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Kultur

Berlinale der Literatur

An Lesefestivals mangelt es nicht in Deutschland: zum Beispiel "Leipzig liest" und die lit.cologne im Frühjahr - und das "Internationale Literaturfestival Berlin" im Herbst. Hat das die Klasse einer Literatur-Berlinale?

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Kevin Starr, das "lebende Archiv" Kaliforniens, ist zu Gast in Berlin

An Ehrgeiz fehlt es nicht: Das Festival möchte gern "das internationalste aller internationalen Literaturfestivals" sein. Dieses Jahr bietet das Festival Literatur und Poesie in rund 300 Veranstaltungen. Für die Lesungen, Autoren-Gespräche und politischen Diskussionen werden bis 17. September mehr als 130 Autoren ins Haus der Berliner Festspiele und ins Literaturhaus kommen. 2004 zählten die Veranstalter rund 35.500 Besucher. Zum Vergleich: Das "International Book Festival" in Edinburgh hatte dieses Jahr 220.000 Besucher, 500 Autoren bestritten 650 Veranstaltungen in 14 Tagen.

Literarisches Kaleidoskop

Weltliteratur bekommen die Festivalbesucher in Berlin in den Programmsparten "Literaturen der Welt" und "Kaleidoskop" geboten. Für "Literaturen der Welt" fungieren zehn renommierte Autoren als Juroren und bestimmen jeweils drei Schriftsteller aus ihrem Kulturkreis.

So nominierte Mario Vargas Llosa aus Peru Soledad Álvarez (Dominikanische Republik), Giovanna Pollarolo (Peru) und Arturo Fontaine (Chile). Diese zum Teil sehr persönliche Auswahl der Juroren ergänzen die Kuratoren des Festivals in "Kaleidoskop" mit Einladungen, die auf aktuelle Ereignisse und Neuerscheinungen reagieren - "zeitgenössische Literatur" ist besten Wortsinne also. Viele Texte wurden dafür erstmalig ins Deutsche übersetzt.

Zu den weiteren Höhepunkten des Festivals gehören die Kinder- und Jugendbuchliteratur, die Kurzgeschichten-Vorstellung "Scritture Giovani" für junge Autoren sowie der Beitrag der politischen Reihe "Reflections" zum Thema "Das System Putin".

Kalifornien über alles

Darüber hinaus bestimmt das Festival jedes Jahr einen geographischen Schwerpunkt, dieses Mal ist Kalifornien im Fokus. Fernab der Klischees von Hippies, Hollywood und Schwarzenegger soll ein umfassender Überblick zum kulturellen Leben im "Golden State" geboten werden, der häufig im Schatten der Ostküsten-Staaten steht. "Wenn Amerika Kalifornien nicht hätte, wäre sein psychisches Leben ein anderes. Seine Vorstellungskraft wäre beschränkt. Ein gewaltiger Anteil amerikanischer Kreativität wäre verloren", sagt Kevin Starr, der bedeutendste Historiker Kaliforniens und Autor einer siebenbändigen Geschichte des Bundesstaats. Starr gilt als das "lebende Archiv" Kaliforniens.

Ein weiterer Gast des Festivals ist Steve Wasserman. Der ehemalige Feuilleton-Chef der "Los Angeles Times" saß in der Jury des Pulitzer-Preises und gilt als einer der anerkanntesten Intellektuellen der USA. Er macht sich dafür stark, den Zeitungslesern sehr viel mehr Buchtipps zu präsentieren. "Einer der großen Skandale des amerikanischen Journalismus", wird Wasserman im Vorfeld des Festivals zitiert, "ist die traurige Tatsache, dass zu wenige Zeitungen die Veröffentlichung von Buchrezensionen als Nachrichten betrachten, die sie ihren Lesern anzubieten verpflichtet sind. Und dann – um diesem Schaden noch eine Beleidigung hinzuzufügen – sind solche Rezensionen zu oft in einer läppischen Sprache geschrieben."

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