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Fußball

Marozsan: "Der WM-Titel fehlt noch"

Die DFB-Frauen wollen in Kanada die WM gewinnen. Eine der zentralen Spielerinnen ist Dzsenifer Marozsan. Vor Turnierstart spricht die Mittelfeldspielerin und Standardspezialistin im DW-Interview über ihre Erwartungen.

DW: Sie haben mit ihrer Mannschaft, dem

1. FFC Frankfurt

, gerade die Champions League gewonnen. Glauben Sie, das Fußballtalent etwas ist, dass einem in die Wiege gelegt wird?

Dzsenifer Marozsan: Ich glaube schon, dass man das Ballgefühl und all das schon ein bisschen im Blut hat, wenn man Fußballerin ist. Aber das alleine reicht nicht aus. Es gehört auch sehr viel Disziplin und hartes Training dazu. Ich denke, wenn man eine gute Kombination aus allem hat, kann man es ganz weit schaffen.

Ich frage deshalb, weil ihr Vater auch Profifußballer war und ihr Bruder ebenfalls gespielt hat. Wie war ihr Alltag in der Familie, als Sie ein kleines Mädchen waren?

Papa hat uns den Fußball vorgelebt. Mein Bruder David war auch fußballverrückt. Er kam von der Schule nach Hause und ist dann mit dem Ball unterm Arm direkt auf den Bolzplatz gegangen. Ich musste mich anfangs hinterherschleichen, weil er mich nicht gerne mitgenommen hat. Es war ihm sehr unangenehm, weil ich die kleine Schwester war. Aber nach einiger Zeit war er ganz stolz und hat mich gerne mitgenommen und hat mich dann auch immer von sich aus gefragt, ob ich mitgehen will, um mit seinen Freunden zu kicken. Das hat sich durch meine Kindheit gezogen. Ich hab die meiste Zeit auf dem Bolzplatz verbracht, mit Jungs eben. Von der Schule auf den Bolzplatz, bis die Laternen ausgingen. Dann wurden natürlich noch die Hausaufgaben gemacht und dann ging's ab ins Bett.

Sie waren nicht mal 15 Jahre alt, als Sie zum ersten Mal in der Bundesliga auf dem Platz standen. Kurz danach haben Sie ihr erstes Bundesligator erzielt. War da schon klar, dass sie eine richtige Karriere im Fußball machen werden?

Deutschland Fußballerin Dzsenifer Marozsan mit Trainer Colin Bell

Marozsan und FFC-Trainer Bell mit der Champions-League-Trophäe

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir darüber nie Gedanken gemacht habe. Ich wollte immer nur Fußball spielen und habe alles auf mich zukommen lassen. Klar hat man immer gehört, "Dzsenni, dich sehen wir irgendwann mal im Fernsehen." Und ich hab mir immer gedacht, ja, wenn's so ist, dann ist es eben so. Ich mache mir da wenig Druck. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, ist es natürlich schön, wie das alles gelaufen ist und es macht mich sehr stolz.

Es gab auch nie irgendetwas anderes, das sie gerne machen wollten, andere Pläne?

Parallel zum Fußball habe ich bis zu meinem 13. Lebensjahr Tischtennis gespielt. Aber dann wurde das alles sehr viel mit dem Training und der Schule. Dann musste ich mich entscheiden und dann war mir der Mannschaftssport doch lieber. Von da an habe ich nur noch Fußball gespielt. Aber ich bin froh über diese Entscheidung.

Sie haben ja schon sehr viele Auszeichnungen, goldene Bälle und so weiter. Jetzt kommt die WM. Wie ist das Gefühl davor? Ist das der Titel, der noch fehlt?

Ja, natürlich ist das ein Titel, der noch fehlt. Aber ich denke, wir haben das Potential ihn zu holen. Wir müssen einfach von Spiel zu Spiel schauen und nicht jetzt schon an das Finale denken. Wir werden ganz konzentriert und fokussiert in die Gruppenphase gehen und dann schauen wir, wie es weiterläuft. Ich bin sehr optimistisch, denn wir haben eine sehr gute Mannschaft und ich freue mich auf Kanada.

Was sind die besonderen Stärken Ihres Teams?

Wir haben individuell sehr gute Spielerinnen, die aber auch als Team sehr gut funktionieren. Wir sind auf dem Platz und auch neben dem Platz eine Truppe und das merkt man auch. Das ist, glaube ich, ein sehr wichtiger Faktor.

Dass ihre

Trainerin Silvia Neid

ihr letztes Turnier coacht und ihren Abschied angekündigt hat und dass auch

Nadine Angerer

, ihre Torhüterin, aufhören wird nach der WM – bedeutet das etwas für sie als Mannschaft?

Bundestrainerin Silvia Neid (l.) und Torfrau Nadine Angerer (Foto: Carmen Jaspersen/dpa)

Bundestrainerin Neid (l.) und Torfrau Angerer hören nach der WM auf

Ja, natürlich. Wir wollen natürlich für beide einen wunderschönen Abschluss, der unvergesslich bleibt. Ich denke, das wird nochmal einen Schub Motivation geben und wir werden nochmal alles aus uns rausholen um den beiden den Abschluss im DFB-Team zu versüßen.

Worauf wird es ankommen bei der WM in Kanada?

Bei einem Turnier ist es so, dass man auf den Moment genau da sein und topfit sein muss. Man kann sich keine Patzer erlauben. Diesen Druck zu spüren, darauf freue ich mich. Bei einem Turnier gehört auch viel Glück dazu. Vor allem, wenn es ins K.o.-System geht, dann muss man seine beste Leistung abrufen, sonst ist man draußen. Und diesen Anspruch zu erfüllen, das macht dann schon Spaß.

Dzsenifer Marozsan wurde 1992 in Budapest geboren. Als ihr Vater Janos Marozsan, ein viermaliger ungarischer Fußballnationalspieler, einen Vertrag beim damaligen Regionalligisten 1. FC Saarbrücken unterschrieb, zog die Familie nach Deutschland. Marozsan debütierte im August 2007 als 15-Jährige beim 1. FC Saarbrücken in der Bundesliga. 2009 wechselte sie zum 1. FFC Frankfurt. In der Nationalmannschaft spielte sie seit 2010 bislang 48 Mal und erzielte dabei 25 Tore. Sie hat bereits die Europameisterschaft (2013), die Champions League (2015) und den DFB-Pokal (2011, 2014) gewonnen. Bei der U20-Weltmeisterschaft 2012 erhielt Dzsenifer Marozsan den Goldenen Ball als beste Spielerin des Turniers.

Das Interview führte Jana Schäfer.

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