1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Ebola im Kongo: mehr als nur ein Virus

Neue Ebola-Fälle in der Demokratischen Republik Kongo schüren die Angst vor dem Virus. Doch es gibt mehr als nur einen Ebola-Stamm und manche Viren sind gefährlicher als andere.

Der Ebola-Fluss schlängelt sich durch den dichten Wald der Provinz Equateur im Nordwesten der Demokratischen Republik Kongo. In dieser Region wurde das tödliche Fieber 1976 von belgischen Wissenschaftlern entdeckt. Das Virus, das oft zum Tode führt, benannten sie nach dem Fluss. Jetzt ist die Krankheit Ebola wieder einmal zurückgekehrt in die Provinz Equateur. Nach Angaben der kongolesischen Regierung sind mindestens zwei Menschen der Seuche zum Opfer gefallen.

"In dieser Region geht das Virus immer wieder um, es gab hier in der Vergangenheit schon kleinere und größere Ausbrüche", sagt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. "Deshalb steht der Ausbruch in Equateur vermutlich nicht in Verbindung zur Epidemie in Westafrika.."

Weniger tödlich

Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (Photo: BNI)

Jonas Schmidt-Chanasit ist Virologe am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut

Fast 1500 Menschen sind in Liberia, Sierra Leone, Guinea und Nigeria seit März 2014 am Ebolafieber gestorben. Es ist der bislang schwerste Ausbruch der Seuche. Doch das Virus, das für die Todesfälle in der Demokratischen Republik Kongo verantwortlich ist, könnte sich möglicherweise stark unterscheiden von dem, das sich in Westafrika verbreitet.

"Die Letalität, also das Verhältnis von Todesfällen zu Erkrankten ist mit 20 Prozent sehr viel geringer als in Westafrika", sagt Virologe Schmidt-Chanasit. "Deshalb könnte es gut sein, dass es sich um einen anderen Virusstamm handelt, einen mit weniger krankmachender Wirkung."

Einige Ebola-Virenstämme sind sogar für den Menschen harmlos und lösen die Krankheit nur bei Affen aus. Das sogenannte Reston-Virus ist eine solche Mutation von Ebola, die in China und auf den Philippinen auftritt. Der Virenstamm, der sich derzeit im Westen Afrikas ausbreitet, tötet dagegen bis zu 90 Prozent der Infizierten.

25.08.2014 DW online Ebola-Fälle in West- und Zentralafrika

Fast 1500 Menschen sind seit Ausbruch der Seuche im März 2014 gestorben

Selbstvertrauen in Kinshasa

Bis im Labor festgestellt wird, um welchen Virenstamm es sich bei den Ebola-Fällen in der Provinz Equateur genau handelt, könnten noch ein oder zwei Tage vergehen, sagt Schmidt-Chanasit. Es wäre das siebte Mal, dass die Seuche in der Demokratischen Republik Kongo ausbricht.

"Die Erfahrung, die wir bei den vorangegangenen sechs Epidemien gewonnen haben, wird uns helfen, die Seuche auch dieses Mal einzudämmen", sagte der kongolesische Gesundheitsminister Felix Kabange Numbi in einer Fernsehansprache am Sonntag. Numbi kündigte eine Vielzahl von Maßnahmen an, mit denen das Virus besiegt werden soll.

Schutzkleidung für Ärzte und Helfer stünde ganz oben auf der Prioritätenliste, so Numbi. Zudem würde die Regierung dafür sorgen, dass "alle Ebola-Toten mit den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen beerdigt werden, und auch solche Toten, bei denen wir keine Gewissheit über die Krankheit haben." In Westafrika hatten sich vor allem zu Beginn der Epidemie immer wieder Menschen bei Toten-Waschungen angesteckt.

Experten zuhause gebraucht

Ebola-Test im Labor (Photo: Christian Charisius/dpa)

Erst im Labor kann festgestellt werden, um welchen Virenstamm es sich handelt

Die Demokratische Republik Kongo wird seit Jahrzehnten immer wieder von Bürgerkriegen heimgesucht. Bewaffnete Konflikte, besonders um Rohstoffe, scheinen kein Ende zu nehmen. Zudem ist die Infrastruktur des Landes wenig entwickelt, das fast so groß ist wie Westeuropa. Es gibt kaum asphaltierte Straßen und wenige Krankenhäuser. Dies müsse jedoch nicht zwangsläufig dazu führen, dass das Ebola-Virus hier leichtes Spiel habe, sagt der Hamburger Virologe Schmidt-Chanasit. "Die Behörden sind gut vorbereitet. Sie wissen, wie man Patienten isoliert." Die betroffene Gegend bei Jera in der Equateur-Provinz wurde bereits unter Quarantäne gestellt. Zudem könne die Abgeschiedenheit der Region den Ausbruch verlangsamen. "Es gibt kaum eine Chance, dass das Virus auf die Hauptstadt Kinshasa übergreift. Dazwischen liegen viele hundert Kilometer", so Schmidt-Chanasit.

Vergangene Woche hatte Gesundheitsminister Numbi noch angekündigt, Experten aus Kinshasa nach Westafrika zu entsenden, um den Kampf gegen die Seuche dort zu unterstützen. Nun sieht es so aus, als müsse die Demokratische Republik Kongo erst einmal mit einem eigenen Ebola-Ausbruch zurechtkommen.

Die Redaktion empfiehlt