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Aktuell Amerika

Zehntausende Polizisten nehmen Abschied

In New York haben zehntausende Polizisten an der Beisetzung ihres erschossenen Kollegen Rafael Ramos teilgenommen. Bei der Trauerfeier sagte Vizepräsident Biden, der Mord habe die Seele des Landes berührt.

Der 40-jährige Polizist Rafael Ramos wurde im New Yorker Stadtteil Queens beigesetzt. Er und sein Partner Wenjian Liu waren vor einer Woche von dem 28-jährigen Afro-Amerikaner Ismaaiyl Brinsley in ihrem Streifenwagen mit Kopfschüssen getötet worden. Brinsley nahm sich nach der Tat in einer U-Bahn-Station das Leben.

Zu der Beerdigung versammelten sich zehntausende Menschen. Neben Familienmitgliedern und Freunden kamen Polizisten aus dem ganzen Land zu der Kirche in Queens. US-Vizepräsident Joe Biden zeigte sich bei der Trauerfeier optimistisch, dass der Konflikt überwunden werden könne. "Diese Stadt hat Mut und Charakter und hat schon die größten Herausforderungen überstanden. Ich bin absolut sicher, dass dieser Geist hier auch weiter existiert", sagte Biden. "Ich glaube, dass die Polizei in dieser Stadt mit so unglaublich unterschiedlichen Menschen dem Land zeigen kann, wie man jede Kluft überbrückt."

Auch der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio nahm an der Trauerfeier teil. Der zweite erschossene Polizist Wenjian Liu soll beigesetzt werden, sobald seine Familie aus China angereist ist.

Landesweite Proteste

In sozialen Medien hatte Brinsley einen Mord an Polizisten als Vergeltung für den Tod der Afro-Amerikaner Eric Garner und Michael Brown angekündigt. Garner war bei seiner Verhaftung in New York gestorben. Der unbewaffnete Teenager Michael Brown wurde in Ferguson, im US-Bundesstaat Missouri, von einem Polizisten erschossen.

Diese und weitere Todesfälle von schwarzen Opfern durch Polizeigewalt hatten in den USA zuletzt für Empörung gesorgt und Mitte Dezember zu landesweiten Massenprotesten geführt. Die Lage hatte sich nach den Freisprüchen der verantwortlichen Polizisten deutlich aufgeheizt. In New York protestieren seit Wochen regelmäßig Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Kritik an Bürgermeister de Blasio

Dort hat sich nach den Morden an den Polizisten die Kluft zwischen Bürgermeister de Blasio und der Polizei vertieft. Viele Beamte halten ihm vor, sich nicht hinter die Polizei gestellt zu haben, als es bei den Protesten zu Handgemengen kam. Lokale Polizeigewerkschaften machen de Blasio sogar für die Morde mitverantwortlich. Ihrer Ansicht nach soll er die Arbeit der Polizei durch verschiedene Aussagen herabgewürdigt und damit deren Sicherheit gefährdet haben. De Blasio habe sich für den Schutz von Demonstranten eingesetzt, die wiederum Hass auf Polizisten geschürt haben, so einer der Vorwürfe.

De Blasio hatte schon zuvor den Zorn der Polizisten auf sich gezogen. Mehrfach äußerte er Kritik an der New Yorker Polizei und deren Auftreten. Besonders seine Äußerungen im Zusammenhang mit dem Todesfall von Eric Garner tragen ihm die Polizisten nach. Kürzlich hatte de Blasio zugegeben, dass er seinem eigenen Sohn zur Vorsicht im Umgang mit der Polizei geraten habe. Der New Yorker Bürgermeister ist mit einer Afro-Amerikanerin verheiratet und hat zwei Kinder.

sp/cr/kle/chr (rtr, ap, dpa)