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Wissen & Umwelt

Die Zika-Diagnose und ihre Auswirkungen

Habe ich Zika? Diese Frage ist vor allem für Schwangere von Bedeutung. Deutsche Forscher haben einen Test entwickelt. Aber auch der hilft nicht bei den schwierigen Entscheidungen, die nach der Diagnose kommen.

Nur etwa einer von fünf Menschen, die sich mit dem Zika-Virus infiziert haben, wird auch tatsächlich krank. Doch was erst mal positiv klingt, kann auch zum Problem werden: Zum Beispiel, wenn eine Schwangere oder eine Frau, die plant, schwanger zu werden, sich fragt, ob sie mit dem Virus infiziert ist.

Die Biotechnologiefirma Genekam aus Duisburg hat jetzt Abhilfe geschaffen. Deren Forscher haben einen Test entwickelt, mit dessen Hilfe Labortechniker eine Blutprobe auf Zika untersuchen können.

"Unser Test ist DNA-basiert und arbeitet mit Chemikalien, die ausschließlich das Zika-Virus nachweist", sagt Sudhir Bhatia, der den Test mitentwickelt hat. "Er reagiert nicht auf ähnliche Erreger wie etwa Dengue-Fieber."

DNA Zikatest der Firma Genekam. (Foto: Genekam)

Mit diesem Testkit können Experten feststellen, ob sich eine Person mit dem Zika-Virus infiziert hat

Der Test zeigt genau an, wie viele Viren sich im Blut befinden. Die erste Lieferung des Minilabors ist bereits nach Brasilien unterwegs. Das geht, obwohl der Test noch gar nicht die lange Zulassungszeit durchlaufen hat, die in der Pharmaindustrie allgemein üblich ist. Die Begründung: Es liegt ein Notfall vor, weil sich das Virus in Brasilien und anderen Teilen Amerikas

so schnell ausbreitet

.

Labortest oder Abwarten

Ein einfacher Hausarzt wird Blutproben seiner Patienten allerdings nicht auf den Erreger untersuchen können.

"Der Test darf nur von Fachpersonal genutzt werden, damit keine Fehler passieren", betont Virologe Bhatia. Deshalb gehen die Testkits nur an Institute und Labore, die das Knowhow und die technische Ausrüstung haben, um ihn fachgerecht durchzuführen. Die Kosten sind allerdings gering, sie liegen bei rund fünf Euro für einen Test.

Für Touristen, die aus einem Risikogebiet zurück in ihr Heimatland, zum Beispiel Deutschland, kommen, geht es auch einfacher: Abwarten. Das dauert natürlich etwas länger.

"Wenn drei Wochen nach der Rückkehr keine Symptome aufgetreten sind, dann wird das auch nicht mehr passieren", sagt Christian Drosten von der Gesellschaft für Virologie (GfV). "Und zwei Wochen danach ist das Virus sicher nicht mehr im Körper."

Noch kein bewiesener Zusammenhang zu Mikrozephalie

Aber was, wenn doch eine Erkrankung auftritt? Das Zika-Virus ist zwar für gewöhnlich nicht lebensgefährlich und

verläuft bei Erwachsenen recht mild

, allerdings mit Fieber, Gelenkschmerzen und Ausschlag.

Aber in Brasilien wird es mit dem gefährlichen Geburtsfehler Mikrozephalie in Verbindung gebracht. Die betroffenen Kinder kommen mit einem zu kleinem Kopf zur Welt, was zu Hirnschäden führen kann. Rund 4000 Verdachtsfälle liegen in Brasilien bereits vor.

Studien, die einen direkten Zusammenhang eindeutig feststellen, gibt es noch nicht, aber einige Experten sprechen von einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit.

Christian Drosten. (Foto: privat)

Drosten: nur lose Korrelation zwischen Zika und Mikrozephalie

Drosten, der auch das Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn leitet, bezweifelt dies: "Beim Zika-Virus sind derzeit noch zu viele Aspekte unverstanden, um von einer direkten Verursachung der Mikrozephalie zu sprechen". Seiner persönlichen Einschätzung nach ist es wahrscheinlicher, dass es zu Geburtsfehlern kommt, wenn die Mutter in der Schwangerschaft eine Rötelninfektion hatte, als wenn sie eine Zikainfektion hatte.

Eine schwierige ethische Frage

Brasiliens Gesundheitsministerium hat bisher gut 700 Verdachtsfälle geprüft. Bei nur 270 Babys wurde Mikrozephalie festgestellt, bei 462 dagegen definitiv ausgeschlossen. Bei derzeit weniger als zehn der Mikrozephalie-Fällen haben die Experten des Gesundheitsministeriums eine Zikainfektion nachweisen können.

"Ich denke, dass es vielleicht nur eine sehr lose Korrelation zwischen dem Zika-Virus und Mikrozephalie gibt", sagt Drosten. Trotzdem kann er verstehen, dass sich schwangere Frauen Sorgen machen, die kürzlich in Südamerika waren und sich den Zika-Virus eingefangen haben. "Die Frau trägt dann nicht so sehr gesundheitlich, aber psychologisch und ethisch ein Problem mit sich herum", sagt der Virologe.

Zwar gebe es die Möglichkeit eines frühen Schwangerschaftsabbruchs. Aber ob das ungeborene Kind wirklich an Mikrozephalie leide, könne man nur zu einem späteren Schwangerschaftsstadium feststellen, weil der Kopfumfang im Mutterleib nicht zu einem früheren Zeitpunkt gemessen werden kann.

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