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Wirtschaft

Hamburger Hafen als Wendegewinner

Der Hamburger Hafen ist der zweitgrößte der nicht-asiatischen Welt. Größer ist nur Rotterdam. Auch viele Menschen aus der ehemaligen DDR arbeiten heute hier. Sie und der Hafen sind die Gewinner der Wende vor 18 Jahren.

Container werden am Hamburger Hafen umgeschlagen, d.h. vom Schiff geholt (Foto: dpa)

Container werden am Hamburger Hafen umgeschlagen, d.h. vom Schiff geholt

Flutlicht strahlt ein russisches Schiff an. Morgens, kurz nach 5 Uhr. Der so genannter Feeder liegt an der Kaimauer des Eurogate-Terminals, einem der vier Hamburger Container-Terminals. Rund 1000 blaue, weiße und rote Container stapeln sich an Deck.

Seit einer halben Stunde ist Marcus Uhlig im Dienst. Er fährt die Kaimauer ab und kontrolliert, ob die Hafenarbeiter ihre Schutzkleidung tragen: "Leuchtbekleidung ist wichtig, damit die Männer gut sichtbar sind. Die Helme sind zum Schutz vor herabfallenden Teilen, die es überall gibt", sagt er. Denn wenn eine Schraube von einer Contaierbrücke 40 Meter tief fällt, werde die zum Geschoss.

Von Parchim nach Hamburg

Direkt vor dem russischen Schiff steht eine Containerbrücke, die einem riesigen Roboter mit nur einem Arm gleicht. Van-Carrier - das sind spezielle Containerstapler - fahren umher. Die Hafenfacharbeiter sind gerade dabei, das Schiff zu löschen."Löschen heißt, den Container reinzuholen, also vom Schiff runter", erklärt Uhlig. "Dann kommen die Van-Carrier, nehmen die Container auf und befördern sie weg."

Weiter geht die Reise: Container werden in Hamburg auf Güterzüge umgeladen (Foto: dpa)

Weiter geht die Reise: Container werden in Hamburg auf Güterzüge umgeladen

Marcus Uhlig kam vor vier Jahren in den Hamburger Hafen. Aufgewachsen ist er in der Stadt Parchim, im ostdeutschen Mecklenburg-Vorpommern. Der heute 27-Jährige war mit einer Zimmerei selbstständig, aber wegen der schlechten Zahlungsmoral seiner Kunden musste er die Firma schließen. Über einen Freund kam er schließlich in den Hamburger Hafen. Für ihn eine völlig andere Welt. "Ich kannte es nicht und war wirklich beeindruckt. Man hat nur Container gesehen. Dann diese riesigen Containerbrücken. Alles ist monströs. Gigantisch, wie das alles funktioniert“, erinnert er sich noch heute beeindruckt.

Marcus Uhlig ist so genannter Lascher bei der Firma SWOP. Ein Lascher zurrt die Ware für den Transport seefest. SWOP ist eine Tochtergesellschaft der Eurogate-Gruppe, die sich auf europäische Containerterminals und Logistik spezialisiert hat.

Liebe zum Arbeitsplatz

Marcus Uhlig liebt seinen Arbeitsplatz. Hier möchte er bleiben, bis er in Rente geht. Zum einen, weil es ein sicherer Arbeitsplatz ist: "Man sieht, wie es immer weiter wächst", erzählt er, "es werden immer wieder neue Schiffe gebaut und die werden immer größer. Auch die Brücken werden immer gigantischer, weil die nachziehen müssen." Für Uhlig ist seine Arbeit nicht nur sicher, sondern auch interessant: "Es macht sehr viel Spaß, wenn man sehen kann, wie es immer weitergeht und das in einer rasenden Geschwindigkeit!"

