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Aktuell Amerika

Zwei Polizisten in New York angeschossen

Die Gewalt gegen Polizisten in New York reißt nicht ab. Diesmal betroffen: zwei Zivilfahnder. Das könnte neuer Zündstoff in der Auseinandersetzung zwischen Polizei und Bürgermeister de Blasio sein.

Polizei Bill de Blasio PK Pressekonerenz Polizisten angeschossen New York USA (Foto: Getty Images)

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio

In New York sind am Montagabend lokalen Medienberichten zufolge zwei Polizisten in Zivil angeschossen und verletzt worden. Der Vorfall habe sich im Stadtteil Bronx ereignet, als die Beamten einen Raubüberfall hätten verhindern wollen, berichteten mehrere Medien. Laut der Tageszeitung "New York Times" schoss der Schütze aber offenbar nicht gezielt auf die Beamten. Ihre Verletzungen sind den Berichten zufolge nicht lebensgefährlich.

Am 20. Dezember waren die beiden Polizisten Wenjian Liu und Rafael Ramos von einem Mann erschossen worden, der damit nach eigener Darstellung Vergeltung für die Tötung unbewaffneter Schwarzer durch weiße Polizisten üben wollte. Der Schütze nahm sich nach der Tat das Leben. Dabei ging es auch um den Tod von Michael Brown in Ferguson im August und den von Eric Garner im Juli in New York. In beiden Fällen hatte eine sogenannte Grand Jury aus juristischen Laien Ermittlungen gegen die beteiligten Beamten abgelehnt.

Tiefe Kluft zwischen Polizei und Politik

New York Polizisten bei der Beerdigung von Wenjian Liu 4.1.2015 (Foto: Reuters)

Mit dem Rücken zum Bürgermeister: Polizistenprotest in New York

Nach der Tat geriet vor allem New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio in die Kritik, als er bekannte, Verständnis für Demonstrationen gegen Polizeigewalt zu haben. Außerdem hatte er seinem Sohn geraten, im Umgang mit Polizisten vorsichtig zu sein. Der Bürgermeister ist mit einer Afroamerikanerin verheiratet. Er ordnete an, dass die Polizisten der Stadt künftig Kameras am Körper tragen müssen, damit ihr Verhalten kontrolliert werden könne. Polizisten warfen ihm daraufhin mangelnde Solidarität vor. Bei beiden Trauerfeiern für die beiden Polizisten hatten mehrere hundert Beamte gegen de Blasio protestiert, indem sie ihm bei Ansprachen den Rücken zuwandten. Der Chef Gewerkschaft der städtischen Polizei, Patrick Lynch, erklärte, de Blasio habe "Blut an den Händen".

Der kritisierte die Proteste der Polizisten bei den Trauerfeiern für ihre beiden getöteten Kollegen scharf. Er könne ein solches Verhalten schlicht nicht verstehen, sagte de Blasio auf einer Pressekonferenz. Die Proteste seien "respektlos" gegenüber den Familien der Opfer und den Menschen der Stadt gewesen, die die Arbeit der New Yorker Polizei würdigten, sagte er. "Lasst uns darüber reden, wo wir als Stadt hinwollen. Die Menschen wollen, dass wir zusammenkommen. Die Menschen glauben, dass wir es besser machen können."

Neue Formen des Protests

Unterstützung bekam der Bürgermeister von Polizeichef Bill Bratton. Der hatte seine Beamten aufgerufen, die Trauerfeier für Liu nicht für erneute Proteste zu nutzen - was jedoch viele nicht befolgten. Bratton sagte dazu, immerhin sei der Protest nur von wenigen hundert der rund 20.000 Polizisten ausgeführt worden, die an der Trauerfeier teilgenommen hätten. Diesen jedoch warf er "Selbstsucht" vor. Mit ihren Aktionen hätten sie die Aufmerksamkeit von den getöteten Polizisten wegholen wollen. "Man zieht sich keine Uniform an und geht auf eine Trauerfeier, um dort dann eine politische Aktion abzuhalten", kritisierte er.

Die Polizisten der Stadt haben aber offensichtlich noch eine andere Form des Protestes gefunden: In den vergangenen zwei Wochen haben die Beamten nur halb so viele Verdächtige festgenommen als sonst, die Zahl der Strafzettel ging um 90 Prozent zurück, wie die "New York Times" berichtete.

gmf/cr (afp, ap, dpa)