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Aktuell Nahost

Syrien will sich am internationalen Kampf gegen IS beteiligen

Das Bündnis der Feinde der Terrormiliz IS scheint zu wachsen. Die syrische Führung erklärt sich bereit, beim Kampf gegen die Dschihadistengruppe mit dem Westen gemeinsame Sache zu machen. Unter bestimmten Bedingungen.

Der syrische Außenminister Walid al-Muallim sagte mit Blick auf die radikalsunnitische Miliz "Islamischer Staat" (IS), die Regierung sei "zur Kooperation und Koordination auf regionaler und internationaler Ebene bereit, um den Terrorismus zu bekämpfen". Auch wolle Syrien eine Resolution des UN-Sicherheitsrats zu der Frage mittragen. Sämtliche Einsätze auf syrischem Staatsgebiet müssten aber mit Damaskus abgesprochen werden, betonte al-Muallim. Alles andere werde als "Aggression"gewertet. Zudem müssten Syriens Nachbarstaaten ihre Geheimdiensterkenntnisse teilen.

Als weitere zentrale Bedingung nannte der Minister in Damaskus, dass die internationale Gemeinschaft die Führung und Unabhängigkeit Syriens respektieren müsse. Er bejahte ausdrücklich die Frage eines Journalisten, ob das Angebot auch für die USA und Großbritannien gelte. Der Westen ist bisher ein scharfer Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. In der vergangenen Woche hatten die USA jedoch Luftschläge gegen die Extremisten auch in Syrien nicht ausgeschlossen. Bereits seit gut zwei Wochen geht das US-Militär mit Luftangriffen gegen IS-Stellungen im Nordirak vor.

Militärflughafen erobert

Die Terrorgruppe IS beherrscht im Norden und Osten Syriens mittlerweile rund ein Drittel der Fläche des Landes. Auch im Nachbarland Irak kontrolliert sie riesige Gebiete im Norden und Westen. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, warf der extremistischen Miliz am Montag vor, massenhaft Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt zu haben. Der IS sei für flächendeckende ethnische und religiöse "Säuberungen" und andere abscheuliche Taten im Irak verantwortlich, erklärte Pillay in Genf. Christen, Jesiden sowie Angehöriger anderer religiöser und ethnischer Minderheiten seien besonders bedroht, betonte die Südafrikanerin.

Für die Regionen unter ihrer Kontrolle hat die IS-Führung ein Kalifat ausgerufen. Erst am Sonntag nahm die Dschihadistenmiliz nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten den strategisch wichtigen Militärflughafen Tabka in der nordsyrischen Provinz Rakka und damit die letzte Bastion der syrischen Streitkräfte in der Region ein. Das syrische Staatsfernsehen sprach nur von einer "erfolgreichen Evakuierung des Flughafens". Nach heftigen Kämpfen gruppiere das Militär seine Truppen neu.

Am Montag meldete die Beobachtungsstelle, nach dem Verlust des Flughafens habe die syrische Luftwaffe, die ihre Kampfflugzeuge habe in Sicherheit bringen können, mehrere Angriffe auf die Extremisten geflogen. Bei den Kämpfen um das Gelände wurden laut Beobachtungsstelle in den vergangenen Tagen mehr als 500 Menschen getötet, darunter mindestens 346 Extremisten. Zudem seien mehr als 170 Soldaten getötet worden. Das Schicksal von 150 vermissten Soldaten ist unbekannt.

Keine Waffen für Assad

Die Bundesregierung machte deutlich, dass sie eine Kooperation mit dem Assad-Regime ablehnt. Man habe keine Absicht, militärische Ausrüstung an Syrien zu liefern, wie dies für die Kurden im Nordirak geplant sei, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. "Man darf da unterschiedliche Formen von Unrecht nicht gegeneinander aufwiegen." Die Assad-Regierung habe unglaubliches Unrecht auf sich geladen. Es sei schwer vorstellbar, dies alles im Wege der Realpolitik wegzufegen. Die Beziehungen zwischen dem Westen und der Regierung in Damaskus sind wegen des syrischen Bürgerkriegs sehr gespannt.

Nach ihrem Vormarsch in Syrien und im Irak erhält die Terrorgruppe IS einen wachsenden Zulauf von Kämpfern. Allein am Wochenende hätten sich mehr als 300 Männer anderer oppositioneller Milizen den Extremisten angeschlossen, berichtete die oppositionsnahe Beobachtungsstelle. Ihr Leiter Rami Abdel Rahman sagte der Nachrichtenagentur dpa, insgesamt verfüge die Terrorgruppe in Syrien inzwischen rund 50.000 Kämpfer. Etwa 20.000 von ihnen kämen aus dem Ausland - vor allem aus dem arabischen Raum und aus Europa. Ein Grund für den Zulauf dürfte neben den militärischen Erfolgen vor allem auch die attraktive Bezahlung sein.

kle/rb (rtr, afp, dpa)