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Kultur

Ein wenig durcheinander gewürfelt

Ein Sprungbrett für Kreative soll das "Unperfekthaus" in Essen sein. Seit kurzem finden dort Künstler und andere Kreative kostenlose Räume und Inspiration, um ihre Ideen umzusetzen.

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Unperfekt, aber rentabel

Den Einfall, ein Kreativzentrum zu schaffen, stammt von dem IT-Unternehmer Reinhard Wiesemann. Kreative aller Fachrichtungen können die Räumlichkeiten eines alten Franziskanerklosters in der Essener Innenstadt nutzen, um ihre Ideen Realität werden zu lassen. "Jeder, der etwas anbietet, bekommt hier kostenfrei seinen Raum. Die Idee muss nur kreativ, interessant und legal sein", sagt Wiesemann im Gespräch mit DW-WORLD. Das ist aber noch nicht alles. Denn im Keller des 3500 Quadratmeter großen Klosters finden die Künstler Materialien, wie zum Beispiel Holz oder Farbe. Dabei handelt es sich um Spenden von Firmen. "Wir klappern regelmäßig Baumärkte und Handwerksbetriebe ab und schauen, was da so für uns abfällt."

Name ist Programm

Fotoausstellung im Unperfekthaus in Essen

Fotoausstellung im Unperfekthaus

Mittlerweile tummeln sich schon 140 Künstler auf den sechs Etagen des "Unperfekthauses", in dem der Name Programm ist. Die Einrichtung wirkt eine wenig durcheinander gewürfelt, was durchaus gewollt ist. Es soll die Kreativität der Bewohner fördern. "In einer zu hundert Prozent perfekten Umgebung kann der Mensch nichts mehr tun, sondern ist nur noch Zuschauer. Je mehr die Umgebung zurücktritt, desto mehr Menschen können dort aktiv werden", erklärt Wiesemann.

Das weiß er aus eigener Erfahrung. "Vor Jahren habe ich eine alte Villa gekauft und dort Schulungen für das Linux Computerprogramm angeboten. Das war eine reine Baustelle, aber es hat echt Spaß gemacht, in der Umgebung zu arbeiten. Es war sehr produktiv." Dieselbe Produktivität wünscht Wiesemann sich jetzt für sein Kreativzentrum.

Künstlern über die Schulter schauen

Bis zum zweiten Oktober 2004 läuft die "Probezeit", dann findet die offizielle Eröffnung statt. "Wir haben eine stille Eröffnung gemacht. Ein solches Projekt hat es bisher noch nicht gegeben, also wollten wir erst einmal abwarten, wie es läuft. Das Haus soll sich über die Eintrittsgelder der Besucher finanzieren, während die Kreativen umsonst schaffen können." Täglich haben Besucher die Möglichkeit, den Künstlern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen, unangemeldet an Yogakursen teilzunehmen oder Vorlesungen zu besuchen, um nur einige Beispiele zu nennen Und bis jetzt ist Reinhard Wiesemann mehr als zufrieden: "Es läuft super, die Leute nehmen unser Haus sehr gut an. Wenn es so bleibt, kann sich das Haus auf jeden Fall selber finanzieren."

Skulptur im Unperfekthaus

Die ersten Skulpturen sind auch schon fertig

Petra Salhöfer, die Leiterin des Kulturbüros der Stadt Essen, hat das "Unperfekthaus" auch schon besucht. "Das ist eine tolle Sache, da kann ich nur ein großes Lob aussprechen", erzählt sie. Und hofft, dass das Projekt Schule macht. "Vielleicht finden sich ja bald auch anderswo in Deutschland solche Häuser, ja vielleicht sogar im Ausland." Künstler hätten wenige Möglichkeiten, ihre Ideen umzusetzen oder ihre Kunst zu verbreiten. Sie wünscht sich mehr solcher Sprungbretter, die kreativen Leuten helfen, ihre Talente darzustellen, um so möglicherweise eine künstlerische Kariere einschlagen können.

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