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Afrika

Terror und Tourismus in Tunesien

Terroristische Anschläge und auch der Aufstand von 2011 haben der tunesischen Tourismusindustrie hart zugesetzt. Das Land versucht seine Besucher bestmöglich zu schützen. Doch gegen Einzeltäter hat es wenig Chancen.

Die erhöhte Terrorwarnstufe hatte nichts genutzt. Bei den

Anschlägen auf zwei Touristenhotels

nahe der Stadt Sousse sind insgesamt 37 Menschen getötet worden. Viele weitere wurden verletzt. Unter den Opfern sollen auch Deutsche sein.

Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Eine Hotline ist unter der Telefonnummer 030-5000-3000 geschaltet. Der tunesische Präsident Béji Caïd Essebsi sagte der Nachrichtenagentur AFP, zum Kampf gegen die Dschihadisten bedürfe es einer "globalen Strategie". Allein könne Tunesien das Problem nicht lösen

Laut einem Sprecher des Reiseveranstalters lagen dem Unternehmen zunächst noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber vor, ob Gäste der TUI Deutschland von dem Anschlag betroffen seien. Derzeit hielten sich 3800 deutsche TUI-Gäste in Tunesien auf. TUI-Gäste, die in der aktuellen Sommersaison eine Tunesienreise gebucht hätten, könnten bis einschließlich 15. September gebührenfrei umbuchen oder stornieren.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

Sousse Tunesien Stadtansicht, 11.02.2013 (Foto: dpa)

Ansicht von Sousse

Die Sicherheitsvorkehrungen waren bereits im Oktober 2013 erhöht worden. Damals hatte schon einmal ein Selbstmörder in Sousse zugeschlagen. Am Strand des Badeortes zündete er einen Sprengsatz. Doch der Anschlag richtete nur Sachschaden an. Nach dem Anschlag auf das Bardo-Museum im März dieses Jahres hatte Tunesien die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal erhöht.

Dass diese die Urlauber

nur begrenzt würden schützen können

, war absehbar. Verschärfte Kontrollen und Sicherheitsmaßen seien zwar nötig, hatte der tunesische Politiker und Tourismusfachmann Ahmed Smaoui bereits nach dem Anschlag im Herbst 2013 erklärt. "Aber die eigentliche Lösung des Terrorproblems besteht darin, dass wir die politische, ökonomische und soziale Krise hinter uns lassen, in die das Land im Januar 2011 geraten ist." Damals hatten die Aufstände gegen den damaligen Diktator Zine al-Abidine Ben-Ali begonnen.

Soziale Hintergründe des Dschihadismus

Die politische Krise ist überwunden. Die soziale und wirtschaftliche besteht weiter. Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei 15 Prozent, unter jungen Menschen ist sie weit höher. In den städtischen Gebieten an der Küste liegt sie bei knapp 24 Prozent, in den ländlichen Gebieten des Südens ist nahezu jeder Zweite zwischen 15 und 29 Jahren ohne Arbeit. Zudem leiden viele Tunesier unter Armut: Im Durchschnitt hat jeder Tunesier gut 8.100 jährlich Euro zur Verfügung.

Armut und Perspektivlosigkeit spielen

dem dschihadistischen Terror

in die Hände. "Verzweifelte junge Männer können leicht zu Opfern von Dschihad-Propagandisten werden", erklärt der Aktivist Noumen Mhamdi aus der zentraltunesischen Kasserine Mitte Juni 2015 in einem Gespräch mit der französischen Tageszeitung Le Monde. Die Bürger der Stadt hatten 2011 ganz besonders engagiert gegen die Herrschaft Ben Alis gekämpft. Ökonomisch hat ihnen ihr Mut wenig gebracht: Die Wirtschaft der Stadt ist auch nach dem Aufstand nicht im Schwung gekommen. Einige Bürger haben sich inzwischen dem radikalen oder sogar dschihadistischen Islam verschrieben. "Islamischer Staat. Feinde Allahs, Ihr werdet im Schrecken leben", prangt an der Mauer einer Schule, berichtet der Reporter von Le Monde.

Allerdings ist Armut nicht der einzige Faktor, der den Terror fördert. Zumindest einige der Terroristen, die nach dem Anschlag im März dieses Jahres gegen das Bardo-Museum in Tunis verhaftet wurden, stammen aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Insgesamt, so die Schätzungen, kämpfen zudem rund 3.000 Tunesier in Syrien und dem Irak an der Seite des IS.

Gefahren für den Tourismus

Die Synagoge von Djerba, 12..02.2002 (Foto: AP)

Im Jahr 2002 Ziel eines Terroranschlags: die Synagoge von Djerba

Die Zerstörungswut der Dschihadisten ist für das Land eine erhebliche Gefahr. Der Tourismus trägt sieben Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Er hat rund 400.000 Arbeitsplätze entstehen lassen und beschäftigt damit 12 Prozent der aktiven Bevölkerung. Wie empfindlich der Sektor ist, zeigte sich erstmals nach dem

Anschlag auf die Synagoge auf der Insel Djerba

im April 2002. Dabei kamen 19 Touristen ums Leben, unter ihnen 14 Deutsche. 30 weitere Personen wurden verletzt. Auch unter den Attentätern war ein Deutscher, der 1966 geborene Christian Ganczarski. Er wurde im Februar 2009 wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Vor dem Anschlag besuchten rund 300.000 deutsche Touristen jährlich Djerba. Im Jahr 2003 kamen nur noch 120.000 deutsche Touristen nach Tunesien. Auch der Aufstand des Jahres 2011 setzte dem Tourismus zu, wenn auch weniger stark als zunächst befürchtet. Im Jahr 2014 besuchten sechs Millionen Reisende das Land – ein Rückgang um knapp 15 Prozent im Verhältnis zum Jahr 2010. Mit den heutigen Anschlag dürften sämtliche Bemühungen der letzten Jahre zunichte gemacht worden sein, diesen Trend umzukehren.

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