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Deutschland

Ebola-Patient wird in Deutschland behandelt

Ein mit Ebola infizierter WHO-Mitarbeiter wird in Hamburg behandelt. Der Mann hatte sich als Helfer in Sierra Leone infiziert. Er ist einer von Hunderten Ärzten und Pflegern, die von der Krankheit betroffen sind.

Vor seinem Flug nach Hamburg war der Mann in Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, behandelt worden. In Hamburg wurde er mit großem Polizeiaufgebot vom Flughafen zum Universitätsklinikum gebracht. Dort wird er in einer speziellen Isolierstation untergebracht – als erster Ebola-Patient Deutschlands.

"Wir hoffen, dass sich sein Zustand bald verbessert und er sich vollständig von der Krankheit erholen wird", sagte WHO-Sprecherin Fadéla Chaib der DW. Sie bestätigte, dass es sich bei dem Mann um einen Epidemiologen aus dem Senegal handelt, der in der Ebola-Bekämpfung in einem Labor in Sierra Leone arbeitete. Gemeinsam mit einem WHO-Team war er im Ort Kaliahun im Osten des Landes tätig, einer Region, die besonders schwer von der Seuche betroffen ist. Die WHO hatte bereits im Juli in Hamburg angefragt, ob einer ihrer Mitarbeiter dort behandelt werden könnte. Der infizierte Arzt aus Sierra Leone war jedoch an der Krankheit gestorben, bevor er nach Deutschland gebracht werden konnte.

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Photo: Georg Wendt/dpa)

In einem Konvoi von Polizei- und Krankenwagen kam der Patient im Klinikum an

Mediziner in Gefahr

Insgesamt 240 Ärzte und Helfer haben sich bereits mit Ebola infiziert, seit die Krankheit im März dieses Jahres in Westafrika ausgebrochen ist. Die Hälfte des infizierten medizinischen Personals in Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone sei bereits an der Krankheit gestorben, teilte die WHO mit.

Dass sich so viele Helfer infiziert hätten, habe eine ganze Reihe von Ursachen, so WHO-Sprecherin Chaib. "Zum einen gibt es zu wenig Schutzanzüge, oder das Schutzmaterial wird falsch verwendet." Zudem verfüge man nicht über genug ausgebildetes Personal. "Die Ärzte und Helfer arbeiten über die Belastungsgrenze hinaus, weil sie ihren Mitmenschen beistehen wollen. Und aufgrund von Müdigkeit kommt es dann manchmal zu Fehlern, die zur Ansteckung führen."

Arzt im Einsatz gegen Ebola in Kailahun Sierra Leone (Photo: CARL DE SOUZA/AFP/Getty Images)

Ärzte und Helfer sind besonders gefährdet, sich mit Ebola anzustecken

Während bisheriger Ebola-Epidemien waren die Ansteckungszahlen unter medizinischem Personal stets zurückgegangen, sobald die Krankheit erkannt wurde und Schutzmaßnahmen ergriffen wurden. Der derzeitige Ebola-Ausbruch in Westafrika ist der bislang schwerste. Vieles sei anders verlaufen als sonst, sagt WHO-Sprecherin Chaib. "Zu Beginn wussten viele Ärzte in der Region nichts über Ebola, weil die Krankheit zum ersten Mal in diesem Teil Afrikas aufgetaucht ist." Manche Mediziner hätten angesichts der Symptome deshalb zunächst an Malaria, Typhus oder Erkältungskrankheiten gedacht. "Es hat eine Weile gedauert, bis alle wussten, dass hier Ebola am Werk ist und dass es sich um eine hoch ansteckende Krankheit handelt."

Isoliert und abgeschirmt

In den betroffenen Ländern verfügen die Krankenhäuser jedoch oft nicht über die nötigen Mittel, um Patienten sicher isolieren zu können. Das Hamburger Universitätsklinikum, in das der Patient aus Sierra Leone nun gebracht wurde, kann Quarantäne in einer speziell ausgestatteten Isolierstation sicherstellen. Aus dieser Isolierstation können keine Flüssigkeiten, Gase oder Partikel in der Luft nach außen gelangen. Nur über drei Schleusen ist der Zugang möglich. In der ersten Schleuse ist der Luftdruck leicht abgesenkt, in der zweiten und dritten dann jeweils etwas stärker. Damit soll sichergestellt sein, dass nur Luft von außen nach innen gelangen kann und nicht umgekehrt.

Die Isolier-Station des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (Photo: Jochen Koppelmeyer/UKE dpa/lno)

Die Isolier-Station des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Die Ärzte und Pfleger tragen dabei einen speziellen Sicherheitsanzug, der dem eines Astronauten ähnelt. In diesen Anzügen herrscht ständig leichter Überdruck. Schweiß kann nicht nach außen gelangen und ausgeatmete Luft wird durch einen Filter geleitet. Das Arbeiten in diesen Anzügen ist sehr anstrengend – länger als drei Stunden halte man das nicht aus, sagt der ärztliche Leiter, der Tropenmediziner Dr. Stefan Schmiedel. Da eine Reinigung schwierig wäre, werden die Anzüge nach jedem Einsatz verbrannt.

"Die Sicherheitsmaßnahmen, die wir hier getroffen haben, sind derartig umfassend, dass man davon ausgehen kann, dass die Bevölkerung sicher geschützt ist", so Schmiedel in einem Interview gegenüber dem NDR. "Und auch die betreuenden Medizinarbeiter sind weitestgehend geschützt und man kann da ohne Bedenken mit umgehen."

Hoffen auf Heilung

Noch gibt es kein Heilmittel gegen die Krankheit. Der menschliche Körper sei jedoch in der Lage, das Virus selbst zu besiegen, sagt Schmiedel. Allerdings nur, wenn es gelinge, die Körperfunktionen stabil zu halten. Dazu wird der Patient beatmet. Auch seine Darmfunktion muss künstlich aufrecht erhalten und sein Wärmehaushalt reguliert werden. Zudem sind ständige Infusionen nötig, da Ebola-Erkrankte unter Erbrechen und Durchfall leiden und so viel Flüssigkeit verlieren.

Auch im Falle des Epidemiologen aus dem Senegal, der nun in Hamburg behandelt wird, besteht Hoffnung, dass er die Krankheit mithilfe der Ärzte überlebt. Die Umstände seiner Ansteckung sind immer noch unklar. Um seine Kollegen auf der Krankenstation in Kailahun in Sierra Leone zu schützen, hat die WHO das Team vorübergehend abgezogen. Sprecherin Chaib sagte der DW, man hoffe, die Experten in Hamburg könnten mithelfen, zu klären, wie es zur Ansteckung kam. Im Anschluss werde man entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen und wieder ein Team nach Kailahun entsenden.