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Wissen & Umwelt

Herzinfarkt - auch Frauensache

Fast ein Viertel mehr Männer als Frauen starben 2012 an einem Herzinfarkt, so der neueste Bericht der Deutschen Herzstiftung. Aber das bedeutet keinesfalls Entwarnung für das weibliche Geschlecht.

Ein stechender Schmerz hinter dem Brustbein, der oft in den linken Arm, den Oberbauch oder auch zwischen die Schulterblätter ausstrahlt. Symptome für einen Herzinfarkt, und der ist "Männersache". Diese Annahme sei sehr weit verbreitet sowohl bei Ärzten als auch bei den Frauen selbst, so Professor Annette Geibel, Oberärztin am Universitäts-Herz-Zentrum Freiburg. Aber eben auch Frauen sind vor dem Versagen des wichtigsten Organs nicht gefeit.

Verengte Gefäße sind die Ursache

Beim Herzinfarkt kommt es in den Gefäßen, die den Herzmuskel mit Blut und Nährstoffen versehen, zu Verengungen. An diesen verengten Stellen kann es zu einem Verschluss kommen, der Bereich wird nicht mehr ausreichend versorgt und stirbt ab.

Diagnose: Herzinfarkt, und der muss sobald wie möglich behandelt werden, egal ob beim Mann oder bei der Frau. Beim Mann wird er meist schneller erkannt, und der Patient wird möglichst bald in ein Krankenhaus gebracht. Dort ist eine erste mögliche Maßnahme die Behandlung mit einem Herzkatheter. Mit einem kleinen Ballon wird das betroffene Herzkranzgefäß erweitert und dann ein sogenannter Stent gesetzt, ein kleines Metallröhrchen. Es stützt die Gefäße und soll sie offen halten.

Visualisierung eines Herzinfarkts (Foto: Max-Planck-Institut)

Ablauf eines Herzinfarktes

Unterschiedliche Wahrnehmung

Der Schmerz, der einen Herzinfarkt ankündigt, wird von Mann und Frau unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert: "Es ist sehr häufig so, dass dieser Schmerz beim Mann als Vernichtungsschmerz empfunden wird." Ein Mann sagt dann, dass er noch nie in seinem Leben etwas derartig Schlimmes gespürt hätte, sagt Geibel. Dass es genauso sei, wie es immer beschrieben würde, und dass es sich ganz sicher um einen Herzinfarkt handelte. "Bei der Frau ist es so", erläutert die Ärztin, "dass sie sagt: 'Ja, der Schmerz war da, aber so sehr schlimm war er nicht'."

Bei Frauen sind es oft untypische Symptome wie etwa Übelkeit und Erbrechen, Rückenschmerzen und Atemnot, und Frauen finden recht schnell Ersatzbegründungen, schieben die Schmerzen etwa auf die Wirbelsäule oder auf einen verdorbenen Magen. Oft erkennen sie zwar, dass irgendetwas mit ihrem Körper nicht stimmt, wissen aber nicht was es ist.

Die Diagnose ist bei Frauen schwieriger

Frauen warten oft viel zu lange, bis sie zum Arzt gehen. Ihre Beschwerden können sie oft nicht konkret benennen und beschreiben, so Geibels Erfahrung. All das mache es dem Mediziner nicht gerade leicht, die richtige Diagnose zu treffen oder überhaupt erst in Erwägung zu ziehen, dass es sich um einen Herzinfarkt handeln könnte. Und auch die Frauen selbst denken nur selten daran, dass sie einen Herzinfarkt bekommen können. Krebs ja, aber doch keinen Herzinfarkt, der ist Männersache.

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Herzinfarkt - jede Sekunde zählt!

Frauen sind beim Herzinfarkt älter

Frauen sind meist später betroffen als Männer, denn bis zu den Wechseljahren sind sie durch Hormone besser geschützt. "Die können zum Beispiel großen Einfluss auf den Fettstoffwechsel haben", erläutert Geibel, "unter den Hormonen kommt es zur Gefäßerweiterung." Nach den Wechseljahren aber, wenn im weiblichen Körper keine Östrogene mehr produziert werden, nimmt die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden deutlich zu.

Im Alter leben Frauen oft alleine

Frauen werden älter als Männer. Die Lebenserwartung von neugeborenen Jungen im Jahr 2010 liegt bei 77 Jahren und vier Monaten, für neugeborene Mädchen beträgt sie 82 Jahre und 6 Monate. Frauen überleben Männer also in den meisten Fällen. Viele Frauen leben im Alter alleine und häufig gibt es niemanden, der sie dazu drängt, den Notarzt zu rufen oder eine Praxis aufzusuchen. Wären Mediziner und Frauen für eine mögliche Diagnose "Herzinfarkt" ähnlich sensibilisiert wie beim Mann, würden Frauen früher behandelt und so wären auch ihre Überlebenschancen größer.

Trotz aller Unterschiede, es gibt auch Gemeinsamkeiten, vor allem bei der Vorbeugung. Denn für beide, für Mann und Frau gilt: Erhöhte Cholesterinspiegel können zu massiven Ablagerungen und Schäden an den Wänden der Blutgefäße führen und damit auch zu Verengungen. Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Psyche, Stress und Rauchen, all das kann sich negativ auf die Gefäße auswirken.

Möglichkeiten, einem Herzinfarkt vorzubeugen, gibt es viele: von Sport über Stressabbau bis hin zur richtigen Ernährung. Und gerade da gibt es für so manch einen eine vielversprechende Studie. Die besagt nämlich, dass bestimmte Schokoladensorten das Herzinfarkt-Risiko verringern können.

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