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Europa

Griechenland umwirbt Touristen aus Westeuropa

Während in diesem Jahr der Tourismus weltweit zunimmt, muss Griechenland mit einem starken Rückgang rechnen. Die bisherigen Buchungen aus Westeuropa sind um bis zu 30 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Zwei Messearbeiter gehen in einer Halle der Internationalen Tourismusboerse (ITB) an einem Stand des Landes Griechenland (Foto: Timur Emek/dapd)

Griechenlands Tourismus-Branche fürchtet zurückgehende Buchungen

2011 war ein prächtiges Jahr für den griechischen Tourismus. Die Zahl der Urlauber aus dem Ausland stieg auf über 16,5 Millionen und die Einnahmen auf 10,5 Milliarden Euro. Das war eine Steigerung von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein ähnliches Wachstum hätte man sich auch für dieses Jahr gewünscht. Allerdings deuten die bisherigen Buchungszahlen aus dem Ausland etwas anderes an.

Jorgos Nikitiadis (Staatssekretär im griechischen Tourismusministerium) und Andreas Andreadis (Präsident des griechischen Verbands der Tourismusunternehmen) (Foto: DW/Panagiotis Kouparanis)

"Deutsche Urlauber sind hochwillkommen" - Jorgos Nikitiadis und Andreas Andreadis

Nach übereinstimmenden Angaben der deutschen Niederlassungen der Reiseunternehmen TUI, Thomas Cook und Alltours sind die Buchungen deutscher Urlauber um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. Ähnlich sieht es bei den Buchungen aus Großbritannien, Österreich, Skandinavien und den Niederlanden aus. Mehr Urlauber als im Vorjahr reisen dagegen in diesem Jahr aus Russland, der Ukraine und den Balkanländern nach Griechenland an. Doch sie werden auf keinen Fall die befürchteten Verluste aus Westeuropa ausgleichen können: Allein aus Deutschland und Großbritannien waren im vergangenen Jahr schätzungsweise jeweils 2,4 Millionen Urlauber nach Griechenland gekommen.

Negativimage als Tourismuskiller

Schuld am Rückgang der Buchungszahlen ist das aktuell negative Image des Landes im Ausland. Dazu haben vor allem die gewalttätigen Ausschreitungen in Athen beigetragen, meint der stellvertretende griechische Tourismusminister Jorgos Nikitiadis. Sie seien es, so Nikitiadis, "die Griechenland als ein unsicheres Land erscheinen lassen, in dem Touristen der Urlaub vermiest werden könnte." Nichts sei aber unwahrer als das. Ganz Griechenland sei ein sicheres Urlaubsziel, unterstreicht Nikitiadis. Das gelte auch für Athen.

Spiros Galiatsatos, Generalsekretär des griechischen Hoteliers-Verbands (Foto: DW/ Panagiotis Kouparanis)

Spiros Galiatsatos

Zum Negativbild Griechenlands im Ausland trage außerdem die Wirtschaftskrise bei, erklärt Andreas Andreadis, der Chef des griechischen Verbands der Tourismusunternehmen. Schuld daran seien nicht nur die Medien, sondern auch die Politiker, die in Wort und Schrift Vorurteile schüren würden. Damit spielt Andreadis auf die Karikaturen oder Fotomontagen von Kanzlerin Merkel in einer Nazi-Uniform an, die mehrmals in griechischen Medien zu sehen waren. Viele Urlauber aus Deutschland fühlen sich deswegen in Griechenland nicht willkommen.

Aus diesem Grund will Andreadis eine Imagekampagne im Ausland starten, die - vor allem in Deutschland - die Sympathiewerte für die Griechen wieder in die Höhe treiben soll. "Wir wollen", so Andreadis, "die persönlichen Beispiele von einfachen Griechen erzählen, von Menschen, die auf 20 bis 30 Prozent ihres Gehalts verzichten müssen, von Kleinunternehmern, die trotz der Schwierigkeiten und Bürden, versuchen, das neue Griechenland aufzubauen."

Griechischer Stand auf der ITB (Foto: DW/Panagiotis Kouparanis)

Griechischer Stand auf der ITB

Doch die Kampagne soll vor allem eine Botschaft transportieren: Deutsche Urlauber sind hochwillkommen. Solche Signale kommen zunehmend auch von der deutschen Reisewirtschaft. TUI-Deutschlandchef Volker Böttcher bezeichnet Griechenland als ein "gastfreundliches und sicheres Reiseziel", während Willi Verhuven von Alltours die Griechen als "sympathische, fleißige und besonders gastfreundliche Menschen" charakterisiert.

Teures Griechenland?

Ein weiteres Manko sei, dass oft behauptet werde, Urlaub in Griechenland sei zu teuer. Griechische Hoteliers wollen aber von diesen Vorwürfen nichts wissen. "Unter der Hand" weisen sie darauf hin, dass in manchen griechischen Vier- und Fünf-Sterne-Hotels All-inclusive-Angebote gerade einmal 15 Euro pro Tag kosten. Und es wird angedeutet, dass man in den nächsten Monaten, wie auch im letzten Jahr, diese Preise sogar noch senken wird, um etwa Last-Minute-Reisende anzulocken.

Jürgen Büchy, Präsident des Deutschen Reiseverbands (Foto: DW/Panagiotis Kouparanis)

Jürgen Büchy, Präsident des Deutschen Reiseverbands

Man wolle den Gästen aber noch mehr bieten, verspricht der Generalsekretär des Griechischen Hotelierverbandes, Spiros Galatsiatos. Alle Touristen werde man "als VIP-Gäste behandeln", vor allem in den Monaten Mai und Juni. Man hoffe, dass sie nach ihrer Rückkehr über ihre positiven Erfahrungen berichten, und dadurch Einfluss auf die Entscheidung der Spätbucher nehmen könnten. Darüber hinaus wolle man auch das Gesamtangebot, vom Service über das Frühstücksbuffet bis zur Hotelanlage weiter verbessern.

Hoffnungen, dass die diesjährige Saison nicht allzu schlecht wird, hegt auch der Präsident des Deutschen Reiseverbandes, Jürgen Büchy. "Auf Grund der Erfahrungen der vergangenen Jahre", sagte Büchy auf der ITB, "ist zu erwarten, dass viele Deutsche sich kurzfristig für das Land entscheiden werden. Griechenland kann auf die Treue vieler Stammgäste zählen."

Autor: Panagiotis Kouparanis
Redaktion: Zoran Arbutina

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