1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Amerika

Mitt Romneys Wahlkampfpatzer

Sieben Wochen vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl am 6. November torpediert der republikanische Kandidat Mitt Romney seine Erfolgschancen durch ungeschickte Äußerungen.

Ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Präsidenten Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney - so sagten es Umfragen lange voraus.

US-Flagge, darauf ein Schild: Arbeite für Essen (Foto: jamdesign)

"Arbeite für Essen" - Die US-Arbeitslosigkeit sinkt, liegt aber immer noch über 8 Prozent

Und plötzlich taucht der Videomitschnitt einer Rede auf, die Romney Mitte Mai vor reichen Spendern in Florida hielt. Dort sprach er über jene "47 Prozent der Menschen", die bei der Wahl im November für Obama stimmen würden. Sie sähen sich selbst als "Opfer", hätten es auf Sozialleistungen abgesehen und zahlten keine Einkommenssteuern.

Eigentlich bietet sich Mitt Romney reichlich Gelegenheit, Obamas Politik zu attackieren und sich als die bessere Alternative zu präsentieren. Denn in vier Jahren Amtszeit hat Obama nicht alle Hoffnungen erfüllt, die er geweckt hatte. Und die Arbeitslosenquote ist mit rund acht Prozent für US-amerikanische Verhältnisse recht hoch. Doch immer wieder vergibt Romney seine Chance, verspielt in der Öffentlichkeit seine Sympathiewerte: Wenn er offen mit seinem Reichtum kokettiert und wenig Mitgefühl mit sozial Bedürftigen zeigt.

"Mein Job ist nicht, mich um diese Leute zu kümmern", sagt er im Videomitschnitt seiner Florida-Rede wörtlich: "Ich werde sie niemals überzeugen, persönlich Verantwortung zu übernehmen und für ihr Leben zu sorgen."

"Das wird ihm politisch schaden"

Christian Lammert, Dozent am John F. Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin (Foto: Christian Lammert)

Politikwissenschaftler Christian Lammert: "Romney zahlt selbst keine Einkommenssteuer!"

Mit solchen Wählerbeschimpfungen schade Romney sich nur selbst, meint Christian Lammert, Dozent am John F. Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin, im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Das sind so Zeichen, dass er überhaupt nicht mit dem normalen Amerikaner in Kontakt kommt. Das muss ein Präsidentschaftskandidat schaffen im Wahlkampf, dass er auch die gesamte Gesellschaft anspricht."

Dennoch würden seine Äußerungen in den USA nicht auf so viel Ablehnung stoßen wie in Deutschland, erklärt Lammert. "Generell ist es schon so, dass in den USA gerade die ganz Bedürftigen, die Sozialleistungen empfangen, häufig stigmatisiert werden: Sie seien faul oder sie würden sich nicht bemühen."

Solche Sätze stießen vielleicht bei Romneys reicher Zuhörerschaft in Florida auf Zustimmung, sagt Amerika-Experte Lammert. Gleichwohl habe sich Romney verkalkuliert. "Im Kontext der Wirtschaftskrise sind auch viele aus der Mittelklasse von Existenzängsten bedroht. Die schmeißt Romney hier alle in einen Topf - und das wird ihm politisch schaden."

"Harter Kerl" - oder versöhnliche Vaterfigur?

Gwendolin Jungblut, Politiktrainerin bei der Agentur The LeaderShip (Foto: The LeaderShip)

Nennt Romney "harten Kerl": Politikberaterin Jungblut

Gwendolin Jungblut, Politiktrainerin in einer Wiesbadener Agentur, geht sogar noch weiter in ihrer Einschätzung. "Der aktuelle Patzer ist der letzte Schritt gewesen um sich öffentlich zu disqualifizieren, ganz klar", sagt sie im Interview mit der Deutschen Welle.

Romney habe im Laufe der vergangenen Monate schon diverse Missgriffe getan, die Zweifel an seiner Kompetenz und seiner Glaubwürdigkeit weckten. Ihm bliebe nun nichts anderes mehr übrig, als seinem Image als "harter Kerl" treu zu bleiben.

Mitt Romney vor US Flaggen (Foto: REUTERS/Jason Reed)

Versöhner? Vaterfigur? Kandidat Mitt Romney, 65

Ein Image, das in den USA zwar einerseits gut ankommt. Andererseits erwarte die Bevölkerung von einem Präsidenten eher eine versöhnlichere, nicht-spaltende Haltung, meint Christian Lammert: "Was er momentan nicht schafft, ist, als Vaterfigur rüberzukommen, der die Leute zutrauen, die Probleme der USA zu lösen."

Deutschland mag es sachlich-fachlich

In Amerika spiele der persönliche Eindruck des Kandidaten eine wesentlich größere Rolle als in Deutschland, erklärt Gwendolin Jungblut: "Wir arbeiten hier nicht so sehr mit diesem Zukunftsbildern und mit dieser stark emotionalen Ansprache, sondern doch eher fakten- und themenorientiert. Und man hat auch das Gefühl, dass die öffentliche Meinung das von einem Politiker erwartet."

Die Redaktion empfiehlt