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Kultur

Klimaforschung einmal anders

Lange Zeit glaubten Forscher, globale Klimaveränderungen seien in den nördlichen Breiten entstanden. Vor allem am Polarkreis suchten sie nach Beweisen dafür. Doch inzwischen steht fest: Das war die falsche Richtung.

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Tropische Klimageschichte unter dem Mikroskop

Wie entstand der Wechsel zwischen Eis- und Warmzeiten? Welchen Schwankungen war das Klima in den zwölf Jahrtausenden seit der letzten Eiszeit unterworfen? Lange Zeit hat man die Antwort auf diese Fragen in den nördlichen

Gefrorenes Klimaarchiv

Gefrorenes Klimaarchiv: Ein Eiskern aus den Alpen

Breiten gesucht, denn hier sind die Auswirkungen des Klimawandels am besten dokumentiert und am ehesten zu spüren – gleich, ob im ewigen Eis Grönlands oder in Ablagerungen im Atlantik. Unsummen an Forschungsgeldern sind in die Polarforschung geflossen. Inzwischen ist der Nord-Atlantik der am besten untersuchte Meeresteil weltweit.

Die Aufmerksamkeit der Forscher richtet sich seit den späten 1990er-Jahren geographisch gesehen auf die entgegengesetzte Richtung: auf die Tropen. Südamerika, der Pazifik und Afrika sind in den Mittelpunkt des Forscherinteresses gerückt.

Wachsende Bedeutung der Tropen

Forscher aus aller Welt führen unterschiedlichste Experimente in der Region rund um den Äquator durch – und machen dabei immer wieder Entdeckungen, die bisher nur in polaren Eiskernen beobachtet wurden, nicht aber in den

Ol Njorowa Gorge

Die "ol njorowa gorge", eine Schlucht am ostafrikanischen lake naivasha mit See-Sedimenten

Tropen. "Man verändert den Blick", sagt Martin Trauth, Privatdozent am Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam. Trauth gehört zu den wenigen deutschen Forschern, die sich schon seit Jahren mit der Bedeutung der Tropen für den globalen Klimawandel beschäftigen. Zusammen mit Kollegen aus den USA und Frankreich hat sein Team eine Klimachronologie von Ostafrika erstellt. Die Erforschung von Sedimenten am Ufer des Lake Naivasha in Kenia hat ergeben, dass das Klima dort wahrscheinlich bereits vor 150.000 Jahren zu kippen begann.

Weitere Untersuchungen in Äquatornähe, z. B. die des Briten Gideon Henderson, zeigen, dass der Klimawandel in den Tropen bis zu 15.000 Jahre früher stattfand als in mittleren und hohen Breiten der Nordhemispähre – er kann also seinen Ursprung nicht im Mittelatlantik haben. Die Rolle der Tropen werde heute als viel wichtiger angesehen als noch vor zehn Jahren, bestätigt auch David Lea von der Universität Kalifornien/Santa Barbara. Der Grund: Nach zahlreichen Untersuchungen präsentiert sich die Region nicht länger als ein Gebiet, das lediglich auf nördliche Klimaveränderungen reagiert – sie scheint selbst für Klimawandel verantwortlich zu sein.

Lehrbuchmeinung widerlegt

Zeugnis über wichige Veränderungen im Klima geben auch Korallenriffe im Pazifik, tropische Gletscher in Südamerika oder Bohrkern-Analysen vom Grund des Südchinesischen Ozeans. Die wissenschaftliche Analyse zeichnet ein übereinstimmendes Bild: Die Nordregionen können nicht am Klimawandel schuld sein. Vor knapp 15.000 Jahren kletterte zum Beispiel vor der Küste Indonesiens die

Lake Naivasha

Der Lake Naivasha in Kenia

Wassertemperatur um ein Grad - und das innerhalb von nur 200 Jahren. Gleichzeitig erwärmte sich das Wasser rund um Grönland im hohen Norden Europas. Diesen Zusammenhang haben Wissenschaftler der Universität Kiel herausgefunden. "Wir haben hier eine Schlüsselregion vor uns, die das Weltklima verstehen helfen kann und von der es wohl auch maßgeblich beeinflusst wird", erklärt Karl Stattegger, Professor für Geologie und Paläontologie der Universität Kiel.

Offene Fragen

Die dabei gewonnen Erkenntnisse haben auch Auswirkungen auf die Untersuchung des aktuellen weltweiten Klimawandels. Denn mithilfe dieser Ergebnisse verbessern die Forscher bereits exisitierende Klimamodelle. Um bessere Vorhersagen liefern zu können, müssen diese Modelle getestet werden, und das, sagt Geologe Martin Trauth, geht am besten "anhand von Szenarien, die die Natur schon einmal gezeigt hat". Auch, wenn das schon zehntausende Jahre her ist.

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