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Welt

Vormarsch der IS-Terroristen in Syrien

Im Osten Syriens hat die Terrormiliz IS einen strategisch wichtigen Militärflughafen eingenommen. Assads Armee erlitt eine schwere Niederlage nach den Kämpfen mit den Dschihadisten. Die Beute der IS: neue Waffen.

Nachdem der Militärflughafen von Takba von IS-Kämpfern eingenommen worden ist, fahren IS-Sympathisanten mit Motorrädern durch die Straßen. (Foto: REUTERS/Stringer)

Junge Männer in Tabka jubeln nach der Einnahme des Militärflughafens durch IS-Kämpfer

Die syrische Armee leistete erbitterten Widerstand - vergeblich. Am Ende konnte die radikal-islamische Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) mit der Einnahme des strategisch wichtigen Militärflughafens Al-Tabka im Osten Syriens ihre Macht ausbauen. Damit fällt die letzte Bastion der Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad in der Provinz Al-Rakkain in die Hände der Terrormiliz.

Mit der Einnahme drohe ein Vormarsch des IS gegen die großen Städte Syriens, insbesondere Hama, Homs und Aleppo, meint Sevim Dagdelen, Sprecherin für Internationale Beziehungen der Fraktion "Die Linke" im Deutschen Bundestag und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Mit diesem Vormarsch "sind weitere Massaker des IS gegen Konfessionslose, Alawiten, Christen, Kurden, Schiiten, aber auch Jesiden und Drusen programmiert. Eine Millionenbevölkerung ist bedroht."

Strategisch wichtige Basis im Kampf gegen die Dschihadisten

Günter Meyer, Vorsitzender des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt der Universität Mainz, sieht in der Einnahme des Militärflughafens eine erhebliche symbolische und strategische Niederlage für das Assad-Regime. "Nachdem in den letzten Wochen bereits zwei weitere Militärbasen der Regierung in der Nähe der Provinzhauptstadt Rakka von den Kämpfern des 'Islamischen Staates' erobert wurden, befindet sich jetzt die gesamte Provinz unter der Kontrolle des IS. Damit ist auch zugleich ein wichtiges Hindernis für das weitere Vorrücken der islamistischen Extremisten auf Aleppo beseitigt." Dies wäre ein herber Rückschlag für die syrische Regierung, denn damit könne die Miliz ihre Machtposition im Norden und Osten Syriens ausbauen, nachdem sie bereits rund ein Drittel dieser Gegenden besetzt hat.

Die Terrormiliz IS kontrolliert auch im Norden und Westen des Nachbarlandes Irak riesige Regionen. Ohne Behinderung können dort zwischen der irakisch-syrischen Grenze Kämpfer und militärische Ausrüstung passieren - so auch die Verstärkung für den Flughafen Al-Tabka, sagt der Leiter der syrischen oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

Der Militärflughafen war ein wichtiger Ausgangspunkt für die Angriffe der Assad-Armee auf die vordringenden Dschihadisten. Unter anderem befinden sich dort nach Angaben der "Syrischen oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte" Kampfflugzeug-Schwadronen, Helikopter, Panzer, Artillerie und Munition. Diese Information bekommt die Beobachtungsstelle von einem Netzwerk von Informanten vor Ort, die Korrektheit ihrer Angaben können jedoch von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Sicher ist, dass die syrische Armee vor dem Verlust der Basis Al-Tabka ihre Kampfjets und Hubschrauber zu anderen Flughäfen brachte. Aber stattdessen seien den IS-Truppen dort stationierte Panzer, Artillerie und vor allem große Mengen an Munition in die Hände gefallen, meint Günter Meyer: "Solche eroberten Waffen können von den Extremisten durchaus erfolgreich eingesetzt werden. Dies hat sich bereits nach der früheren Einnahme von anderen Militärbasen sowohl in Syrien als auch vor allem im Irak gezeigt."

"Weitere Massaker gegen Konfessionslose"

Beide Seiten hatten zuvor viele Kämpfer zu dem Flughafen geschickt - und mussten herbe Niederlagen hinnehmen. Bei den blutigen Kämpfen um das Flughafengelände wurden dutzende syrische Soldaten und mindestens 100 IS-Kämpfer getötet. Die syrische Armee bombardierte die Terror-Kämpfer aus der Luft, die Extremisten schickten einen Selbstmordattentäter, der eine Autobombe zündete.

In der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana heißt es, die Armee habe sich, nachdem sie den Flughafen verlassen habe, "erfolgreich gesammelt" und neu formiert. Trotz herber Niederlagen kann sich die syrische Armee des Präsidenten Assad regenerieren, meint Günter Meyer. Die Waffenarsenale des Assad-Regimes seien nach wie vor ausreichend gefüllt. Syrien erhalte immer wieder Nachschub aus Russland und dem Iran.

"Assads Armee ist noch ausreichend gerüstet"

Professor Günter Meyer von der Universität Mainz steht vor einer großen Landkarte. (Foto: Peter Pulkowski)

Meyer: "Eroberte Waffen können von Extremisten eingesetzt werden"

Eine Rückeroberung des Flughafens und anderer östlicher Gebiete würde allerdings jetzt nicht im Fokus der Regierungstruppen stehen. Auch wenn die Luftwaffe in zunehmendem Maße auch Stellungen des "Islamischen Staates" im Osten angreife. "Bei ihren Angriffen konzentriert sich die Regierung mit ihren Bodentruppen und mit Unterstützung durch die Hisbollah vor allem auf die Rückeroberung und Konsolidierung ihrer Machtpositionen in den westlichen Landesteilen, besonders in den großen Städten und deren Umland", so der Experte. Stattdessen melden andere Rebellen-Milizen und kurdische Kämpfer die Vertreibung der IS-Truppen aus einigen Dörfern im Norden.

"Eine gravierende Veränderung der Lage wäre denkbar, wenn das syrische Angebot zum Kampf gegen den 'Islamischen Staat' gemeinsam mit einer internationalen Koalition angenommen würde", sagt Nahost-Experte Meyer. Die syrische Regierung hat bereits in den vergangenen Tagen betont, dass sie zu einer Kooperation mit westlichen Staaten, wie den USA oder Großbritannien, bereit wäre, um die IS-Terrormiliz zu bekämpfen.

Sevim Dagdelen befürwortet eine Beendigung der Sanktionen gegen Syrien, um gegen den IS-Terror gemeinsam vorzugehen. "Die Syrien-Sanktionen stärken lediglich den IS. Die verheerende 'Regime Change'-Politik im Nahen Osten darf nicht weiter fortgeführt werden. Die militärische Kooperation mit den Sponsoren und Förderern des IS; Katar, Saudi-Arabien und dem Erdogan-Regime in der Türkei muss eingestellt werden." Die Golfstaaten stehen seit langem in der Kritik, den IS-Terror durch Spenden zu finanzieren und zu unterstützen.

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