1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Karachi kommt nur langsam zur Ruhe

Nach wochenlanger Gewalt in Karachi, hat die pakistanische Regierung hunderte Sicherheitskräfte in die Hafenstadt beordert. In den Straßen der Stadt herrscht Ruhe – zumindest vorübergehend.

Pakistanische Sicherheitskräfte untersuchen einen Explosionsort (Foto: AP Photo)

Sicherheitskräfte wollen verstärkte Präsenz in der Stadt zeigen

Die Gewalt in der südpakistanischen Hafenstadt hat in diesem Jahr bisher 800 Todesopfer gefordert. Alleine im Juli wurden an die 300 Tote gezählt. Seit Jahren kommt es in der Hauptstadt der Provinz Sindh zu ethnischen Ausschreitungen. Sicherheitskräfte versuchen nun, die Gewalt unter Kontrolle zu bringen – mit Durchsuchungen und Festnahmen von Verdächtigen, die verantwortlich für die derzeitigen blutigen Ausschreitungen gemacht werden.

Große Besorgnis zeigte die Menschenrechtskommission von Pakistan (HRCP): über den Verfall des Rechtssystem und der Sicherheitslage. Erst kürzlich veröffentlichte die Kommission eine Untersuchung über Karachi, um den Grund für die derzeitigen Eruptionen der Gewalt zu erforschen. Ein Ergebnis: Die demografische Verteilung in Karachi hat sich verändert – eine Art Territorialkampf ist unter den Bevölkerungsgruppen entbrannt.

Eine Autobombe ist in der Innenstadt von Karatschi explodiert (Foto: EPA)

Seit Jahren ist Gewalt ein Problem in Karatschi

"Die Paschtunen werden durch die Awami National Party (ANP) vertreten. Ihre Macht und Zahl der Anhänger steigt stetig", erklärt Zohra Yusuf, Vorsitzende der HRCP. Die Partei hat während den letzten Provinzwahlen an Einfluss gewonnen und wurde so zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten der regierenden Muttahida Qaumi Movement (MQM). Die MQM gilt als liberal-sekuläre Partei.

Für die Untersuchung wurden zahlreiche Bürger befragt und öffentliche Anhörungen organisiert. "Die vorläufige Auswertung der Ergebnisse zeigt, das der Schlüssel zum Frieden in Karachi bei den politischen Parteien der Stadt liegt", so Yusuf. Zwar sei die Regierung für Recht und Ordnung verantwortlich, doch die Gewalt habe politische Wurzeln, die nur durch die Politiker selbst beendet werden könne.

Kampf um Vormachtstellung

Die 18 Millionen Metropole hat eine lange Geschichte ethnischer und religiöser Gewalt. Nach der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans 1947, haben sich tausende muslimische Migranten, den sogenannten Muhajir aus Indien, in der pakistanischen Hafenstadt niedergelassen. In den 1970er Jahren gab es Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen der Muhajir und der einheimischen Sindh. Später organisierten sich die Muhajir in der MQM. Mit einer Einwanderungswelle von Paschtunen hat sich die ethnische Zusammensetzung Karachis in den letzten zehn Jahren wieder verändert.

Neben den politisch-ethnischen Konflikten ist Karachi eine Hochburg der Kriminalität. Entführungen und bewaffnete Raubüberfälle sind keine Seltenheit. Dabei ist die Stadt gleichzeitig die wirtschaftliche Hochburg des Landes – 60 Prozent der landesweiten Steuereinnahmen kommen von hier.

Waffenproblem

Pakistans Innenminister Rehmann Malik

Pakistans Innenminister Rehmann Malik will das Waffenproblem in den Griff bekommen

"Politische Parteien werden zunehmend krimineller indem sie von Kriminellen unterwandert werden", erklärt Yusuf, "Und jede Partei hat einen gewissen Grad an finanzieller Kontrolle in der Stadt – in Form von Erpressung und Landraub. Dies kommt noch zu der unberechenbaren Lage hier hinzu."

Zudem hätte jede Partei einen zusätzlichen militanten Flügel, die teilweise besser ausgerüstet seien als die Polizei. Doch Pakistans Innenminister Rehmann Malik versprach Besserung. Er wolle die Kontrolle über die Waffen der Stadt wieder herstellen, indem sich alle Waffenbesitzer neu registrieren müssen. Überprüfungen sollen verstärkt werden. Somit soll ein Großteil der illegalen Waffen aus der Stadt verschwinden und Ruhe einkehren.

Frühere Regierungen haben auch versprochen, das Waffenproblem in der Stadt lösen zu wollen – allerdings ohne Ergebnis. Ein Abkommen zur Entwaffung zwischen den Parteien, so glaubt Zohra Yusuf, müsse erzielt werden. Eine vollkommene Entwaffnung beider Seiten, damit der Frieden eine Chance habe.

Autor: Sachin Gaur/ Anne Thomas

Redaktion: Chi Viet Giang

Die Redaktion empfiehlt