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Aktuell Europa

Erstes Baby mit Zika-Hirnschäden in Europa geboren

Der Säugling kam in Spanien mit ungewöhnlich kleinem Kopfumfang auf die Welt - eine Folge der vom Zika-Virus verursachten Mikrozephalie. Die Eltern wussten bereits vor der Geburt von den Hirnschäden ihres Babys.

Mutter in Brasilien wäscht an Mikrozephalie erkranktes Baby (Foto: Reuters)

Eine Zika-Infektion von Schwangeren kann wie bei diesem Kind in Brasilien zu Fehlbildungen des Schädels führen

Erstmals ist in Europa ein Baby mit den typischen Fehlbildungen nach einer Zika-Infektion der Mutter geboren worden. Der Säugling kam im spanischen Barcelona zur Welt. Wie das örtliche Universitätskrankenhaus mitteilte, hat das Baby einen ungewöhnlich kleinen Kopfumfang, war aber nach der Kaiserschnitt-Geburt ohne weitere medizinische Hilfe lebensfähig.

In Lateinamerika mit Zika-Erreger infiziert

Das Baby befinde sich, ebenso wie die Mutter, in gutem Zustand, sein Gehirn werde aber "wahrscheinlich nicht gut funktionieren", so dass es "auf Betreuung angewiesen" sein werde, sagte der Leiter der Neonatologie-Abteilung des Krankenhauses, Félix Castillo. Das Ausmaß der neurologischen Schäden könne man noch nicht vorhersagen.

Die Eltern wussten schon seit Mai von der Fehlbildung, sie hatten sich dennoch dafür entschieden, das Kind zu bekommen. Wie das Krankenhaus mitteilte, infizierte sich die Mutter bei einer Auslandsreise nach Lateinamerika mit dem von Mücken übertragenen Zika-Virus. Es gilt als wissenschaftlich gesichert, dass der Zika-Erreger zu Schädelfehlbildungen - Mikrozephalie - bei Neugeborenen führen kann. Das Zika-Virus hat sich seit dem vergangenen Jahr in Lateinamerika und der Karibik rasend schnell ausgebreitet. Es wird von der Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) übertragen. Für Erwachsene ist das Virus meist harmlos.

Zehntausende missgebildete Babys befürchtet

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm hatte bis Ende vergangener Woche innerhalb der EU-Länder drei Schwangerschaften registriert, bei denen das Ungeborene Fehlbildungen durch Zika hatte - eine in Slowenien und zwei in Spanien. Zumindest das Kind in Slowenien sei bereits abgetrieben worden, teilte das ECDC auf Anfrage mit. Alle Schwangeren hätten sich auf Reisen infiziert. Außerdem gebe es Fälle in EU-Hoheitsgebieten wie Martinique.

Eine Ägyptische Tigermücke hängt an einer Pipette (Foto: AP)

Klein und sehr gefährlich: Die Ägyptische Tigermücke, die das Zika-Virus überträgt

Ein Forscherteam veröffentlichte in der Zeitschrift "Nature Microbiology" Berechnungen, nach denen sich bis zum Ende der momentan in Südamerika grassierenden Zika-Epidemie 93,4 Millionen Menschen mit dem Virus infizieren könnten. Dabei könnten 1,65 Millionen schwangere Frauen betroffen sein, heißt es in der von dem Fachmagazin veröffentlichten Studie.

Olympia-Absagen aus Angst vor Zika in Rio

In den besonders gefährlichen ersten Wochen einer Schwangerschaft würden ein bis 13 Prozent der Föten von infizierten Frauen eine sogenannte Mikrozephalie oder andere Komplikationen entwickeln, schreiben die Forscher aus den USA, Großbritannien und Schweden. Das bedeute, dass in Lateinamerika und in der Karibik "zehntausende" Babys Mikrozephalie entwickeln könnten.

Allein in Brasilien kamen bislang 1700 Babys mit Missbildungen auf die Welt. Die Epidemie hat auch viele Sorgen mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro ausgelöst. Aus Angst vor dem Zika-Virus ergreifen viele Länder Vorsichtsmaßnahmen, mehrere prominente Sportler sagten ihre Teilnahme ab.

cw/wa (dpa, afp)