terrorkampagne mit Vergewaltigungen, Mord und Folter habe mehr als eine halbe Million Rohingya in die Flucht getrieben. Die traumatisierten Menschen sprächen auch von in Brand gesteckten Häusern und Dörfern, Erschießungen und anderer sexueller Gewalt, berichtete ein Team des UN-Büros für Menschenrechte (OHCHR) in Genf. 

Armeechef Min Aung Hlaing (picture-alliance/dpa/V. Savitsky)

Armeechef Min Aung Hlaing

An den Gräueltaten in dem südostasiatischen Land seien Sicherheitskräfte mit Pistolen und Schlagstöcken sowie Zivilisten mit Macheten und Messern beteiligt gewesen, hieß es weiter. Die Ermittler hatten mit 65 Einzelpersonen und Gruppen von Geflohenen in Bangladesch gesprochen. Myanmar ließ die Experten nicht ins Land. 

Diskussion im Sicherheitsrat

Der UN-Sicherheitsrat will sich am Freitag mit dem Thema befassen. Auf Antrag Frankreichs und Großbritanniens wird der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan den Ratsmitgliedern Einzelheiten zu seinem Bericht über die Rohingya nennen. Annan hatte auf Bitten von Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi den Vorsitz eines Beratungsgremiums übernommen, das sich mit der Lage im myanmarischen Bundesstaat Rakhine, der Heimat vieler Rohingya, befasst.

Flüchtlingslager in Bangladesch (Getty Images/A. Joyce)

Flüchtlingslager in Bangladesch

Myanmars Armeechef präsentierte am Donnerstag in einer Facebook-Botschaft seine Deutung der Geschehnisse: Die Rohingya seien lediglich in ihre "angestammte Heimat" Bangladesch zurückgekehrt, weil sie dort "dieselbe Sprache, Rasse und Kultur" vorfänden. 

Min Aung Hlaing sprach nicht von "Rohingya", sondern nutzte den in Myanmar negativ besetzten Begriff "Bengali". Damit verdeutlichte er die Haltung der Regierung, wonach es sich bei den Rohingya um staatenlose Einwanderer aus Bangladesch handle, die zu Unrecht im mehrheitlich buddhistischen Myanmar lebten.

"Heimat in Wirklichkeit Bengalen"

"Die angestammte Heimat der Bengali ist in Wirklichkeit Bengalen", schrieb der Armeechef. Sie seien unter britischer Kolonialherrschaft nach Myanmar gebracht worden und hätten dort keinen legitimen Anspruch auf Aufenthalt.

Seit Ende August militante Rohingya 30 Sicherheitsposten überfielen, rollt eine Gewaltwelle über die Rakhine-Region Myanmars. In Bangladesch sind seitdem mehr als 500.000 Flüchtlinge angekommen. Die Gesamtzahl der Rohingya wird auf 1,1 Millionen geschätzt. 

stu/ww (afp, dpa)


 

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