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Kultur

Jetzt kommen die Krauts

Brit-Art war gestern. Das internationale Kunstpublikum will junge deutsche Künstler sehen. Galerien in New York und London reißen sich um gegenständliche Malerei aus Leipzig und Objektkunst aus Köln.

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So sieht young german art von Martin Eder aus

Ganz in der Nähe der Chelsea Piers in Manhattan liegt die Galerie von David Zwirner, stil-echt in einem alten Industriebau. Eine hippe Gegend, in der Trends entstehen oder zumindest gefeiert werden. So wie heute. Da drängen sich die Vernissage-Besucher in den hohen weißen Räumen: Die erste Soloausstellung eines jungen Künstlers aus Deutschland. "Daniel Richter ist ein Maler, den ich seit längerem beobachte und ich bin der Meinung, dass das ein unglaublich talentierter und zukunftsweisender Künstler ist", sagt Zwirner.

Extrem aggressiv

Dieser Meinung ist offenbar auch das amerikanische Publikum. Richters Ausstellung gilt jetzt schon als eine der aufsehenerregendsten des Jahres 2004 in New York. Sammler und Kritiker inspizieren die schreiend bunten Großformate. Dick haftet die Farbe auf den Leinwänden, wulstige Spachtelspuren sind fest getrocknet.

"Wenn die Bilder in einem großen Raum sind, sind die extrem aggressiv", erzählt Zwirner. Das Gebrochene werde thematisiert. Das scheint die verletzte amerikanische Seele zu treffen - nach 9-11 und Irakkrieg. Sämtliche Bilder sind in Windeseile verkauft.

Tea and Coffee 1

'Tea and Coffee 1' von Tim Berresheim und Jonathan Meese

Und so wie Richter geht es derzeit weiteren deutschen Künstlern. Jonathan Meese, Tim Eitel, Thoralf Knobloch und Martin Eder erobern die Welt. Deutsche Kunst ist angesagt - vor allem die junge Malerei.

Jung und deutsch und Kunst

Schon wird der Trend als "young german art" verschlagwortet - kurz "yga". So geschehen im Frühjahr 2004 auf der New Yorker Kunstmesse "Armory Show" - wo deutsche Galeristen ein Schildchen mit diesem Slogan an ihren Stand hängten. Die "New York Times" berichtete vom "starken Eindruck", den die Deutschen gemacht hätten - geboren war die neue "Kraut Art".

Melissa Kouronen ist PR-Chefin im Museum für Gegenwartskunst in Boston. Sie sieht den Hype um die "young german art" pragmatisch. Kunst müsse sich verkaufen und mit einem Schlagwort gehe das eben besser. Auch wenn sich die Deutschen da recht unverblümt an die Erfolgs-Story junger Briten Mitte der 1990er-Jahre anlehnten: Als "young british art", kurz "yba" betitelt, kamen Künstler wie beispielsweise Damien Hirst groß raus. "Das ist vielleicht ein Mittel für gutes Marketing. Die Künstler sind aber, glaube ich, nicht so begeistert davon, in eine Schublade gesteckt zu werden", sagt Melissa Kouronen.

Nostalgischer Realismus und "Leipziger Schule"

Weiche

'Weiche' von Neo Rauch, 'Leipziger Schule'

Besonders beliebt ist innerhalb der "yga" die so genannte Leipziger Schule. Diese nimmt oft sozialistische Themen auf und verarbeitet diese in einer Art nostalgischem Realismus. Dabei spielen die Gegensätze zwischen Ost und West eine große Rolle. Junge Ostdeutsche versuchen, mit ihrer Kunst das Dasein zwischen den beiden Gegenpolen zu thematisieren und in ihrer Malerei zu bewältigen.

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