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Filme

Europäischer Filmemigrant: Rudolph Maté

Der in Krakau geborene Kameramann und Regisseur Rudolph Maté gehörte zur großen Gruppe europäischer Filmschaffender, die Europa verließ und in Hollywood weiterarbeite. Vor allem in einem Genre schufen sie Großes.

Maté (geb. als Rudolf Matheh) war schon ein berühmter Kameramann, als er zu Beginn der 1930er Jahre Europa verließ. Einen Eintrag in die Geschichtsbücher des Kinos hatte er sich mit seiner Kameraarbeit für den Film "Die Passion der Jungfrau von Orléans" (1928) von Carl Theodor Dreyer gesichert. Seine eindrucksvollen Großaufnahmen im Film des dänischen Regisseurs haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Bevor Maté endgültig an die US-amerikanische Westküste aufbrach, fotografierte er für den ebenfalls schon im Exil weilenden Fritz Lang dessen einzigen in Frankreich entstandenen Film "Liliom". In Hollywood etablierte sich Maté schnell als einer der führenden und findungsreichsten Kameramänner. In den Jahren 1940 bis 1944 gelang dem aus Österreich-Ungarn stammenden Maté etwas Einmaliges.

Fünf mal hintereinander wurde er für seine Arbeit hinter der Kamera für den Oscar nominiert, unter anderem für Alfred Hitchcocks "Foreign Correspondent". Ein Kunststück, das bis heute einzigartig geblieben ist. Dass es für den Kameramann Maté trotz der vielen Nominierungen zu keinem Oscargewinn reichte, mag auch ein Grund dafür gewesen sein, dass er schließlich umsattelte und selbst als Regisseur tätig wurde.

Hollywood-Genre unter deutschem Einfluss

Auch auf diesem Gebiet gelang ihm Erstaunliches. In der vom DVD-Anbieter "Koch Media" veröffentlichten Reihe mit Perlen des Film Noir ist jetzt Matés Meisterstück "D.O.A. - Opfer der Unterwelt" wiederzuentdecken. Wie so viele andere europäische Filmschaffende im Exil war auch Maté maßgeblich an der Blüte des Film Noir beteiligt, jener düster-dunklen Filmästhetik, die vor allem Thriller, Kriminal- und Detektivfilme hervorbrachte.

Edmond O'Brien u.a. in D.O.A von Rudolph Maté (USA 1950) (Foto: Koch Media)

Verhängnisvoller Besuch im Nachtclub

Die europäischen Filmkünstler transportierten den expressionistischen Stil des deutschen Stummfilmkinos damals erfolgreich nach Hollywood. Noch immer ist es verblüffend, wie nah sich deutsche Filme aus den1920er Jahren und das Film Noir-Kino Hollywoods der '40 Jahre stehen. Maté war auch für die atemberaubende Optik in dem erotisch aufgeladenen Noir-Klassiker "Gilda" (Regie: Charles Vidor, 1946) mit Rita Hayworth verantwortlich.

Chronik eines angekündigten Todes

In "D.O.A." (1950) schildert Maté die noch heute unter die Haut gehende Geschichte des Buchhalters und Notars Frank Bigelow (Edmond O'Brien, unser Foto oben), der seinen eigenen Mörder sucht und zur Strecke bringt. Bigelow wird in einem Nachtclub in San Francisco vergiftet, merkt aber zunächst nichts von diesem Anschlag auf sein Leben. Erst als ihn anhaltende Bauchschmerzen zum Arzt treiben, erhält er die erschütternde Diagnose. Es bleiben ihm nur noch wenige Tage zum Leben.

Edmond O'Brien u.a. in D.O.A von Rudolph Maté (USA 1950) (Foto: Koch Media)

Angesichts des bevorstehenden eigenen Todes versucht Frank Bigelow seinen Mörder zu finden

Die nutzt er, um seinen Mörder zu stellen. Regisseur Rudolph Maté und sein für diesen Film hinter der Kamera verpflichteter Landsmann, Ernest Laszlo, gibt diese Jagd durch San Francisco Gelegenheit, all ihr Können zu zeigen. Es sind phantastisch düstere Bilder, expressionistische Schwarz-Weiß-Visionen, die der verzweifelten Jagd eines zum Tode Verurteilten die passende Ästhetik verleihen.

