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Deutschland

Mit Drohnen gegen Graffiti

Die Deutsche Bahn testet Mini-Drohnen, um Graffiti-Sprüher aufzuspüren. Experten halten das für unverhältnismäßig und sinnlos. Die Bahn solle lieber in Lacke investieren, durch die sich Graffiti leicht entfernen lassen.

Mini-Drohne (Foto: dpa)

Deutsche Bahn mit Drohnen gegen Graffiti

"Wir werden in zehn Jahren einen Himmel voller Drohnen haben", prophezeit Wolfgang Wieland von den Grünen. Der Partei-Sprecher für Innere Sicherheit mahnt, man müsse sich jetzt schon ernsthafte Gedanken machen, wie man das einschränken könne.

Die Deutsche Bahn dagegen sieht sich im Recht. Im vergangenen Jahr seien mehr als 14.000 Graffiti entdeckt worden, schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Ihr sei ein Schaden von mehr als sieben Millionen Euro entstanden. Jetzt untersucht sie, ob Drohnen ein geeignetes Mittel gegen Sprayer sind. Ein Bahnsprecher betont, die Mini-Helikopter würden in den kommenden Wochen ausschließlich über Bahngelände getestet.

Grünen-Politiker Wolfgang Wieland (Foto: dpa)

Grünen-Politiker Wolfgang Wieland

Die unbemannten Fluggeräte sollen etwa 60.000 Euro pro Stück kosten. Sie werden vom Boden aus ferngesteuert und sind fast geräuschlos, weil sie mit leisen Elektromotoren und kleinen Rotoren funktionieren. Über Abstellgleisen und Güterbahnhöfen sollen sie - mit Wärmebildkameras bestückt - Ausschau nach Graffiti-Sprühern halten.

Sinnlos weil sichtbar

Verboten ist das nicht, solange die Drohnen nicht zu hoch steigen und ausschließlich das Werksgelände beobachten. Aber wie sinnvoll kann das sein? Elmar Giemulla hält den Drohneneinatz der Bahn angesichts der Rechtslage für Unfug. Der Experte für Luft- und Verkehrsrecht sagte im DW-Gespräch, die Piloten am Boden bräuchten keine Lizenz zum Steuern, deshalb dürften sie die Drohnen aber auch nur in Sichtweite fliegen lassen, und "wenn ich das Luftfahrzeug als Steuerer sehe, dann können es auch andere sehen".

In der Dunkelheit müsse die Drohne sogar in irgendeiner Art und Weise beleuchtet werden, um ihre Position auszumachen. Der Sinn eines solchen Einsatzes könne aber nur sein, dass das Gerät von den Sprayern nicht entdeckt wird. "Die Anforderung, dass die Drohne vom Steuerer gesehen werden muss, frisst den Sinn dieses Einsatzes auf", ist Giemulla deshalb überzeugt.

Graffito auf einem Zug (Foto: dpa)

14.000 solcher Graffiti hat die Bahn 2012 entdeckt

Jetzt erst recht

Der Dortmunder Rechtsanwalt Patrick Gau geht noch einen Schritt weiter. Gau hat sich auf Graffiti-Straftaten spezialisiert und weiß, wie Sprayer denken. Sie würden es als Räuber- und Gendarm-Spiel sehen, erklärte er im Interview mit der Deutschen Welle. Wenn Sprayer eine Drohne entdeckten, dann würden sie einfach zum nächsten drohnenfreien Abschnitt gehen. "Das Ganze verlagert sich also."

Möglicherweise würden die Mini-Hubschrauber die Sprayer auch noch zusätzlich reizen: "Es wird eher dazu führen, dass man demnächst Youtube-Videos sieht, in denen solche Drohnen abgefilmt werden und anschließend zwei Sprüher, die doch noch schnell ein kleines Bild malen, um zu zeigen: Wir haben die Deutsche Bahn veräppelt."

Mit Drohnen auf Spatzen

Zudem sei der Drohneneinsatz völlig unverhältnismäßig, meint Gau. "Man schießt hier mit Kanonen auf Spatzen, oder anders gesagt: Die Bahn lässt hier Drohnen auf Spatzen los." Graffiti auf Züge zu sprühen sei ein Delikt der untersten Kriminalitätstufe, trotzdem werde von Seiten der Bahn jetzt dieser erhebliche Aufwand betrieben. Die Polizei zum Beispiel dürfe Drohnen nur einsetzen, wenn es um sehr schwere Straftaten gehe.

Eine Drohne der Firma Microdrones (Foto: Microdrones)

Dürfen nur in Sichtweite gesteuert werden: Mini-Drohnen

Rechtsanwalt Gau hält es für sinnvoller, in spezielle Lackierungen der Züge zu investieren. Die Bahn setzt sie an verschiedenen Standorten schon ein. Die Lacke haben einen Lotus-Effekt - Farbe aus Sprühflaschen kann darauf nicht richtig haften, sie lässt sich so ziemlich einfach entfernen. Patrick Gau stellt sich deshalb die Frage: "Warum investiert die Bahn ihr Geld nicht in die Beschichtung der Züge anstatt in die Aufrüstung mit Drohnen?"

Google Earth mit Live-Bildern

Grünen-Politiker Wolfgang Wieland lehnt einen Einsatz der Überwachungsdrohnen innerhalb von Städten grundsätzlich ab, aus Gründen des Datenschutzes und der Privatsphäre. "Wenn ich mich FKK-mäßig in meinen Garten lege, möchte ich sicher sein, dass ich nicht von oben beobachtet und gefilmt werde", gibt er zu bedenken. Er sieht die Gefahr, dass sich irgendwann eine Art permanentes Google Earth mit Live-Bildern entwickeln könnte, wenn man jetzt nichts unternehme. "Das ist eine Horrorvision."

Wieland könnte sich aber vorstellen, dass Gleisanlagen auf dem Land von Drohnen überwacht werden, um Metalldiebe zu überführen. Für die kilometerlangen Schienenabschnitte bräuchte man ferngesteuerte Drohnen. Das ist laut aktuellem Gesetz allerdings verboten, betont Luftfahrtexperte Elmar Giemulla. "Zur Zeit ist das noch nicht möglich."

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