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Bücher

Missionar der Poesie

Lyrik verkauft sich in Deutschland nicht mehr gut. Viele Verlage nehmen die Dichtung aus dem Programm. Anton G. Leitner stemmt sich gegen den Trend: Er widmet sich ganz dem Verlegen von Poesie und dem Dichten selbst.

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Der Verleger Anton Leitner

Nicht weit von München, in einem kleinen Ort namens Weßling, entsteht eine der wichtigsten Lyrik-Zeitschriften in Deutschland, die Zeitschrift "Das Gedicht". Anton G. Leitner, 43 Jahre alt und studierter Jurist, gibt sie heraus und leitet den kleinen, aber für deutschsprachige Poesie bedeutenden Verlag. Die Rechtswissenschaften hing er vor zwölf Jahren zugunsten der Lyrik an den Nagel.

Die ewigen Themen der Poesie

Anton G. Leitner dichtet selbst und er gibt auch in größeren Verlagen Lyrik-Anthologien heraus - etwa bei dtv, Hanser oder Reclam Leipzig. Ihn interessieren dabei nicht so sehr die Texte, die sowieso in jedem Schulbuch stehen, sondern solche, die anecken, überraschen oder witzig sind. Dies gilt auch für seine Zeitschrift "Das Gedicht". "Im Prinzip will ich den ewigen Themen der Poesie nachspüren", meint Leitner. "Die ewigen Themen der Poesie sind die Liebe, die Erotik, irgendwo die Sinnstiftung."

So auch in der aktuellen Ausgabe von "Das Gedicht", die den Titel "Nackt. Leibes- und Liebesgedichte" trägt. Neben zahlreichen poetischen Texten gibt es auch einige Essays und - wie in jeder Ausgabe - einen Überblick über neueste Lyrik-Veröffentlichungen. Das aktuelle Heft verkauft sich gut, doch gab es auch einige Buchhändler, die den Band aufgrund seines offensiven Titels nicht auf dem Ladentisch liegen haben wollten. Aus Angst, vermutet Leitner, weil die Lyrik sicherlich eher ein Bild im Kopf wachrufen könne als eben eine andere literarische Gattung. Aber es freut Verleger, dass er auf solche Widerstände stößt, weil es ja ein Zeichen ist, dass "man noch jemanden treffen kann mit einem Gedicht". Immerhin ist Lyrik für ihn irgendwie "auch etwas Subversives".

Kämpfer für die poetische Sache

Leitner lässt vor allem zeitgenössische Autoren zu Wort kommen. Nach ihren Geburtsdaten geordnet geht das in seiner Zeitschrift mit der von ihm sehr verehrten Lyrikerin Friederike Mayröcker, geboren 1924, los und hört bei der gerade mal 17jährigen Annika Maren Högner auf. Und da Leitner nicht nur Herausgeber, sondern selbst auch Lyriker ist, findet man eines seiner eigenen Gedichte irgendwo in der Mitte beim Jahrgang 1961:

Hängt da ein Kurzes
Am Bügel, schwarz

Im Schlaf gemach
Gemach: gefüllt mit

Luft, Lust aber
Streifen im Schweben. Da

Raschelt der falsche
Himmel, ein Dach aus

Seide. Durch lässig
Der Vogel an Bord mein

Gezeichneter Körper im Fluß
Schlangen Linien

Für die Auswahl der Texte - sei es für seine Zeitschrift, sei es für Anthologien - stöbert er wochenlang im Keller seines Verlages. Dort hat er mit den Jahren etwa 5000 Lyrikbände angesammelt. Oder er ruft seine Autoren einfach an, schließlich steht er mit vielen von ihnen auf freundschaftlichem Fuß. Aber auch unaufgefordert flattern ihm täglich 10 bis 20 Manuskripte auf den Schreibtisch.

Wenn er nicht selbst schreibt oder Texte für Bücher und Zeitschriften auswählt, ist er in Schulen unterwegs, um Schülern die Angst vor der Poesie zu nehmen. Oder er gibt in seinem Verlag Seminare für Lyriker. Er ist ein wahrer Hans Dampf, ein unermüdlicher Kämpfer für die poetische Sache, die heutzutage doch immer mehr an Boden verliert. Gegen diese Tendenz arbeitet er täglich an.

Die nächste Ausgabe von "Das Gedicht" erscheint im Sommer 2005 und wird sich mit dem Thema "Kindheit" beschäftigen.

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