Gelernt in der europäischen Schule des Stummfilms

Der Film endet mit dem Zusammenbruch Bigelows auf der Polizeiwache. Einem Inspektor hatte er seine wahnwitzige Geschichte, die der Film zuvor in Rückblenden aufgerollt hat, erzählt. Am Ende bleibt nur der Tod. Und der Inspektor trägt "D.O.A." in das Polizei-Protokoll ein: Dead On Arrival.

Über seine filmische Ausbildung im europäischen Kino des Expressionismus sagte Maté später: "Stummfilme zwangen Regisseur und Kameramann, originelle und phantasievolle Ideen zu entwickeln, es gab keine Sprache, und darum mussten die Filmemacher visuelle Methoden erfinden, um ihre Intentionen darzustellen."

Das sieht man Matés Filmen, die meist nur mit kleinem Budget produziert wurden und unter dem Begriff "B-Picture" in die Kinos gelangten, an. Es sind kleine Meisterwerke visueller Brillanz, Kriminalgeschichten, die ihre Dramatik und Spannung mit einer ausgefeilten Bildästhetik entwickeln.

Filmszene aus dem Film Die Nacht hat tausend Augen mit Edward G. Robinson, John Lund, Gail Russell u.a, von John Farrow (USA 1948) (Bild: Koch Media)

Der Hellseher John Triton (Edward G. Robinson, r.) erinnert sich...

John Farrow - Meister des Genrefilms

Ein weiteres Beispiel für einen solch düster-pessimistischen Film, der jetzt in der DVD-Reihe "Film Noir" erschienen ist, stammt vom Filmemigranten John Farrow. Der gebürtige Australier (Vater von Mia Farrow und Schwiegervater von Frank Sinatra) kam bereits in den '20er Jahren nach Hollywood. Farrow, der auch ein erfolgreicher Drehbuchautor war (Oscar 1957 für "In 80 Tagen um die Welt"), inszenierte eine ganze Reihe jener Hollywood-Unterhaltungsfilme in allen Genres, die es heute in dieser Qualität und Solidität kaum noch gibt: gut gemachte, spannende Unterhaltungsware für ein großes Publikum, abseits des glamourösen Starkinos.

"Die Nacht hat tausend Augen" mit Edward G. Robinson aus dem Jahre 1948 ist bis heute einer von Farrows besten Filme. Insbesondere die Eingangssequenz auf einem düsteren Bahnhofsgelände, in der der jungendliche Held nachts eine Frau vor dem Selbstmord bewahrt, bietet Film Noir-Ästhetik vom Feinsten: grandiose Schwarz-Weiß-Kontraste, schnell und dynamisch montiert, mit dramatischer Musik unterlegt. Einfache Plots wurden von Kameramännern und Regisseuren wie Maté und Farrow mittels ausgefeilter Ästhetik zu ganz eigenständigen Kunstwerken veredelt - Film in seiner reinsten Form.

Zwischen Expressionismus und Realismus: Film Noir

"Oberflächlich betrachtet, erscheint der Einfluss des deutschen Expressionismus, der auf künstliches Studiolicht setzte, mit den echten, rau und ungeschminkt präsentierten Schauplätzen des Realismus unvereinbar," schreiben Paul Duncan und Jürgen Müller in ihrem Band "Film Noir: 100 All Time Favorites". Doch zur spezifischen Qualität des Film Noir habe es auch gehört, dass er imstande war, scheinbar widersprüchliche Elemente zu einem einheitlichen Stil zu verschmelzen: "Die Virtuosen des Noir machten einfach die Welt zur Torbühne und setzen realistische Schauplätze mittels künstlicher, expressionistischer Beleuchtung in Szene."

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