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Globale Zusammenarbeit

Bluthochdruck - der unsichtbare Killer

Herz- Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit auf dem Vormarsch. Während die Gesundheitssysteme der reichen Länder sich darauf eingestellt haben, wachen die Entwicklungsländer erst langsam auf. Die WHO schlägt Alarm.

Für meinen Bericht zum Bericht zum Weltgesundheitstag zum Thema Bluthockdruck habe ich die WHO um Fotos gebeten. Zulieferer: Claudia.Witte Copyright: WHO/H. Ruiz - Mexico

Weltgesundheitstag Thema Bluthockdruck

"Kennen Sie Ihren Blutdruck?" ruft Margaret Chan in die illustre Runde von Diplomaten, die sich am Sitz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) versammelt haben. Die resolute Chinesin löst das verblüffte Schweigen ihrer Zuhörer gleich selbst auf und erklärt triumphierend "Ich kenne meinen! 120 zu 80!" Das anerkennende Raunen der Menge quittiert sie mit dem Hinweis. "Nicht schlecht für eine alte Dame, oder?" Die 65jährige Chefin der WHO steht an der Spitze einer Kampagne, die Menschen in aller Welt dazu bewegen will, ihren Blutdruck messen zu lassen.

Tödlicher Druck

Diese simple Maßnahme könnte Millionen von Leben verlängern und die Gesundheitskosten in vielen Ländern senken. Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Faktoren, die einen vorzeitigen Tod durch Herz- Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Laut WHO ist bei jährlich 9.4 Millionen Todesfällen durch Herzinfarkte und Hirnschläge erhöhter Blutdruck im Spiel. Zusammen genommen haben sich diese beiden Krankheiten weltweit zum Killer Nummer eins entwickelt.

Die gute und die schlechte Nachricht

Dr. Shanthi Mendis von der Abteilung für nichtübertragbare Krankheiten bei der WHO, 3.4. 2013 (Foto: WH)

"Vorbeugung ist nicht teuer": Shanthi Mendis

Anders als etwa in Europa kommen in Afrika die meisten Menschen immer noch durch ansteckende Krankheiten ums Leben. Aber die sogenannten Zivilisationskrankheiten sind auch dort auf dem Vormarsch. Nach Schätzungen der WHO weisen 46 Prozent der erwachsenen Afrikaner einen erhöhten Bluthockdruck auf und riskieren damit, vor ihrem 60. Lebensjahr an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu sterben.

In Nord- und Südamerika hingegen liegt der Anteil der Erwachsenen mit Bluthockdruck nur bei 35 Prozent der Gesamtbevölkerung. "In vielen Industrieländern sind in den vergangenen zehn Jahren Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Ursache für vorzeitigen Tod zurückgegangen", erklärt  Dr. Shanthi Mendis von der Abteilung für nichtübertragbare Krankheiten bei der WHO. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, sagt die Ärztin. "In den Entwicklungsländern hingegen geht die Rate hoch. Und das liegt an Risikofaktoren wie dem Bluthochdruck."

Der schleichende Killer

Die Diagnose "Bluthochdruck" ist kein Todesurteil auf Raten. Rechtzeitig erkannt, lässt sich erhöhter Blutdruck wirksam behandeln. In reichen Ländern, wo die Menschen regelmäßig zum Arzt gehen und viele Behandlungskosten durch eine individuelle Krankenversicherung abgedeckt sind, nehmen Ärzte routinemäßig Blutdruckmessungen vor. Das ermöglicht es, Betroffene zu identifizieren und zu behandeln. In Ländern mit niedrigem Einkommen hingegen sind solche Messungen nicht verbreitet, die Menschen gehen weniger oft zum Arzt und müssen Behandlungen und Blutdrucktests häufig aus eigener Tasche zahlen. Viele der Betroffenen unternehmen deshalb nichts gegen die schleichende Krankheit.

WHO-Chefin Margaret Chan warnt davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen: "Normalerweise zeigen sich bei Bluthochdruck über Jahre und Jahrzehnte keine Symptome. Selbst wenn die Werte gefährlich hoch sind, merken die Betroffenen es nicht. Dieses wichtige Warnsignal wird überhört und nicht bemerkt."

Die Globalisierung ungesunder Lebensführung

Eine übergewichtige Frau, 22.10.07 (Foto: PA Wire)

Risikofaktor Übergewicht

Eine Milliarde Menschen weltweit weisen erhöhte Blutdruckwerte auf, und vieles deutet darauf hin, dass diese Zahl weiter ansteigen wird. Die WHO beklagt einen Trend zur Globalisierung ungesunder Lebensführung und benennt die Schuldigen: zu viel Salz in der Nahrung, übermäßiger Alkoholkonsum, Tabak und Bewegungsmangel.

Dr. Mendis erklärt diesen ungesunden Trend im Falle Afrikas mit der Verstädterung des Kontinents: "Die Urbanisierung schreitet in Afrika im Eiltempo voran. Traditionelle Ernährung und körperliche Anstrengung haben in der Vergangenheit eine Schutzwirkung für die Menschen ausgeübt. Aber das ändert sich schnell. " Diese Entwicklung zeige sich selbst im ländlichen Afrika. "Wenn du genau hinschaust, siehst du, dass die Menschen heute extrem salzhaltige Suppenwürfel verwenden, wo sie früher in Maßen gesalzen haben."

Ein Dollar pro Jahr pro Person

Weniger Salz, mehr Früchte und Gemüse und mehr Bewegung - schon mit einfachen Verhaltensänderungen lässt sich Bluthochdruck in Schach halten. Wo das nicht ausreicht, stehen kostengünstige Medikamente bereit. Die Behandlung ist nicht teuer, rechnet Dr. Mendis vor: "Ein wirksames Paket aus richtiger Gesundheitsstrategie und medizinischer Behandlung kostet in armen Ländern weniger als ein Dollar pro Person und Jahr. In Ländern mit mittlerem Einkommen sind es zwischen zwei und drei Dollar pro Jahr und Person."

Kenne deine Werte!

Eine Thailänderin lässt sich den Blutdruck messen. (Foto: WHO)

Messungen können Leben retten

Das ist wenig im Vergleich zu den hohen Kosten etwa für Bypass-Operationen, die anfallen können, wenn Bluthochdruck über längere Zeit unbehandelt bleibt. Das alles ist mit einer simplen Messung abzuwenden, sagt Margaret Chan und fordert die in der WHO versammelten Diplomaten auf, sich bei ihren Regierungen dafür einzusetzen, dass der kostenlosen Zugang zu Blutdrucktests zur Regel wird. Anfangen aber sollte jeder bei sich selbst:

"Geh auf Nummer sicher und bring deine Blutdruckwerte in Erfahrung. Sei schlau. Bring deinen Lebensstil in Form und halte dich genau an die Empfehlungen, wenn du Medikamente nehmen musst. Du hast es in der Hand. Lass dir von einem unsichtbaren, stillen Killer nicht Jahre deines Lebens stehlen."

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