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Migration

Taufe als Mittel gegen Abschiebung?

Ihre Namen sind Amir, Jaqob oder Nesrin. Ihre Heimat ist Afghanistan oder der Iran. Ihr neues Zuhause ist Deutschland. Hier lassen sie sich taufen. Erschleichen sich Geflüchtete durch die Taufe bessere Chancen auf Asyl?

"Die Glaubensbekenntnisse, die ich höre, berühren mich, weil sie so euphorisch sind", erzählt Irmgard Conin. Sie ist Pastoralreferentin und Leiterin von Fides, einer katholischen Beratungsstelle für religiös interessierte Menschen mitten in Köln. Dieses Jahr wird sie fünf Flüchtlinge auf ihrem Weg zur Taufe begleiten. Einer von ihnen ist Jaqob. "Er ist mit so viel Leidenschaft dabei und eine Bereicherung für die Gemeinde", schwärmt sie.  

Neue Sprache, neue Religion

Jaqob stammt aus Afghanistan. In Köln angekommen, will er sich endlich taufen lassen. Die Gründe, warum Menschen eine neue Religion annehmen, seien vielfältig, erklärt Conin. "Einige wollen den Islam aus ihrem Herkunftsland hinter sich lassen. Sie sagen, das Christentum sei die wahre Religion der Liebe." Andere möchten sich mit Deutschland identifizieren. Wenn sie hier leben, möchten sie auch Christ sein, sagt sie. 

Wollen sich muslimische Flüchtlinge in Deutschland taufen lassen, kommt oft der Verdacht auf, sie wollten sich durch die Konversion ihre Chancen auf politisches Asyl erschleichen. Die Diskussion wurde durch den Fall eines Afghanen neu angefacht. Dieser ließ sich während seiner Haftstrafe taufen und verhinderte somit seine bereits angeordnete Abschiebung. Am Pfingstwochenende tötete er in einer bayrischen Flüchtlingsunterkunft in Arnschwang einen kleinen Jungen, ein heikler Vorfall für Politik und Kirche.

Konsequente Abschiebung von Straftätern

Politiker aller Parteien fordern seit längerem eine konsequente Abschiebung von straffällig gewordenen Asylbewerbern. Auch der Täter von Arnschwang sollte zurück nach Afghanistan, doch das damals zuständige Verwaltungsgericht München stoppte die Abschiebung. Der Grund: Durch den Wechsel vom Islam zum Christentum drohe ihm in seiner Heimat Folter oder gar die Todesstrafe.

Berlin Taufe von Muslimen (DW/M. Gwozdz)

Ein Pfarrer tauft in Berlin-Steglitz 18 einstige Muslime

Der politische Druck wächst. Den Kirchen wird eine zu lasche Prüfung der Ernsthaftigkeit der Täuflinge unterstellt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erklärte, er erwarte von Kirchen und Gerichten, "dass sie sich sehr genau anschauen, ob einer wirklich zum Christentum übertritt". Der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Ulf Küch, ist grundsätzlich skeptisch gegenüber Taufen muslimischer Flüchtlinge. Er hält ihre Konversionen für einen "Trick, um im Land bleiben zu können. Wenn die Abschiebung des Täters daran gescheitert ist, dass er seinen Glauben gewechselt hat, dann muss man nur eins und eins zusammenzählen."

War der Mörder tatsächlich bekennender Christ? Wurde die Ernsthaftigkeit des Afghanen ausreichend geprüft? Oder wollte er sich durch seinen Glaubenswechsel einen Aufenthaltstitel erschleichen? Das Verwaltungsgericht äußerte in einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Welle, dass es sich hierbei um eine schwierig zu treffende Entscheidung handele, "da sich die religiöse Identität eines Menschen als eine innere Tatsache nur aus dem Vorbringen des Asylbewerbers feststellen lässt." Etwa durch eine ausführliche persönliche Befragung des Asylbewerbers oder von Gemeindemitgliedern ließe sich prüfen, ob der Übertritt zum Christentum auf einer ernsthaften und gefestigten inneren Glaubensüberzeugung und nicht lediglich auf asyltaktischen Gründen beruhe.

Wie ist Glaube beweisbar?

Das für die Abschiebungen verantwortliche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zweifelt den durch Taufbescheinigung nachgewiesenen Glaubenswechsel an sich nicht an, so die Behörde auf Anfrage der DW. "Der Antragsteller muss glaubhaft machen, dass er seine Konversionsreligion bei Rückkehr in sein Heimatland ausüben wird und dass ihm deswegen dort eine asylrelevante Verfolgung droht." Und weiter: "Es wird generell unterstellt, dass eine sorgfältige Taufbegleitung von Seiten der christlichen Gemeinden erfolgt ist."  

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Asylgrund oder Glaubensfrage?

Es brauche einen monatelangen Prozess der Vorbereitung und der Prüfung, bevor jemand getauft und in die Kirche aufgenommen wird, heißt es von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Das gelte für alle Taufbewerber, unabhängig von Herkunft oder kulturellem Hintergrund. Der lange, gewissenhafte Weg der Taufbegleitung bedeute eine gewisse Abschreckung gegen Missbrauch, meint Klaus Hagedorn, Koordinator der Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln. Er erzählt, dass er vereinzelt von Flüchtlingshelfern angerufen werde, die mit einer Taufe eine drohende Abschiebung aufhalten wollten. "Wir reagieren, indem wir nicht taufen", betont er.

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sehen keinen Zusammenhang zwischen Flüchtlingszuzug und vermehrten Taufen. Diese gebe es auch gar nicht. Der evangelische Superintendent Thomas Zimmermann aus Köln bestätigt, dass in den angeschlossenen Gemeinden im vergangenen Jahr sich weniger als zehn Erwachsene hätten taufen lassen.

Angst vor Verfolgung

Irmgard Conin spricht in ihren Vorbereitungsgesprächen zur Taufe das Thema Asyl an. Denn eine Konversion würde auch bedeuten, in der alten Heimat verfolgt zu werden. "In 99 Prozent der Fälle bestand ein echtes Interesse daran, einen befreienden Glauben zu bekommen - auch auf die Gefahr hin, dass dies ein Bruch mit der Familie bedeutet", erzählt sie. "Zwei Männer sind dieses Jahr tatsächlich abgesprungen, weil sie abgeschoben werden sollen. Sie hatten zu große Angst vor den drohenden Repressalien in ihrer Heimat."

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