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Wirtschaft

Gamescom: Mehr digitale Spieler als je zuvor

Fast 30 Millionen Bürger spielen in Deutschland auf einem Smartphone oder Tablet. Das erfreut die Spielindustrie. Sie erwartet auf der diesjährigen Gamescom in Köln so viele Fans wie noch nie.

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Machen Computerspiele schlau?

Jeder spielt immer und überall. Man braucht sich nur in die Bahn setzen, da sieht man sie schon: Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die kaum noch von ihren digitalen Bildschirmen hochblicken. Sie kommunizieren kaum mehr miteinander, sie daddeln lieber. Jeder in seiner eigenen Lieblings-Spielewelt. Deswegen dürften die aktuellen Zahlen kaum jemanden wundern: 84 Prozent der jungen Menschen zwischen 14 und 29 Jahren spielen in Deutschland auf Smartphones, Tablets, PCs oder Konsolen. Unter den 30 bis 49-Jährigen ist jeder Zweite ein "Gamer". Insgesamt macht das nach Angaben des IT-Branchenverbandes Bitkom etwa 29 Millionen Bürger aus.

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Konsolen machen weiterhin den größten Umsatz der Spieleindustrie aus

Darüber freut sich vor allem die Spieleindustrie. Im ersten Halbjahr meldete der Branchenverband BIU - das steht für Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware - einen Gesamtumsatz von 798 Millionen Euro. Das sei ein Anstieg von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit der sechsten Auflage der Messe Gamescom erhofft sich die Branche weiteren Rückenwind für das zweite Halbjahr 2014. Auf einer der weltweit bedeutendsten Messen für interaktive Unterhaltungselektronik werden ab Mittwoch (13.08.2014) Hunderttausende Computerspielfans in Köln erwartet. Schon vor Beginn der Messe seien die über 300.000 Online-Tickets verkauft worden, erklärt Kölnmesse-Chef Gerald Böse. Zehntausende weiterer Fans werden an den Kassen erwartet.

Neue Konsolen, neue Welten

Zu Weihnachten waren Sonys Playstation 4 und Microsofts Xbox One in den Handel gekommen. Die Spielverlage hatten im Juni, bei der Spielmesse E3 in Los Angeles, bereits ihre neuesten Titel gezeigt. Erst in Köln aber werden sie zum ersten Mal öffentlich spielbar. "Das macht die Messe für die Privatbesucher besonders attraktiv", erklärt Maximilian Schenk, Geschäftsführer des Branchenverbands BIU.

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Bei den 30-49-jährigen ist jeder Zweite ein Gamer

"Spielend neue Welten entdecken", lautet das diesjährige Motto der Gamescom. In den meisten Spielen ginge es nämlich vor allem um die Erkundung und Erfindung von neuen Welten, meint Schenk. Die neuesten Konsolen hätten eine größere Rechenkraft und ermöglichen dem Nutzer offene Spielwelten in Echtzeit zu generieren, und diese nach Wunsch zu gestalten. Sie erzählen zudem immer komplexere Geschichten "die uns bewegen und die wir so bisher nur aus Büchern oder Filmen kennen". Auch eine neue Detailtiefe sei in den Spielen erkennbar. Alles sei "so intensiv und so echt wie noch nie", erklärt Schenk, "sogar einzeln-animierte Grashalme". Durch diese neue Technologie verkaufen sich die neuen Spielkonsolen um 23 Prozent besser als die vorige Generation, die zwischen 2005 und 2007 auf den Markt kamen.

Immer mehr Spiele für Smartphones

Obwohl der Verkauf von Konsolen weiterhin den größten Umsatz in der Spielindustrie ausmacht, stieg auch der Umsatz von Spiele-Apps und kostenpflichtigen Zusatzfunktionen im ersten Halbjahr 2014 um satte 133 Prozent auf insgesamt 114 Millionen Euro. Auf dem deutschen Markt sind digitale Spiele auf Smartphones und Tablets besonders beliebt. Sie sind viel billiger als Konsolen-Spiele und können jederzeit unkompliziert aus dem Internet heruntergeladen werden. Die kostenlosen Versionen, die oft als Probe genutzt werden, können zudem durch kostenpflichtige Zusatzfunktionen jederzeit erweitert werden.

Das interessiere auch die Zielgruppen, die bisher kaum oder gar nicht spielten. In Deutschland sind nach Angaben des BIU 41 Prozent aller Käufer von Spiele-Apps älter als 40 Jahre. Jeder Zweite von ihnen wohne in einem Haushalt mit einem Nettoeinkommen von über 3000 Euro im Monat. Bitkom meldet zudem den bisher größten Zuwachs an Gamern unter den 50 bis 64-Jährigen. Fast jeder Vierte spielt demnach inzwischen Video- und Computerspiele. Letztes Jahr war es noch jeder Achte.

Auf der Gamescom werden die neuesten Produkte im Bereich Spiele-Apps prominent vertreten sein. Neben den einfachen Gelegenheitsspielen sollen den Besuchern auch anspruchsvollere Spiele für mobile Geräte vorgestellt werden. Die Branche wünsche sich in Zukunft auch "mehr Familien auf der Messe", so Schenk. Die Angebote der Spielehersteller würden immer mehr an die Interessen in allen Altersklassen angepasst.

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Deutschland ist ein wichtiger Absatzmarkt für Videospiele, aber bisher kein Top-Produzent

Auch Deutschland soll Hersteller werden

Rund 650 Aussteller aus über 45 Ländern werden dieses Jahr auf der Gamescom erwartet. Darunter ist als prominentester Partner die sogenannte "Nordic Region", die Dänemark, Finnland, Schweden, Norwegen und Island vertreten. Mit erfolgreichen Spielen wie "Angry Birds" von Rovio oder "Quizduell" von Feo Media hat sich das Netzwerk des Nordic Game Institute (NGI) zum europäischen Vorbild entwickelt. Sie unterstützen 700 Firmen aus der nordischen Region und erwirtschaften zusammen einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro.

Das Erfolgsrezept will sich Deutschland nun abgucken. Bisher sei die Bundesrepublik zwar ein wichtiger Absatzmarkt, jedoch kein Top-Produktionsstandort, meint Schenk. Man könne viel von den Partnern der Nordic Region lernen, um auch "Deutschland zu einem erfolgreichen Standort der Entwicklung von Computer und Videospielen zu machen." Zudem unterstütze die jetzige Regierung in ihrem Koalitionsvertrag die Entwicklung der Videospiele-Welt. Aus wirtschaftspolitischer Sicht sei es in Deutschland erstrebenswert, die Computer-Spielindustrie zu stärken.

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