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Wirtschaft

Die Rechnungen des Katastrophenmeisters

"Wetterkatastrophen treffen immer mehr Menschen", warnt Gerd Berz, "Master of Disaster" bei der Münchner Rück. Das hat auch erhebliche Folgen für die Versicherungsbranche.

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Das Wetter sorgt für viele Unwägbarkeiten

Isabel, Queenie oder Michaela - Hurrikans, Sturmtiefs oder Hitzehochs haben freundliche Namen. Die Versicherungswirtschaft nennt die unheilvollen Naturphänomene "Elementarschadensereignisse". Der weltweit größte Rückversicherer, die Münchner Rück, erforscht, inwieweit diese Katastrophen von Menschenhand gemacht sind - und natürlich, wie die Versicherungen darauf reagieren können. Ein Mann hat die Wetterphänomene weltweit besonders im Blick. Er wird "Master of Disaster" genannt: Gerd Berz, Leiter des Bereichs Geo-Risiko-Forschung der Münchner Rück - dem weltweit größten Versicherer der Versicherungen.

333.000.000.000 Dollar Schäden

Seit 30 Jahren untersucht der Meteorologe für den Rückversicherer Umwelt- und Klimaveränderungen. Fazit: Wetterbedingte Naturkatastrophen haben in den vergangenen zehn Jahren Schäden in Höhe von rund 333 Milliarden US-Dollar angerichtet - sechs Mal mehr als noch vor 50 Jahren. Die versicherten Schäden haben sich sogar verzehnfacht. Ein Grund ist die fortschreitende Erderwärmung durch Treibhausgase. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird die Temperatur im globalen Mittel um 1,5 bis 6 Grad ansteigen, zitiert der Meteorologe aus dem UN-Bericht führender Klimatologen: "Das bedeutet, dass wir auf der Erde Temperaturen haben werden, wie sie die Menschheit noch nicht erlebt hat, verbunden natürlich mit einer sehr starken Zunahme von Extremtemperaturwerten. Der letzte Sommer hier in Mitteleuropa war so ein Blick in die Zukunft. Er hat uns gezeigt, wie sich das Klima ändern wird und mit welchen extremen Sommerhitzen und Dürren wir in Zukunft rechnen müssen."

Hurrikan Isabel, Wellen schlagen gegen Häuser in Avalon, N.J.

Die Schäden entstehen nicht allein durch den Klimawandel. Denn die Naturereignisse betreffen immer mehr Menschen. Die Weltbevölkerung hat sich in den vergangenen 50 Jahren mehr als verdoppelt. Die meisten Menschen leben in großen Städten. Diese Metropolen werden nicht nur von der Bevölkerungszahl immer größer, sondern auch in ihrer Flächenausdehnung. Für Berz heißt dies, dass die Wahrscheinlichkeit eines großen Naturereignisses in einer Stadt immer größer wird - zumal viele dieser Städte auch in besonders exponierten Regionen wie etwa Küsten liegen.

Am Tropf der Infrastruktur

Menschen und Sachwerte in diesen Ballungszentren sind besonders verwundbar. Naturkatastrophen sind dort meist ein sehr starker Einschnitt mit sehr großen Folgen, sagt Berz. "Wir hängen ja heute am Tropf einer funktionierenden Infrastruktur. Wenn da irgendeine kleine Störung passiert, dann fällt eben der Strom aus oder das Gas oder das Öl." Das heißt kein Verkehr, keine Kommunikation - und ein enormer Schaden.

Etwa ein Fünftel aller Wetter bedingten Sachschäden übernehmen die Versicherungen. Rund 6000 dieser Erstversicherungen haben sich wiederum bei der Münchner Rück versichert. Also muss der auf den Klimawandel reagieren. Einen Teil des Risikos müssen die Versicherten übernehmen, so Berz: "Wir müssen unseren Kunden klarmachen, dass wir in Zukunft mit größeren Schäden zu rechnen haben und die Prämie entsprechend angepasst werden muss."

Maßnahmenkatalog und Frühwarnsystem

Doch die Münchner Rück entwickelt auch Katastrophenschutz-Programme. Um die Schäden, die Naturereignisse anrichten, zu vermindern, muss man bei den sozio-ökonomischen Faktoren wie Infrastruktur und Verstädterung ansetzen, glaubt Gerd Berz. Von Bauvorschriften für Erdbebengebiete bis hin zu Landnutzungsbeschränkungen in Hochwasser gefährdeten Gebieten - der Maßnahmenkatalog ist lang. Der Risikoforscher setzt dabei vor allem auf lokale Initiativen. Schließlich entstehen die meisten Probleme in den Städten.

Doch das globale Phänomen "Wetter" verlangt auch globalen Klimaschutz. Schließlich sollen Schäden nicht nur reduziert werden, sondern die verheerenden Naturkatastrophen, wenn möglich, verhindert werden. Die Politik nimmt die Forschungsergebnisse der Geo-Risiko-Abteilung von Gerd Berz als "Frühwarnsystem" gern in Anspruch.

Was aber nützen diese Bemühungen, wenn Industriestaaten wie die USA - immerhin verantwortlich für ein Viertel aller Treibhausgase weltweit - nicht an Klimaschutzprogrammen wie dem Kyoto-Protokoll teilnehmen? Kein Grund für die anderen, auch die Hände in den Schoß zu legen, glaubt Gerd Berz. Nach seiner Rechnung sind die Industrieländer für 75 Prozent der Emissionen verantwortlich - ohne die USA also für ungefähr 50 Prozent. "Wenn wir unsere Emissionen um ein Drittel reduzieren würden, also von 75 Prozent auf 50 Prozent, dann könnte der Rest der Welt die Emissionen verdoppeln, ohne dass sich die Gesamtbilanz verändert."

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