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Politik

Was bringt der Einsatz in Kundus?

Der geplanten Erweiterung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan stehen viele Hilfsorganisationen kritisch gegenüber. Problematisch sei eine mögliche Vermischung zwischen humanitärer Hilfe und militärischer Zielsetzung.

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Angst vor Terror

Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es bestehe die Gefahr, dass die humanitäre Hilfe durch die Militärpräsenz gefährdet werde, sagte der Sprecher von Caritas International, Matthias Schüth, in Freiburg.

Die Leiterin der Diakonie-Katastrophenhilfe in Stuttgart, Hannelore Hensler, bezeichnete die Ausweitung des Militäreinsatzes auf die Region Kundus als "kein geeignetes Mittel, Frieden und Stabilität in dieses Land zu bringen". Folge des Bundeswehreinsatzes könne ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für die zivilen Helfer sein. Künftig kämen auch sie als Anschlagsopfer in Betracht. Caritas International und Diakonie-Katastrophenhilfe sind seit Oktober 2001 in Afghanistan tätig.

Abgrenzung gefordert

Der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes, Frederik Barkenhammar, begrüßte die Pläne der Bundesregierung zur Verstärkung der Sicherheit auch in Kundus. Er forderte aber klare Grenzen zwischen humanitären Helfern und Militär. "Wir als Hilfsorganisation leiden darunter, wenn klassisch humanitäre Hilfe von Militärs gemacht wird", sagte Barkenhammar.

Auch CARE Deutschland bezeichnete eine mögliche Vermischung als problematisch. Nach Ansicht des Deutschen Entwicklungsdienstes könnte für die regionalen Aufbauteams ein klares Konzept fehlen.

Hilfe in anderen Regionen dringlicher

Die Deutsche Welthungerhilfe äußerte sich kritisch zum geplanten Einsatzort Kundus. Mit der Hauptstadt Kabul zähle Kundus zu den sichersten Gebieten, sagte der Sprecher der Organisation, Uli Post, in Bonn. Hilfe sei gerade in gefährdeten Regionen dringend benötigt.

Nach Ansicht von Stefan Recker, der in Kundus für die Welthungerhilfe den Bau von Brunnen und Bewässerungsanlagen leitet, sollte sich die Bundeswehr auf Gebiete konzentrieren, die Hilfsorganisationen nur schwer oder gar nicht erreichen könnten. So könnten die zivilen Helfer in der Provinz Ghor im Zentrum des Landes nur schwer helfen, weil kaum Infrastruktur vorhanden sei, sagte Recker. "Im Winter ist es eingeschneit, die Straßen sind Schlammpisten." Die Bundeswehr habe es mit Helikoptern und entsprechender Ausrüstung dort wesentlich leichter als zivile Helfer.

Konflikte auch in Kundus möglich

Nach Einschätzung des Vorsitzenden von Shelter Germany, Udo Stolten, ist die Gegend um Kundus zwar relativ sicher. "Allerdings kann es schnell zu Konflikten kommen, wenn sich die Leute nicht in kulturellen Begebenheiten auskennen", sagte Stolten in Braunschweig. Die Internationale Dachorganisation Shelter Now ist seit 1988 in Afghanistan engagiert und betreibt derzeit fast 20 Hilfsprojekte rund um Kabul.

Die internationale Schutztruppe ISAF sei notwendig, sagte der Leiter des Friedensdorfs International, Ronald Gegenfurtner, in Dinslaken. Die Frage sei aber, warum ein Einsatz überhaupt erforderlich wurde. "Wenn all die Gelder, die in den vergangenen 20 Jahren für Militärmittel ausgegeben wurden, in die humanitäre Hilfe beziehungsweise Gemeinschaftsarbeit geflossen wären, ohne die Menschen zu bevormunden, müsste man sich heute keine Gedanken machen", sagte Gegenfurtner. (kas)

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  • Datum 28.08.2003
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