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Wirtschaft

Bekommt Windows Konkurrenz?

Das neue Betriebssystem für Intel-Chips von Apple ist noch nicht veröffentlicht, schon kursieren von Hackern manipulierte Varianten, die auf beliebigen Computern laufen. Droht dem Monopolisten Microsoft Gefahr?

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A lot explaining to do

Wenn es nach Apple-Chef Steve Jobs geht, behält seine Firma das Hardware-Monopol

Als erstes traf es die französische Website "MacBidouille": Die Rechtsabteilung der Computerfirma Apple forderte die Betreiber auf, Links auf Videos zu entfernen, die zeigen, wie eine von Hackern manipulierte Entwicklerversion des Betriebssystems Mac OS X auf einem normalen Computer installiert wird. Ansonsten, so drohte Apple, werde man die Seite abschalten lassen.

Apple iMac G5

Schick und teuer: Apple-Computer

Apple reagierte damit auf eine Entwicklung, die viele vorhergesehen hatten, als der Firmenchef Steve Jobs Anfang Juni verkündete, dass ab Mitte 2006 Intel-Prozessoren in Macs eingebaut würden. Mit dem Wechsel ist der Hauptunterschied zwischen Standard-Computern und den teureren Macs (Marktanteil: unter fünf Prozent) beseitigt. Eine Installation des Apple-Betriebssystem Mac OS X auf gewöhnlichen Rechnern schien möglich, auch wenn Jobs erklärte, das System werde auch künftig nur auf Macintosh-Computern laufen.

Mac OS für Arme

Es dauerte gerade einmal zehn Wochen, bis es soweit war: Hacker beschafften sich die Entwicklerversion der neuen Mac OS-Variante, knackten die Sicherung und installierten das OSx86 genannte System auf einem 200-Dollar-Computer. Seither kann man das illegale OSx86 im Internet herunterladen. Zu den Hacks äußere sich Apple nicht, sagt der Unternehmens-Sprecher Martin Kuderna. Was aber den Einsatz von Mac OS auf Computern anderer Hersteller betreffe, gelte weiterhin die "sehr klare Aussage" des Unternehmens: "Wir werden das auf keinen Fall unterstützen."

Bill Gates Microsoft

Der Microsoft-Gründer Bill Gates kann sich über einen Marktanteil von über 90 Prozent bei Betriebssystemen freuen

Johannes Schuster, Apple-Experte der Fachzeitschrift c't, hält indessen für denkbar, dass sich Apple von dieser Politik langfristig verabschieden wird: "Denn wer verdient im Computergeschäft noch richtig Geld? Das sind nicht die Hardwarehersteller, die sich in einem ruinösen Preiskampf befinden, sondern das ist Microsoft." Insofern mache es auch für Apple Sinn, in das Geschäft mit Betriebssystemen groß einzusteigen, wo bislang das sperrige Linux die einzige Alternative zu Windows ist.

Hardwaregeschäft bleibt zentral

Zwar könnte Microsoft seine Monopolstellung dazu ausnutzen, dies zu erschweren oder sogar zu verhindern - so ist es für die Mac-Plattform überlebenswichtig, dass Microsoft das allgegenwärtige Office-Paket auch für Mac OS weiterentwickelt. Es sei jedoch denkbar, dass der Gigant aus Redmond die Konkurrenz toleriere, glaubt Schuster, da sie auch Vorteile bringe. So habe Microsoft in Kartellrechtsprozessen immer darauf hinweisen können, dass es mit Apple Alternativen zu Windows gebe. Ende der neunziger Jahre rettete Microsoft den kleinen Konkurrenten sogar mit einer Investition von 150 Millionen Dollar aus einem kritischen Tief.

Arbeiterin komplettiert einen Computer in einer Siemens Nixdorf Fabrik

Läuft auf Standard-Computern neben Windows und Linux bald ein drittes System?

Noch sei Apple allerdings nicht in der Position, Mac OS für Aldi-PCs anzubieten, denn das Unternehmen verdiene mit seiner Hardware im Unterschied zu anderen Firmen noch Geld, erklärt Schuster: "Weil Apple im Mac-Markt ein Monopol hat, können sie die Margen so kalkulieren, dass das Hardwaregeschäft profitabel ist." Dieser Vorteil würde verschwinden, wenn Mac OS X auf jedem beliebigen Rechner liefe.

Hacker sind gut für das Image

ITMS iTunes Music Store Deutschland Apple

Das Apple-Betriebssystem

Darüber hinaus gebe es ein weiteres Hindernis, sagt Thorsten Wichmann, Chef des Marktforschungsunternehmens Berlecon in Berlin: "Ein solcher Schritt setzt voraus, dass Gerätetreiber für eine Fülle von unterschiedlichen Hardware-Bestandteilen vorhanden sind." Genau daran sei der Apple-Chef Steve Jobs gescheitert, nachdem er Mitte der achtziger Jahre bei Apple ausgeschieden war, um das Betriebssystem Next zu entwickeln. "Es gab viel böses Blut, weil das System nur auf bestimmten Hardwarekombinationen lief. So etwas sorgt für ein negatives Image und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Jobs das noch einmal antun will."

Dass die illegale Variante von OSx86 Apple unter Druck setzen könnte, das System auch für Standard-Computer anzubieten, bezweifelt Wichmann. Wie andere Experten geht er davon aus, dass die Firma das Hacken relativ effektiv unterbinden könnte. Bisher schadeten die Hacker der Firma jedoch keineswegs, sondern sie sorgten im Gegenteil dafür, dass die Firma als Alternative zu Windows im Gespräch bleibe: "Wenn einige Hacker das Glück ihres Lebens darin sehen, endlich das tolle Mac OS X auf Intel-Rechnern laufen zu lassen, unterstreicht das Argument von Apple, dass es das bessere System ist."

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