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Kultur

Der Markt boomt: "Kunst inspiriert, Geld nicht"

Den Händlern der Cologne Fine Art steht die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben. Die Geschäfte laufen prächtig. Funktioniert Kunst als Geldanlage?

Hektisches Hämmern, Klopfen, Ausmessen und Aufhängen an den meisten der fast 100 Messestände. Galeriehelfer Lutz Rüweler poliert ein letztes Mal die seltene Silberlampe aus den 1970er Jahren. Gemälde werden in Position gehängt, die Beleuchtung gecheckt, am Blumenschmuck gezupft. Kunst ist schön, wusste schon Kabarettist Karl Valentin, macht aber viel Arbeit. Man putzt sich heraus für die Kundschaft.

Deutschland Kunstmarkt Cologne Fine Art & Antique in Köln

"Dem deutschen Kunsthandel geht es gut." Thole Rotermund vom Kunsthandeslsverband BVDG

In den Kölner Messehallen hat die

Cologne Fine Art & Antique

ihre Pforten geöffnet, eine Wunderkammer auf Zeit, bestückt mit Malerei, Skulptur und alten Möbeln. Kunsthandwerk gehört ebenso zum Panoptikum der schönen Dinge wie blitzblank polierte Oldtimer. Für all das fließt - voraussichtlich – viel Geld in den nächsten vier Tagen.

Grütters sieht Kunsthandelsstandort in Gefahr

"Dem deutschen Kunsthandel geht es gut ", lächelt Thole Rotermund, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG), und fügt hinzu: "Noch!" Der Galerist versprüht Zweckoptimismus. Dann klagt er über hohe Steuern und Abgaben. Eine alte Kunsthändlertradition, in die unlängst sogar Kulturstaatsministerin Monika Grütters einstimmte:

"Der Kunsthandelsstandort Deutschland ist gefährdet"

, klagte die Politikerin im August. Die Szene sei verzweifelt. Künstlern drohe die Arbeitslosigkeit, kleineren Galerien der Bankrott, während große Galerien ihre Geschäfte vermehrt über das Ausland abwickelten.

Deutschland Kunstmarkt Cologne Fine Art & Antique in Köln. Foto: Stefan Dege/DW

Galerist Klaus Benden hängt ein von Andy Warhol gestaltetes Schallplattencover an seine Kojenwand

Gelb leuchtet die Banane auf dem Plattencover von Velvet Underground, eine graphische Arbeit von Andy Warhol. Klaus Benden hängt das gerahmte Werk stolz an die Kojenwand. Auf dem Preisschild steht: 950 Euro, eines der billigen Objekte auf der Kunstmesse. "Ich versuche meine Sammler davon abzuhalten, solche Dinge in die Auktion zu geben", sagt der Galerist, "Auktionshäuser tragen zum Aufbau eines Künstlers nichts bei, sondern setzen sich ins gemachte Nest!" Was er meint, ist die Konkurrenz grundlegend verschiedener Geschäftsmodelle – Galeriehandel hier, Auktionshandel dort.

Museen spielen kein Millionenspiel

Satte 130 Millionen Dollar brachten die beiden Warhol-Bilder "Triple Elvis" und "Four Marlons" aus dem Besitz der staatseigenen Spielbankgesellschaft Westspiel vor wenigen Tagen bei einer

Christies-Auktion

in New York. Deutschlands Museumsleute waren alarmiert, klagten über einen drohenden kulturellen Ausverkauf. Museen könnten – mangels Geld - auf dem Kunstmarkt schon längst nicht mehr mitbieten, so Museumsbund-Präsident Eckart Köhne.

Der boomende Kunstmarkt mit immer neuen Preisrekorden bringt viele Museen in Bedrängnis. "Immer weniger Häuser können sich hochkarätige Ausstellungen ohne Sponsoren leisten", konstatiert der Allianz-Kunstversicherungsexperte Georg von Gumpenberg, schon wegen der hohen Kosten für die Versicherung der Werke. "Es gibt im Moment sehr viel Geld auf der Welt", sagt er. Ein Ende des Kunstbooms sieht der Experte nicht.

Selten liefen die Geschäfte besser: Bei Auktionen zeitgenössischer Kunst kamen binnen eines Jahres weltweit Werke im Rekordwert von 1,6 Milliarden Euro unter den Hammer. Dabei liegt der gesamte Kunstumsatz siebenmal höher. Die jüngste Auktion bei Christies spielte allein 850 Millionen Dollar ein. "Das entspricht dem geschätzten Jahresumsatz des gesamten deutschen Kunsthandels", rechnet Verbandssprecher Rotermund vor. Eine Misere der eigenen Branche erkennt er nicht. Doch hat man die Kräfte gebündelt. Viele Verbände fusionierten, andere verschwanden. Heute sei der BVDG der größte europäische Kunsthandelsverband, erklärt Rotermund.

"Kunst inspiriert, Geld nicht"

Als "unerträglich und pervers" hat der Künstler Gerhard Richter die "Unsummen" bezeichnet, die seine Werke regelmäßig am Kunstmarkt erzielen. Derzeit ist der Deutsche begehrtester Künstler weltweit. Sammler zahlen jeden Preis. Das offenbart auch ein Blick in Larry's List, eine internetgestützte Sammler-Datenbank. Für das privat finanzierte Forschungsprojekt haben 25 Rechercheure in 20 Ländern öffentlich zugängliche Informationen über Sammler zeitgenössischer Kunst zusammengetragen. Überraschende Erkenntnis: In Europa gibt es die meisten Sammler, gefolgt von Nordamerika und Asien. Der typische Kunstsammler ist im Schnitt 59 Jahre alt, in Asien wesentlich jünger.

Deutschland Kunstmarkt Cologne Fine Art & Antique in Köln

"Ein gutes Geschäft zu machen, ist die beste aller Künste", sagte schon Andy Warhol

Entspannt räkelt sich Aussteller

Hans-Peter Jochum

im Stuhl vor einem Schreibtisch aus Eiche. Er ist auf Design des 20. Jahrhunderts spezialisiert. Auf seinem Messestand hat er Möbel, Lampen und Vasen arrangiert. Sie haben eines gemeinsam: Aus jedem Stück spricht eine eigene Formidee. "Für besondere Dinge sind die Menschen bereit, Geld auszugeben", weiß Jochum, "mit dem Kauf nimmst du etwas Besonderes mit nach Hause, was dich täglich inspiriert und freut."

Andy Warhols Spitzenwerke finden sich zwar nicht auf der Kunstmesse Cologne Fine Art & Antique. Doch für die Händler zwischen ihren Kojen hätte der Meister (1928–1987) schon das passende Zitat parat: "Geld zu verdienen ist Kunst. Und Arbeit ist Kunst. Und ein gutes Geschäft zu machen, ist die beste aller Künste."

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