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Kultur

Man muss sich immer in Frage stellen - 40 Jahre Art Cologne

Deutschlands größte Kunstmesse klassischen Moderne und Gegenwartskunst, die Art Cologne (1. bis 5.11.), geht neue Wege. Das Bestreben geht dahin, neue Künstler, Käufer und Galeristen zu gewinnen.

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Kunst muss gepflegt werden: 'Poliertes Straußenei' von Karin Sander

Nach einer Konjunkturschwäche Anfang der 1990er Jahre hat sich der Kunstmarkt von Jahr zu Jahr erholt. Hochwertige Arbeiten wechseln für Rekordpreise die Besitzer. Weniger bekannte Künstler haben es dagegen nach wie vor schwer. Hier setzten die Bemühungen der Art Cologne an.

Gérard A. Goodrow, Direktor der Arte Cologne

Gérard A. Goodrow, Direktor der Arte Cologne

Seit 2003 ist Gérard Goodrow Direktor der Art Cologne. Goodrow, seit 2003 Direktor in Köln, ist angetreten, die von vielen als verschlafen gescholtene Kunstmesse am Rhein wieder jünger und frischer zu gestalten und für professionellen Nachwuchs zu sorgen: "Man braucht Nachwuchs, und wir sehen das ganz stark im Bereich der Künstler und Galerien. Dieses Nachwuchspotential sichert auch die Zukunft, denn manche Galeristen gehen doch in die Rente, Künstler auch."

Für den Nachwuchs hat sich auf dem Messegelände der Bereich "Open Space" bewährt, wo die Werke junger Künstler nicht wie üblich in abgeschlossenen Kojen, sondern auf einer offenen Fläche ausgestellt werden. Es sind meist raumgreifende Installationen, die nicht gerade für das Wohnzimmer gedacht sind. Da ist noch immer die klassische Moderne gefragt, mit der sich die Art Cologne über die Jahre hinweg etabliert hat. Nach wir vor sind es die Bilder eines Klimt, Picasso oder Chagall, die Millionenbeträge erzielen.

Neue Trends: Skulptur und Papier

Art Cologne in Köln 2006

Julien Berthier: 'No Print'

Doch Goodrow sieht auch einen neuen Trend: "Es gibt einen Trend in Richtung Skulptur. Was wir aber auf der Art Cologne sehen ist ein ganz neues Interesse an Papierarbeiten. Papier spielt heute bei uns auf jeden Fall eine ganz große Rolle. Zeichnungen vor allen Dingen." Die sind nämlich meist preisgünstiger als Gemälde oder Skulpturen und damit besonders für junge Sammler attraktiv. Zeichnungen mit Kreide oder Bleistift, Druckgrafiken, aber auch Zeichnungen im Raum, zeigt die Art Cologne. Etwa von Fred Sandback, der mit Garn dreidimensional Linien durch den Raum führt. Zu sehen ist die Installation bei den "Hidden Treasures", ein neues Programm der Art Cologne. Bis zu sechs kunstgeschichtlich relevante Künstler im Alter über 40, die auf dem Kunstmarkt bisher noch nicht so präsent waren, will die Messe jährlich fördern.

Dass innovative Kunstideen nicht zwangsläufig von ganz jungen Künstlern kommen müssen, zeigt auch die Jubiläums-Sonderschau für Jannis Kounellis. Der Wahlitaliener gehört seit den 1960er Jahren zu den wichtigsten Vertretern der europäischen Gegenwartskunst (Art Povera). Bei der Art Cologne zeigt der 70-jährige eine Rekonstruktion seines bekannten Werkes "Ohne Titel" (Dodici Cavalli Vivi) von 1969. Zwölf Pferde stehen in einem Raum an den Wänden angebunden als lebendes Kunstwerk. Eine Installation, die damals als Protest gegen den Kunstmarkt gedacht war. Gerard Goodrow sieht es heute eher als Aufruf, sich selbst in Frage zu stellen: "Wenn man bequem wird, das kennen wir ja von der Kunst generell in Köln, im Rheinland, wenn man zu bequem wird, dann passiert nichts."

Alternativmesse: Art Fair

Art Cologne in Köln 2006

Durch ein Loch in einem Pappkarton betrachten zwei Messebesucher eine Fotografie von Caroline May

Genau da hat Köln über die Jahre etwas den Anschluss verloren. Der Spagat zwischen Tradition und Innovation ist eben nicht ganz einfach. Messen wie die Art Basel oder die neue Art Frieze in London laufen Köln im Bereich der zeitgenössischen Kunst den Rang ab. Auch das Art Forum in Berlin, dass sich der Gegenwarts-Kunst verschrieben hat und gerade erfolgreich zu Ende gegangen ist, lockt Galerien aus London, Paris und den USA, die der Art Cologne fehlen. Nur drei Galerien aus den USA sind in diesem Jahr in Köln vertreten. Dass soll sich in Zukunft ändern, deshalb wird die Art Cologne im nächsten Jahr im Frühjahr und nicht im Herbst stattfinden, wo die Konkurrenz zu groß ist.

Auch in Köln selbst hat sich vor vier Jahren eine Alternativmesse, die Art Fair, gebildet. Die Messe sieht sich als Ergänzung zur Art Cologne. Es geht darum, junge unverbrauchte Kunst vorzustellen zu fairen Preisen. Kein Werk darf teurer als 5000 Euro sein. Spontankäufe sind erwünscht. Am Qualitätsniveau wird dabei laufend gearbeitet, betont Peter Lodermeyer, kunsthistorischer Berater der Art fair: "Die Art Fair hat kein Problem damit sich sozusagen als Durchlauferhitzer für den Kunstmarkt zu sehen. Also als Entdeckermesse. Damit hängt auch der Eventcharakter zusammen, den die Art fair besonders betont."

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