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Kunst

"Alles nach Plan?": Ausstellung zum DDR-Design

Mixer, Radio, Geschirr - das Design der DDR wird heute als ostalgisch geliebt. Aber wieviel Design war möglich? Wieviel wurde von oben diktiert? Eine Ausstellung in Berlin zeigt die Geschichte des DDR-Produktdesigns.

In der DDR wurde wenig dem Zufall überlassen. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) bestimmte zu großen Teilen, wie das Leben in Ostdeutschland vonstatten ging. Auch bei Designfragen von Alltagsgegenständen jeglicher Art hatte die Partei ihre Finger im Spiel – zum Beispiel bei der Gestaltung von Haushaltgegenständen, Fahrzeugen und Technikgeräten.

Viele Betriebe und Gestalter in der DDR hatten alles andere als freie Hand bei ihren Entwürfen – sie wurden von der SED unter Druck gesetzt und teils vom Ministerium für Staatssicherheit überwacht. Hintergrund für das hohe Maß an Kontrolle war nach Ende des Zweiten Weltkriegs – wie so oft – das Bedürfnis, sich ideologisch vom Westen abzugrenzen.

Portrait des Produktgestalters Clauss Dietel. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Clauss Dietel gewann als erster Produktgestalter der DDR den Bundesdesignpreis.

Westliche Dekadenz und nationale Kulturtradition

Vor dem Hintergrund des Sozialismus und der Planwirtschaft der DDR, sahen viele Designer zu Beginn der 50er Jahre in einer industrielle Formgestaltung die Antwort auf die Frage, wie schlichte, funktionale und langlebige Produkte in großer Anzahl hergestellt und designt werden könnten – so auch der niederländische Architekt und Designer Mart Stam. Der Direktor der "Hochschule für angewandte Kunst" in Berlin-Weißensee wurde Leiter des 1950 neu gegründeten "Instituts für industrielle Gestaltung". Das Institut sollte Betriebe bei Produktverbesserungen beraten und selbst Designideen entwerfen.

Ein Jahr später war für Stam bereits Schluss: Der Anhänger vom Bauhaus-Stil wurde zum Opfer der politisch motivierten, so genannten "Formalismuskampagne". Diese hatte das Ziel, die DDR in Kunst- und Designfragen von der Bundesrepublik Deutschland (BRD) abzugrenzen. Der Bauhaus-Stil galt der SED als "westlich-dekadent" – stattdessen sollte Gestaltern die "nationale Kulturtradition" als Orientierung dienen. Eine Vorgabe, die in der von Mangel und der Konkurrenz zum Westen dominierten Wirtschaft der DDR nicht lange Bestand haben sollte: Ab den 70er Jahren wurden Produkte vor allem hinsichtlich ihrer Chancen, sich im Ausland gut verkaufen zu können, entworfen. Damit einher ging, dass viele dieser Produkte für Ostdeutsche nur schwer erwerbbar wurden.

Blumenvase mit Pfauenmotiv von dem Gestalter Hubert Petras © Stiftung Haus der Geschichte/Johannes Kramer

In Verzierungen von Produkten sah die Industrie eine Möglichkeit, Produktionsfehler zu überdecken

Noch mehr Kontrolle

Ein neues Kapitel in der streng reglementierten Produktgestaltung begann mit dem 1972 eingeführten "Amt für industrielle Formgestaltung" (AiF). Als Organ des Ministerrats sollte das Amt sämtliche Prozesse der Formgestaltung in der DDR überwachen und koordinieren. Zudem kümmerte sich das AiF um die Vermarktung des Industriedesigns der DDR und begann, eine eigene Sammlung aufzubauen, in der Mustermodelle gesammelt wurden. Daraus ging die "Sammlung Industrieller Gestaltung" hervor, welche auch die Grundlage der Berliner Ausstellung "Alles nach Plan? Formgestaltung in der DDR" im Museum der Kulturbrauerei in Berlin ist.

Seit 2005 pflegt die Stiftung "Haus der Geschichte" die 160.000 Objekte fassende Sammlung, die aus Büchern, Fotografien, Dokumenten und Büchern besteht. Ausgewählte Objekte werden in der Ausstellung jetzt in ihrem historischen Kontext präsentiert. Neben der Darstellung der Geschichte der Formgestaltung der DDR von 1945 bis 1990 kommen ehemalig in der DDR arbeitende Designer und Gestalter zu Wort, die über ihren Arbeitsalltag sprechen, der von den ideologischen Vorstellungen der SED geprägt war.

Die Ausstellung "Alles nach Plan? Formgestaltung in der DDR" ist noch bis zum 19. März 2017 im Museum der Kulturbrauerei in Berlin zu sehen.

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