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Kultur

DVD: Fritz Langs "Ministerium der Angst"

Im Exil in Hollywood drehte der Regisseur mehrere Anti-Nazi-Filme, darunter "Ministry of Fear". Zufrieden war Lang mit seinem Film allerdings nicht. Jetzt erscheint er in einer "Film Noir"-Reihe.

Ein Mann (Ray Milland, im Bild rechts) wird aus einer Gefängnis-Klinik entlassen und gerät in einen Strudel mysteriöser Ereignisse. Auf einem Jahrmarkt gewinnt er einen Kuchen, auf den es offenbar auch noch andere abgesehen haben. Ein Blinder, der sich als Nazi entpuppt, entreißt ihm das Backwerk und stirbt kurz darauf bei einem Bombenangriff der Deutschen in einer englischen Moorlandschaft. Später im Film sehen wir, dass in dem Kuchen ein Mikrofilm versteckt wurde, auf dem die Truppenbewegungen der Alliierten zu Kriegsende verzeichnet sind.

Schon die Anfangssequenz von Fritz Langs Film "Ministry of Fear" aus dem Jahre 1943, der erst ein Jahr nach seiner Fertigstellung in die amerikanischen Kinos kam, überrascht mit seiner kolportagehaften Handlung. Die wird sich im Laufe des Films noch verstärken. "Ministry of Fear" ist ein Abenteuerfilm vor politischem Hintergrund. Man könnte auch sagen: die Geschichte eines zu Unrecht Verdächtigten, der während des Zweiten Weltkriegs in ein Nazi-Komplott hineingezogen wird. Oder: ein Film Noir aus Bestandteilen verschiedener Genres: Krimi und Geisterfilm, Politthriller und melodramatischer Reißer.

Fritz Langs Anti-Nazi-Filme aus Hollywood

Handlung und Stilelemente erschließen sich dem Zuschauer, dem heutigen zumal, nicht auf den ersten Blick. "Ministry of Fear" ist keines von Fritz Langs Meisterwerken und doch ein unbedingt sehenswerter Film. Zum einen, weil fast alle Filme Langs, auch die weniger geschlossenen und missglückten, immer noch eine Fülle interessanter Details vorweisen. Zum anderen, weil sich Fritz Lang in seinem US-amerikanischen Exil mit filmischen Mitteln gegen das Nazi-Regime engagierte und das, was dabei herauskam, nicht nur für Filmhistoriker von großem Interesse ist.

Filmszene aus dem Film Ministerium der Angst (Foto: Koch Media)

Ein Medium nimmt in "Ministry of Fear" Kontakt zum Jenseits auf

Lang habe damals alles getan, "um aus diesem eher simplen Film einen weiteren Kriegsbeitrag zu leisten", schreibt Norbert Grob in seiner gerade erschienenen großen Fritz-Lang-Biografie: "Er verstärkte die Dämonie der Nazi-Aktivitäten, um die Gefahr einer faschistischen Unterwanderung deutlich zu machen." Heute weiß man: Das, was man im Film sieht, ist noch harmlos im Vergleich zu dem, was man nach Kriegsende über die Nazi-Aktivitäten erfuhr. Doch Langs Wissen über Nazi-Deutschland war aus der Exil-Perspektive der amerikanischen Westküste begrenzt.

So erscheinen uns heutigen Zuschauern Filme wie "Ministry of Fear" politisch naiv und möglicherweise auch "zu unterhaltsam". Hollywood blickte schon damals mit den Mitteln des Unterhaltungsfilms auf Nazi-Deutschland. Das ist nichts für Kino-Puristen. Alle anderen aber werden ihre Freude daran haben.

Graham Greene war unzufrieden

Fritz Lang war damals übrigens selbst nicht zufrieden mit seinem Film, der nach einer Vorlage des britischen Schriftstellers Graham Greene entstand. Im Booklet der jetzt erschienenen DVD-Edition schreibt Thomas Willmann: "'Ministry of Fear' erschien ihm (Graham Greene, Anm. der Red.) gänzlich misslungen. Und er befand sich damit in guter Gesellschaft: Angeblich sei er dem Regisseur Jahre später in einer Bar begegnet - und der sei auf ihn zugekommen und habe sich persönlich für den Film entschuldigt. Was an der Anekdote wahr ist, ist heute nur noch schwer zu rekonstruieren. Fest steht aber: "Ministry of Fear" ist ein Film, in dem es noch heute viel zu entdecken gibt: beispielsweise zahlreiche Selbstzitate des Regisseurs, die auf seine noch in Deutschland entstandenen Meisterwerke wie "M" oder "Dr. Mabuse" anspielen.

Fritz Lang Retrospektive - Das Grauen am Horizont

Einer der bekanntesten Fritz-Lang-Filme: "M - eine Stadt sucht einen Mörder"

Greenes literarische Vorlage seien unter dem Eindruck der deutschen Luftangriffe auf London entstanden, so Thomas Willmann, und waren "eines der unmittelbarsten literarischen Zeugnisse des Lebens" während des deutschen Bombardements. Fritz Lang hatte bis zu diesem Zeitpunkt in den USA bereits sieben Filme gedreht, unmittelbar zuvor den berühmten Anti-Nazifilm "Auch Henker sterben" nach einem Buch von Bertold Brecht. "Ministry of Fear" war für Fritz Lang eine weitere Etappe seiner erstaunlichen Karriere zwischen Europa und Hollywood. Eine Karriere, in der er zum berühmtesten Filmregisseur Deutschlands wurde, bevor er vor Propagandaminister Joseph Goebbels aus Deutschland fliehen musste.

Keine klassische Film Noir-Reihe

Filmszene aus dem Film Unter Verdacht mit Charles Laughton und Rosalind Ivan (Foto: Koch Media)

Charles Laughton als sympathischer Mörder in "Unter Verdacht"

"Ministry of Fear" erscheint jetzt in der Reihe "Film Noir" beim Anbieter "Koch Media". Langs Film zählt nicht zu den Werken, die man als typisch für den Film Noir bezeichnen würde. Doch die Reihe der Film-Ausgrabungen von Koch Media setzt sowieso eher auf Filme am Rande des Spektrums. So ist auch der zuletzt veröffentlichte Film "Unter Verdacht" des ebenfalls im amerikanischen Exil lebenden deutschen Regisseurs Robert Siodmak keine klassische Noir-Variante: die tragische Geschichte einer Ehekrise mit einem sympathischen Mörder (Charles Laughton). Und auch "Der unheimliche Gast" von Lewis Allen gleicht mehr einem viktorianischen Schauermärchen als einem typischen Film-Noir-Krimi aus Hollywood.

Filmszene aus dem Film Der unheimliche Gast von Lewis Allen mit Ray Milland und Ruth Hussey (Foto: Koch Media)

Viktorianische Spukgeschichte: Ray Milland und Ruth Hussey in "Der unheimliche Gast"

Einer der großen Klassiker des Film Noir ist hingegen "The Killers" von Robert Siodmak aus dem Jahr 1946, in dem Burt Lancaster als gejagtes Opfer von Auftragsmördern brilliert. Eines zeigen alle vier Filme der wunderbaren Film- Noir-Reihe: In den 1940er Jahren entstanden in Hollywood auch in kleineren Produktionsstudios und von weniger bekannten Regisseuren so viele großartige Filme, dass selbst diese vielen "Nebenwerke" noch heute sehenswert sind. Das lässt sich vom aktuellen Hollywood-Kino leider nicht sagen.

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