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Wirtschaft

Tourismusmesse ITB: Die Branche boomt

Urlaub, das sind meist die schönsten Wochen des Jahres - und für die geben nicht nur die Deutschen immer mehr Geld aus: Für viele Volkswirtschaften sind die Touristen längst unentbehrlich geworden.

"Wir haben die Sonne mit nach Berlin gebracht", scherzt der ägyptische Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour und zeigt mit dem Finger nach oben. Tatsächlich wölbt sich ein strahlend blauer Himmel über dem Messegelände am Berliner Funkturm. An diesem Mittwoch (07.03.2012) ist hier mit der Internationalen Tourismusbörse wieder einmal die größte Reisemesse der Welt eröffnet worden. Ägypten ist in diesem Jahr Partnerland der ITB und Abdel Nour ist nach Berlin gekommen, um Werbung zu machen.

Der ägyptische Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour während der Eröffnungspressekonferenz der ITB in Berlin. Foto: Wolfgang Kumm dpa/lbn

Wirbt in Berlin: Der ägyptische Tourismusminister Abdel Nour

Ägypten sei eine goldene Destination, so schwärmt er, ein einzigartiges Land. Rar seien die Länder, die Touristen neben 360 Sonnentagen pro Jahr so viel Kultur, Strand und Abenteuer bieten könnten. "Der Tourismus ist seit über einem Jahrzehnt eine der wichtigsten Säulen der ägyptischen Wirtschaft. Jeder siebte Arbeitsplatz hängt davon ab und mit Einkünften in Höhe von 12,5 Milliarden Dollar im Jahr 2010 war der Tourismus der zweitgrößte Devisenbringer", erklärt der Minister. Deshalb werde die touristische Entwicklung eine Priorität der Politik bleiben, egal wer die Regierung stelle. "Wir werden alle notwendigen Maßnahmen für eine angemessene Infrastruktur schaffen, um im Jahr 2017 die Marke von 30 Millionen Touristen pro Jahr zu erreichen."

Ausgebuchte Reisemesse

Dafür müsste sich die Zahl der Urlauber verglichen mit 2011 allerdings verdreifachen. Ein ehrgeiziges Ziel angesichts der weltweiten Konkurrenz auf dem Reisemarkt. Die Branche boomt, wie man auch auf der ITB sehen kann. 10.644 Aussteller aus 187 Ländern drängen sich in den 26 restlos ausgebuchten Messehallen. Prominent vertreten ist auch Griechenland. Angesichts der dramatischen Wirtschaftslage ist das Land dringend auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Doch die anhaltenden Unruhen in Griechenland schrecken viele Urlauber ab.

Panorama Corfu © petroos #34138479 -

Sonne, Strand und Meer - damit lockt auch die griechische Insel Korfu

Die Deutschen beispielsweise, die trotz Schuldenkrise auch in diesem Jahr weltweite Reiseweltmeister sein werden, zieht es eher nach Spanien, Kroatien und in die Türkei als nach Griechenland. Jürgen Büchy, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), hat allerdings noch Hoffnung. Eine abschließende Aussage, wie sich der Sommer für Griechenland entwickeln werde, könne man noch nicht machen. "Griechenland kann auf die Treue vieler Stammgäste zählen und ist gerade im Sommer unter den zehn beliebtesten Reisezielen", sagt er. "Man muss auch noch einmal betonen, dass von den Unruhen in Griechenland auf den Inseln und an den Stränden des Peleponnes nichts zu spüren ist, und da halten sich die Urlauber ja im Wesentlichen auf."

Deutsche sind und bleiben "Reiseweltmeister"

Im vergangenen Sommer konnte Griechenland auch davon profitieren, dass weniger Touristen nach Nordafrika reisen wollten. Doch Tunesien beispielsweise verzeichnet nach den Wahlen schon wieder deutlich mehr Zuspruch, und das macht sich bei den Buchungszahlen bemerkbar. Die seien, so sagt Jürgen Büchy mit Blick auf den Sommer 2012, sehr gut. Auch andere Destinationen können sich weiter über die ungebrochene Reiselust der Deutschen freuen, die dank prall gefüllter Reisekassen 2011 rund 61 Milliarden Euro für Auslandsreisen ausgaben. Neben den klassischen europäischen Urlaubsländern verzeichnen viele Fernreiseziele, darunter die Karibik, die USA und zahlreiche asiatische Ziele, eine wachsende Nachfrage.

Abendstimmung in der Sächsischen Schweiz © PIXMatex #15708413

Beliebtes Reiseziel in Deutschland: Die "sächsische Schweiz"

Das liebste Reiseziel der Deutschen ist und bleibt jedoch das eigene Land. Um vier Prozent hat die Zahl der Übernachtungen in Deutschland im vergangenen Jahr zugenommen, das ist ein neuer Rekord. Dazu beigetragen haben auch ausländische Besucher. Sechzehn Prozent der Übernachtungen gingen 2011 auf ihr Konto, sagt Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW). Der Deutschlandurlaub boome bei in- wie ausländischen Gästen, 2012 werde wohl die Schallmauer von 400 Millionen Übernachtungen durchbrochen. Das Gastgewerbe prognostiziere daher ein Umsatzplus von zwei bis drei Prozent. "Auch im Veranstaltungsbereich sind die Aussichten für 2012 positiv und im Luftverkehr rechnen wir damit, dass die Marke von 200 Millionen Passagieren an deutschen Flughäfen erreicht wird", so Laepple.

Staat will am Erfolg der Reisebranche verdienen

Hervorragende wirtschaftliche Eckdaten und sonnige Aussichten sind das. Trotzdem fühlt sich die Reisebranche auf der Jagd nach neuen Rekorden von der Politik im Stich gelassen. Eine Luftverkehrssteuer zwischen acht und 45 Euro pro Passagier, kommunale Bettensteuern auf Übernachtungen, ein Anstieg der Mehrwertsteuer bei Flusskreuzfahrten von sieben auf neunzehn Prozent – die Politik habe eine "offenkundige Freude" daran, die Reisebranche und ihre Kunden immer weiter zu belasten, sagt Klaus Laepple. Die Gewinnspannen seien ohnehin so gering, dass sie Unternehmern vieler anderer Branchen nur ein müdes Lächeln entlocken würden.

Auch DRV-Präsident Jürgen Büchy betont, dass seine Branche neue Belastungen nicht mehr schultern könne. "Diese sehr stabile und gerade auch in Krisenzeiten wirtschaftlich erfolgreiche Branche braucht Ruhe an der politischen und fiskalischen Front", fordert Büchy. "Wir stehen für einen sehr großen Teil des deutschen Wirtschaftsprodukts und wir haben große Sorge, wenn dieser Trend so weitergeht, dass uns diese erfolgreiche Position eines Tages genommen wird."

Rund drei Millionen Menschen und damit sieben Prozent aller Erwerbstätigen sind zwischen Nordsee und Alpen im Tourismus beschäftigt. Der Tourismus trage in Deutschland mehr zur Wertschöpfung bei, als die Automobilindustrie und sei damit eine der Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft, so Büchy.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Monika Lohmüller

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