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Kultur

Der deutsche Kunstmarkt im Wandel

Wie kommt die Kunst zum Kunden? Selten treten bildende Künstler als Direktvermarkter ihrer Werke auf. Stattdessen übernimmt ein komplexes und durchaus anfälliges System namens Kunstmarkt die Vermittlung.

Mann und Frau betrachten Kunstwerk

Im Blickpunkt: die 'Ware' Kunst

Die wichtigsten Akteure auf dem Kunstmarkt sind nach wie vor die Galeristen. Daneben sind auch Kunstberater, Auktionshäuser und Messen direkt mit dem Verkauf von Kunst beschäftigt. Aber auch nicht-kommerzielle Institutionen wie Museen und Kunstvereine sowie die Kunstkritik in den Medien sind wichtige Bestandteile des Marktes. Denn sie setzen die Trends und steigern mit dem Bekanntheitsgrad gewisser Künstler indirekt den Marktwert ihrer Produkte.

Für den Kölner Galeristen Rolf Hengesbach hängt vieles davond ab, in wieweit man wichtige Leute beeinflussen kann, wertsteigernd oder meinungsbildend auf diese Produkte einzuwirken: "Da spielt natürlich die enge Vernetzung von Galerien, Künstlern, Kritikern und Institutionen eine Rolle. Und diese Dichte ist in Deutschland sehr hoch."

Regionale Vielfalt

Die gute Infrastruktur des deutschen Kunstmarkts hat unmittelbar mit dem föderalistischen System hierzulande zu tun. Im Unterschied zu Amerika, Frankreich oder England haben sich in Deutschland parallel mehrere Kunstzentren und damit eine regionale Vielfalt herausgebildet, die eine eigene Dynamik entfaltet. Eine sehr plurale Szene also, die von der gegenseitigen Konkurrenz und vom Austausch befruchtet wird. "Nicht eine einzige Institution oder ein einziges Museum macht den Kunstmarkt, sondern eben der ganze Verbund der unterschiedlich strukturierten und auch unterschiedlich ausstellenden Museen und auch anderen Institutionen", sagt Hengesbach.

Vergleicht man die Zahlen der Galerien, Kunstmessen und öffentlichen Kunstinstitutionen, die der Internet-Dienst "artfacts" auflistet, liegt Deutschland nur knapp hinter den USA. Pro Kopf gerechnet ist Deutschland damit unangefochten Weltspitze. Über die tatsächliche Zahl deutscher Galerien gibt es jedoch wenig verlässliche Angaben. Je nach Definition schwankt die Zahl zwischen 1300 und 2000.

Kunstkauf per E-Mail

Kunst auf der Art Cologne

Art Cologne (Archivbild)

In Deutschland ist vor 40 Jahren auch die damals neue Vermarktungsform der Kunst-Messe entstanden. Die "Art Cologne" als Vorreiter wurde seither viel kritisiert, aber noch öfter kopiert. Gerade in den letzten Jahren sind weltweit zahlreiche neue Messe-Standorte entstanden. Auch in Deutschland ist die Messelandschaft mit Neugründungen zum Beispiel in Berlin, Karlsruhe und demnächst Düsseldorf in Bewegung geraten. Während viele Galerien einen Besucher-Rückgang beklagen, steigen die Besucherzahlen der Kunstmessen kontinuierlich.

Nicht minder wichtig für einen funktionierenden Kunstmarkt ist eine kauffreudige Kundschaft. Neben dem Typus des bedächtigen Kunstsammlers und klassischen Galerienbesuchers kennt der Markt mehr und mehr den Spontankäufer, der allenfalls zu den Messen kommt. Doch auch die technischen Innovationen des Internets verändern das Kunstkaufverhalten. Nicht nur bieten mittlerweile schon reine Online-Galerien und Online-Kunstkaufhäuser ihre Dienste an, Galeristen sind auch immer öfter mit der Situation konfrontiert, dass Sammler, denen sie nie persönlich begegnet sind, Kunst per E-Mail erwerben.

Um auf einem sich rasch verändernden globalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben, wünscht sich Susanne Zander, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverband deutscher Galerien, eine stärkere Professionalisierung des Galeristenberufs: "Es gäbe zum Beispiel die wunderbare Möglichkeit, innerhalb des Kunstgeschichte-Studiums einen Masterstudiengang 'Kunsthandel' zu etablieren." Ein Vorschlag, über den nicht nur Kultur- und Bildungspolitiker ernsthaft nachdenken sollten.

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