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Deutschland

Kommentar: Endlich erwachsen?

Mit dem 18. Geburtstag wird man nach deutschem Recht volljährig. 18 Jahre nach dem 3. Oktober 1990 fragt Felix Steiner: Ist Deutschland jetzt erwachsen?

Themenbild Kommentar Grafik Symbolbild

Das vereinte Deutschland ist ganz anders als seine gleichaltrigen Bürger. Die feiern nämlich zum 18. Geburtstag zumeist eine krachende Party. Die Feiern zum Tag der Deutschen Einheit dagegen kommen – wie jedes Jahr – eher verschämt und bescheiden daher. Die Metropole des Landes mag zwar Berlin heißen, doch die Geburtstagsfeier findet anderswo statt. Vergangenes Jahr in Schwerin, nächstes Jahr in Saarbrücken, dieses Jahr in Hamburg – immerhin, einer der wenigen deutschen Städte, die man auch auf einer Weltkarte findet. Aber nicht deswegen wird der 18. Jahrestag der Deutschen Einheit in Hamburg gefeiert, sondern weil die Stadt derzeit den Vorsitz im Kreis der Bundesländer hat – so will es der deutsche Föderalismus.

Die Feiern in Hamburg – nein, keine zentrale Kundgebung mit programmatischen Reden und jubelndem Volk. Auch keine Militärparade, mag dies in anderen Demokratien Europas auch noch so selbstverständlich sein. In Hamburg wird ganz einfach ein fröhliches Volksfest gefeiert, bei dem schwarz-rot-gold gewiss nicht die dominierenden Farben sein werden. Neben der Bundesflagge wird genau so häufig die rot-weißen Hamburger Landesfarben wie auch das blau-gelbe europäische Sternenbanner zu sehen sein. Schwarz-rot-gold zeigen die Deutschen bei den Spielen ihrer Fußball-Nationalmannschaft. Ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer am Nationalfeiertag? Fehlanzeige.

Das sind Beobachtungen, die alle Lügen strafen, die mit der staatlichen Einheit Deutschlands 1990 eine neue deutsche Katastrophe heranziehen sahen. Die das Wiederaufleben des deutschen Nationalismus fürchteten, gar von einem entstehenden „Vierten Reich“ schwadronierten. Die schlicht Angst hatten, dass das mit Abstand bevölkerungsreichste Land im Herzen Europas und die stärkste Wirtschaftsmacht innerhalb der EU genau damit nicht zufrieden sein könnte. Sondern zu Lasten seiner Nachbarn und Partner in der EU seine Macht und seinen Einfluss immer weiter ausbauen werde, kurz: nach der Vorherrschaft in Europa strebe.

All diese Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Warum? Weil am 3. Oktober 1990 eben keine Wiedervereinigung vollzogen wurde in dem Sinne, dass an Traditionen aus der Zeit vor 1945 angeknüpft wurde. Entstanden ist am 3. Oktober 1990 ein gemeinsamer deutscher Staat, den in erster Linie die Erfahrung der deutschen Katastrophe 1933 bis 1945 und die Erinnerung an den zerstörerischen Krieg einte. Der sich deswegen bis heute schwer tut, außerhalb des eigenen Landes Soldaten einzusetzen und jede gesellschaftliche Debatte darüber scheut, warum bewaffnete Deutsche in Afghanistan, auf dem Balkan und anderswo eigentlich im Einsatz sind. Entstanden ist seit 1945 eine deutsche Gesellschaft, die gelernt hat, dass Wohlstand Frieden braucht und größter Wohlstand in Kooperation mit Partnern und nicht gegen sie entsteht.

Nein – das heutige Deutschland ist kein 18jähriger Halbstarker, vor dem sich die gesamte Nachbarschaft fürchten muss. Das heutige Deutschland – es ist erwachsen geworden.

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