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Kultur

Kunstmarkt trotzt Wirtschaftskrise

Trotz der lahmenden Konjunktur in Deutschland boomt der Markt für zeitgenössische Kunst. Aber: Die deutschen Museen haben kein Geld. Die meisten Werke gehen ins Ausland.

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Die Installation Hohes C! des Künstlers Werner Reiterer

Angesichts der wirtschaftlichen Lage erscheint die Hochkonjunktur im Kunstmarkt wie ein Lichtstrahl am düsteren Horizont. Die Verbraucher haben ihre Gürtel zwar enger geschnallt, aber bei Gemälden oder Skulpturen wird nicht geknickert. "Kunst ist in Mode wie noch nie", sagt der Leiter der Kunstmesse Art Frankfurt, Michael Neff. Immer mehr Käufer steigerten die Preise, und dadurch steige das öffentliche Interesse. Inzwischen sei Deutschland nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Markt für zeitgenössische Kunst. "Beim Kunstkauf geht es weniger um Investitionen als um Vergnügen", sagt Alexander Sandmeier, Vorstandssprecher des Deutschen Kunsthandelsverbandes. Somit haben Kunstwerke neben anderen Gütern einen einzigartigen Status.

Kunstkauf aus Kulturbewusstsein

Ausstellung: Geschichtenerzähler, Waldbahn von Neo Rauch

Neo Rauch: Waldbahn

"Kunst ist kein Konsumgut", sagt Sandmeier. "Es ist wie mit Büchern: Während einer Wirtschaftsflaute fährt man sein altes Auto ein paar Jahre länger, aber man hört nicht auf zu lesen. Gerade wenn man ständig schlechte Nachrichten hört, ist Kunst vielleicht noch wertvoller als sonst". So ist der Kunstmarkt bis heute stabil geblieben. Vor allem wegen ihrer kulturellen Bedeutung werde Kunst sogar immer begehrter, sagt Werner Tammen, Vorsitzender des Landesverbandes Berliner Galerien. "95 Prozent der Kunstwerke werden gekauft, weil die Leute sie als persönliche Bereicherung sehen. Sich selbst mit Kreativität in Verbindung zu bringen wird immer mehr zur kulturellen Notwendigkeit, zu einem integralen Bestandteil des Kulturbewusstseins".

Laut Tammen haben sich deutsche Galeristen in den vergangenen Jahren sehr bemüht, "German Art" auf dem internationalen Markt voranzubringen. Das zeige jetzt Wirkung, und deutsche Kunst sei auf Fachmessen rund um den Globus sehr gefragt. Ausländische Sammler kämen gern nach Deutschland, weil hier so viel Kunst produziert werde. So wirke der Kunsthandel auch positiv auf die deutsche Gesamtwirtschaft. Dennoch seien in der Hauptstadt öffentliche Gelder für die Anschaffung von Kunst praktisch auf Null reduziert worden. So gehe jüngere deutsche Kunst vor allem an ausländische Museen und sei im Entstehungsland gar nicht mehr vertreten.

Kunst als Standortwerbung

Bewegungen wie die Neue Leipziger Schule oder auch aufstrebende Berliner Artisten können international der Renner sein, aber daheim sind sie oft unbekannt. "Museen tendieren dazu, erst einzusteigen, wenn die Preise in die Höhe geschossen sind", sagt Tammen. "Vorausgesetzt, dass ihre Budgets in absehbarer Zukunft nicht steigen werden, ist es gut möglich, dass die Sammlungen von Museen in 40 Jahren den Eindruck erwecken werden, heute sei gar keine Kunst gemacht worden. Dabei könnte die gegenwärtige Kunstszene lebendiger gar nicht sein. Wir müssen aufpassen, dass wir unser kulturelles Erbe nicht verlieren, weil es von internationalen Käufern weggeschnappt wird". In Berlin, sagt Temme, gebe es nicht ein einziges Museum, das die Geldmittel habe, zeitgenössische Kunst zu aquirieren.

"Die Politiker unterschätzen völlig die Bedeutung der Kunst als Wirtschaftsfaktor", sagt Alexander Sandmeier. In der Kunstszene glauben viele, dass die Förderung von Kultur anstatt Handelsgewerbe ein effizientes Mittel sein könnte, um die negative Wirtschaftsentwicklung umzukehren. "Im Grunde sind Kunst und Kultur die Trümpfe der Hauptstadt", sagt auch Werner Tammen. "Wenn Berlin international Furore macht, dann damit. Deshalb sollten Kunst und Kultur stärker gefördert werden. Das ist es, was Investoren in die Stadt lockt, die dann ihre Steuern hier zahlen. Das hat langfristige Vorteile. Wenn man ein gutes Produkt hat, muss man es fördern - das ist ganz einfach wirtschaftlicher Verstand".

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