Hafenfacharbeiter statt Maurer

Ein chinesisches Transportschiff fährt zum HHLA-Containerterminal Burchardkai im Hamburger Hafen (Foto: dpa)

Ein chinesisches Transportschiff fährt zum HHLA-Containerterminal Burchardkai im Hamburger Hafen

Szenenwechsel: Mittags 12 Uhr, wenige Meter vom Eurogate-Terminal entfernt. Ein LKW rollt über die Straße Richtung Container-Terminal Tollerort. Ihn betreibt die Hamburger Hafen und Logistik AG, kurz HHLA. Hier beginnt Steffen Danne seine Schicht. Der Hafenfacharbeiter steigt in die Kanzel eines Van-Carriers. Er sitzt in 15 Metern Höhe. Unter ihm steht mittlerweile der LKW. Der 31-Jährige stammt auch aus der ehemaligen DDR, aus Köthen bei Magdeburg. Dort machte er eine Ausbildung zum Maurer. Viel reizvoller fand er es aber, im Hafen zu arbeiten:

"Dass ich hier gelandet bin, ist pures Glück. Ich bin einfach nach Hamburg gefahren", sagt Danne. Er sei dann in ein großes Bürogebäude gegangen und habe gefragt, was man für Voraussetzungen brauche, um da anzufangen. "Durch Glück bin ich in das richtige Bürohaus gegangen und habe sofort einen Job bekommen.“

Ein Container aus China rastet im Stapler ein. Steffen Danne hebt ihn vorsichtig auf die Ladefläche des LKW. "Als ich das erste Mal hier gewesen bin und die Van-Carrier arbeiten gesehen habe, war ich fasziniert davon. So ein VC ist 15 Meter hoch. Da muss man schon ein gutes Auge haben. Der Rest ist Übung", sagt Danne über seine Arbeit im Van-Carrier (VC).

Hamburgs Hinterland durch die Wende wiederbelebt

Etwa 1500 Container kommen täglich per LKW an den drei großen Terminals der HHLA an. Von hier aus werden sie auf LKW geladen, auf Schiffe oder auf Güterwaggons. An 360 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag. Die Hamburger Hafen und Logistik AG ist führend in diesem Bereich. Sie macht rund 70 Prozent des Containerumschlags, der über Hamburg läuft.

Der Hamburger Hafen hat eine sehr starke Nordseeorientierung. Gleichzeitig ist Hamburg auch schon immer die wichtigste Drehscheibe für den Ostseeraum gewesen. "Durch den Fall des eisernen Vorhangs ist dieses Hinterland, das Hamburg in allen Boomphasen der Weltwirtschaft immer bedient hat, wieder lebendig geworden", sagt Florian Marten, Leider der Unternehmenskommunikation der HHLA. "Hamburg ist heute mit den am stärksten wachsenden Regionen der Weltwirtschaft verknüpft. Deswegen hat Hamburg in den letzten Jahren auch überdurchschnittliche Wachstumsraten gehabt.“

Zu den Kunden der HHLA zählen 18 der 20 größten Reedereien weltweit. Sechs Millionen Container wurden allein bei der HHLA im Jahre 2006 umgeschlagen. Eine fast magische Zahl. 2012 sollen es sogar doppelt so viele sein. Möglich macht dies ein Milliarden schweres Investitionsprogramm.

Den Rest des Lebens in Hamburg bleiben

"Der Hafen wächst" steht auf Baustellenschildern. Überall ragen Kräne wie Pfeilspitzen in den Himmel. Terminals werden erweitert, Hafenbecken vergrößert, Kaimauern vertieft. Hafenfacharbeiter Steffen Danne hebt einen Container von einem LKW. Er ist beladen mit Motorrädern. Sie sollen nun weiter mit einem Schiff transportiert werden.

Auch Danne sieht seine Zukunft im Hafen: "Wenn die Wende nicht gewesen wäre, dann wäre ich bestimmt nicht in Hamburg gelandet, und auch bestimmt nicht im Hafen. Ich weiß nicht, was ich stattdessen für Möglichkeiten gehabt hätte. Aber so wie es ist, ist es gut." Er wird wohl sein Leben lang in Hamburg bleiben. "Denn so einen sicheren Job kriege ich nirgends mehr."

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