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Asien

Ein Terror-Tag in Pakistan

Ein neuer Anschlag in Karatschi, andauernde US-Drohnenangriffe und von Aufständischen zerstörte Lastwagen mit Nachschub für die NATO-Truppen - die Spirale von Terror und Terrorbekämpfung dreht sich immer schneller.

Eine Frau ist verzweifelt, weil sie nach dem Anschlag in Karatschi ihre beiden Söhne nicht finden kann (Foto: AP)

Verzweiflung: Diese Frau vermisst nach dem Anschlag in Karatschi ihre beiden Söhne

Bei einem Doppelanschlag auf ein muslimisches Heiligtum der pakistanischen Hafenstadt Karatschi sind am Donnerstag (07.10.2010) mindestens acht Menschen getötet worden. Wie die Provinzregierung mitteilte, wurden mehr als 65 Menschen verletzt. Die beiden Sprengsätze seien kurz hintereinander im Abdullah-Shah-Ghazi-Mausoleum explodiert, wo sich hunderte Gläubige zum Gebet versammelt hatten.

3700 Anschlagsopfer in drei Jahren

Nach Darstellung der Behörden handelte es sich um Selbstmordanschläge. Die Attentäter hätten ihre Bomben am Haupteingang zu dem Schrein gezündet, als sie von Wächtern durchsucht werden sollten. Karatschi liegt im Süden Pakistans und ist mit mehr als 15 Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes.

Bislang bekannte sich noch niemand zu den Bluttaten. Für die meisten der mehr als 400 Anschläge, die in Pakistan in den vergangenen drei Jahren verübt wurden, machten die Behörden aber die radikal-islamischen Taliban verantwortlich. Mehr als 3700 Menschen fielen den Anschlägen zum Opfer.

Ebenfalls am Donnerstag wurden bei einem neuen US-Drohnenangriff im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan vier Menschen getötet. Wie aus pakistanischen Geheimdienstkreisen verlautete, wurde in Nord-Wasiristan ein Fahrzeug mit zwei Raketen beschossen. Erst am Mittwoch hatte es fünf Tote bei einem US-Drohnenangriff in der Unruheregion gegeben. Allein seit Anfang September starben etwa 150 Menschen bei solchen Attacken.

Hochburg für islamistische Extremisten

Foto einer Drohne, eines umbemannten Flugzeuges der USA (Foto: dpa)

Mit solchen Drohnen attackiert die US-Armee Einrichtungen der Aufständischen

Nord-Wasiristan - ein Stammesgebiet im Nordwesten Pakistans - gilt als Hochburg für islamistische Extremisten aus dem Umkreis des Terrornetzwerks El Kaida. In der Region soll es zahlreiche Lager geben, in denen auch Islamisten aus Europa ausgebildet werden.

Pakistans Regierung protestierte erneut gegen die Attacken der unbemannten US-Flugzeuge. Es gebe "keine Rechtfertigung" für die Einsätze, weil sie die Souveränität Pakistans verletzten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Islamabad.

Bereits in der Nacht zum Donnerstag hatten Bewaffnete im nordwestlichen Distrikt Nowshera zahlreiche Lastwagen mit Nachschub für die NATO-Truppen in Afghanistan attackiert und mehr als 50 davon in Brand gesetzt. Zwei Soldaten wurden getötet. Polizeiangaben zufolge fehlte der Feuerwehr die nötige Ausrüstung, um die Brände unter Kontrolle zu bringen.

Schon mehr als 100 NATO-Lastwagen zerstört

Von Aufständischen zerstörte Lastwagen in Pakistan (Foto: AP)

Mit der Zerstörung der Lkw soll der Nachschub für die ISAF-Truppen unterbunden werden

Vor einer Woche hatte die Regierung in Islamabad den knapp 100 Kilometer westlich von Nowshera gelegenen Grenzübergang Torkham am Khyber-Pass für NATO-Nachschub gesperrt. Landesweit warten seitdem hunderte Lastwagen auf die Weiterfahrt ins Nachbarland und werden immer wieder Ziel von Angriffen. Seit Freitag wurden bereits mehr als 100 Fahrzeuge zerstört, sechs Menschen starben. Auch für diese Überfälle werden radikal-islamische Extremisten verantwortlich gemacht.

Grund für die Grenzschließung war der Beschuss eines Grenzpostens durch US-Hubschrauber aus Afghanistan, bei dem mindestens zwei pakistanische Soldaten getötet worden waren. Die US-Botschafterin in Islamabad, Anne Patterson, entschuldigte sich am Mittwoch bei den pakistanischen Verbündeten. Auch der Oberbefehlshaber der Afghanistan-Truppen, US-General David Petraeus, äußerte Bedauern über den "tragischen Verlust von Leben".

Nach US-Medienberichten haben Ermittlungen ergeben, dass die Grenzsoldaten Warnschüsse abgegeben hatten. Sie seien daraufhin von den Hubschrauber-Besatzungen für Aufständische gehalten worden.

Autor: Stephan Stickelmann (dpa, dapd, afp, rtr)
Redaktion: Martin Schrader

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