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Europa

Istanbul nach Terroranschlag unter Schock

Beim Terroranschlag am Istanbuler Flughafen sind 41 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Die Furcht vor weiteren Anschlägen in der Türkei ist groß. Aus Istanbul berichtet Tom Stevenson.

Video ansehen 02:27

Terror in der Türkei

Glassplitter liegen noch immer auf dem Boden am Haupteingang des Istanbuler Atatürk-Flughafens, ein Zeichen der extremen Kraft der Explosion, die am Dienstagabend das Hauptterminal des Airports der Metropole erschüttert hat. Es war der jüngste einer ganzen Serie von Anschlägen in türkischen Städten.

Am Flughafen Atatürk müssen Reisende bereits am Eingang der Terminalgebäude eine Sicherheitskontrolle mit Metalldetektoren und Körperscannern durchlaufen - zusätzlich zu den üblichen Sicherheitskontrollen an den Gates.Dort, am Eingang, ereignete sich die Explosion.

Überwachungskameras zeigen, dass es dennoch ein mit einer Kalaschnikow bewaffneter Selbstmordattentäter schaffte, in das Terminalgebäude einzudringen und sich dort in die Luft zu sprengen.

Die Einschusslöcher neben der Ankunftstafel sind am Morgen immer noch deutlich zu sehen. Sicherheitskräfte mit automatischen Waffen patrouillieren durch die Ankunftshalle. Die Läden und Stände unterhalb der Halle, in der der Sprengsatz explodierte, sind geschlossen. Zahlreiche Deckenplatten fehlen. Gestrandete Passagiere schlafen auf Bänken.

Türkei Anschlag am Flughafen in Istanbul - Tag danach, Schäden (Foto: DW/T. Stevenson)

Durch die Explosion sind Teile der Deckenverkleidung heruntergekommen

"Alles ist schwarz"

"Die Decke ist komplett eingestürzt am Eingang und alles ist schwarz", sagt Ersin Onderoglu, ein Apotheker, der in einem der Flughafenshops arbeitet. "Ich muss sagen, die Leute des Aufräumkommandos haben hier gute Arbeit geleistet, aber wir sind natürlich alle erschüttert. Das ist direkt neben unserem Laden passiert." Andere Flughafenmitarbeiter fürchten sich davor, überhaupt wieder zur Arbeit zu kommen.

"Es ist ein völliges Durcheinander. Überall ist Glas", sagt Mehmet Gunes, einer der Hausmeister des Flughafens. "Ich war nicht in der Nachtschicht, aber heute Morgen hatte ich Angst, zur Arbeit zu gehen: Es ist schrecklich, was die hier getan haben", sagt er. Die Abflughalle, die von der Explosion weitgehend unberührt blieb, ist voller als sonst. Tausende Passagiere stehen Schlange, um einen Weiterflug zu ergattern.

Ein Attentäter festgenommen

Die meisten der Todesopfer sind Türken. Die lokalen Behörden gehen davon aus, dass ein Großteil zum Sicherheitspersonal gehörte. Außerdem wurden zehn Ausländer getötet, darunter Tunesier, Saudis, Iraker und Ukrainer. Der Gouverneur von Istanbul, Vasip Sahin, sagte, dass derzeit 41 Todesopfer zu beklagen sind. 239 Menschen wurden verletzt. Viele von ihnen werden noch in Krankenhäusern in ganz Istanbul behandelt, der Großteil im Bakirköy State Hospital in der Nähe des Flughafens.

Türkei Anschlag am Flughafen in Istanbul - Tag danach, Schäden (Foto: DW/T. Stevenson)

Einschusslöcher erinnern an die blutige Tat

Die türkischen Sicherheitsbehörden teilten mit, sie hätten einen Attentäter festgenommen, Details über seine Identität und Nationalität sind jedoch nicht bekannt. Auf einer Pressekonferenz am Dienstagabend sagte der türkische Ministerpräsident, Binali Yildirim, obwohl die Attentäter noch nicht identifiziert seien, deute alles darauf hin, dass sie mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sympathisierten.

In der Türkei kam es in den vergangenen Monaten zu einer ganzen Reihe von Terroranschlägen. Allein in Istanbul, Ankara und Bursa gab es zehn größere Attentate. Türkische Unterstützer des IS sind für die meisten Attacken verantwortlich, aber auch die militante kurdische Gruppe Freiheitsfalken Kurdistans hat sich zu Anschlägen bekannt.

Dem Terrorismus nicht nachgeben

"Wir fordern die Welt auf, besonders den Westen, dem Terrorismus nicht nachzugeben. Obwohl die Türkei einen hohen Preis zahlt, hat sie die Macht, die Entschlossenheit und die Fähigkeit, den Terrorismus bis zum Ende zu bekämpfen", sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

"Es ist unmöglich, in die Köpfe der IS-Anführer zu schauen, aber die Gruppe hat die Wege und Möglichkeiten, Terroranschläge in der Türkei durchzuführen", sagte Aaron Stein, Experte für türkische Sicherheitspolitik vom Zentrum für den Mittleren Osten des Atlantischen Rats der DW.

Obwohl die Türkei große Anstrengungen im Bereich der Terrorbekämpfung unternehme, gelinge es militanten Gruppen immer wieder, Attentate zu begehen. "Türkische Sicherheitsbeamte arbeiten intensiv, um zukünftige Attacken zu verhindern. Aber hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Die Angriffe verbreiten Furcht." Die türkische Bevölkerung warte ungeduldig auf Frieden und Sicherheit.

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