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Deutschland

Zuwanderungszahlen sind gestiegen

Die ausländische Bevölkerung ist in Deutschland im Jahr 2011 deutlich gewachsen. Das liegt wahrscheinlich an der guten Konjunktur und der Arbeitnehmerfreizügigkeit für die neuen EU-Staaten.

Rund 6,93 Millionen Personen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit lebten am Jahresende 2011 in Deutschland – und damit 177.300 mehr als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs von 2,6 Prozent war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der höchste seit 15 Jahren.

Zum überwiegenden Teil, nämlich zu 88 Prozent, hängen die höheren Zahlen mit einer stärkeren Zuwanderung aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union zusammen. Hier richtet sich der Blick der Forscher vor allem nach Osten: "Die höheren Zahlen sind natürlich darauf zurückzuführen, dass letztes Jahr die Freizügigkeit für die neuen EU-Staaten in Kraft getreten ist", sagt Ilona Riesen vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Mit Ausnahme von Rumänien und Bulgarien gilt die Arbeitnehmer-Freizügigkeit heute für sämtliche EU-Partner Deutschlands. Besonders deutlich ist der Zuwachs von Bürgerinnen und Bürgern aus Polen und Ungarn.

Sprachbarriere in den Euro-Krisenstaaten

Im Goethe-Institut von Bangladesh lernen Frauen Deutsch. Copyright: Harun Ur Rashid Swapan

Sprachkurs im Goethe-Institut von Bangladesch

Auch wenn die reine Statistik im Grunde nichts über die Motive von Ausländern verrät, nach Deutschland zu kommen oder aber auch Deutschland wieder zu verlassen - der Zusammenhang von Arbeitsmöglichkeit und Zuwanderung ist für die Forscher zumindest sehr plausibel. Und da ist es fast schon wieder auffällig, dass aus den EU-Krisenstaaten zwar auch mehr Personen gekommen sind als in den Vorjahren, aber doch vielleicht nicht so viele, wie man es angesichts der heimischen Wirtschaftsmisere hätte erwarten können. IW-Expertin Ilona Riesen: "Meine Vermutung ist, dass Menschen, auch wenn in einem Land eine Krise ausbricht, eben nicht sofort ihre Sachen packen und in ein anderes Land gehen." Die Wissenschaftlerin verweist vor allem auf die sprachlichen Hürden für die Auswanderung nach Deutschland. So spiele zum Beispiel Deutsch als Unterrichtsfach in den Krisenländern Spanien, Portugal oder Griechenland nur eine untergeordnete Rolle.

Hohes Interesse an Arbeitsplätzen in Deutschland

Ein Drucker aus Indien in einer deutschen Firma. Foto: dpa

Ein Drucker aus Indien in einer Firma in Dresden

Das bestätigt auch Arbeitsmarktexpertin Marion Rang von der  "Zentralen Auslands- und Fachvermittlung" der Bundesagentur für Arbeit. Die ZAV ist auf höher qualifizierte Arbeitssuchende spezialisiert. "Wir konzentrieren uns in unserer Arbeit auf die Euro-Krisenländer, weil genau dort auch die Arbeitskräfte sitzen, die wir hier in Deutschland gebrauchen können. Es gibt in Spanien viele arbeitslose Ingenieure, und in Deutschland suchen wir Ingenieure." Auch in Griechenland versucht die ZAV, passende Bewerber für deutsche Unternehmen zu rekrutieren. Sprachkenntnisse sind auch hier ein zentrales Thema, sagt die Pressesprecherin: "In Deutschland sind die meisten freien Stellen im Mittelstand zu finden, und mittelständische Unternehmer möchten sich mit ihren Angestellten auf Deutsch unterhalten können." Ein Massenansturm von Arbeitssuchenden aus den Eurokrisenländern sei in der Tat nicht feststellbar, so Rang – aber ein reges Interesse, was sich auch zum Beispiel in den wesentlich stärker besuchten Deutschkursen bei den örtlichen Goethe-Instituten ablesen ließe.

Unrealistische Erwartungshaltungen

Oft sind es familiäre Gründe, die einen Interessenten letztlich wieder davor zurückschrecken lassen, seine Auswanderungspläne in die Tat umzusetzen. Rang verweist darüber hinaus auf ein anderes Problem: "Die Erwartungshaltungen der ausländischen Arbeitnehmer, die natürlich alle nach Berlin, Hamburg oder München möchten, also in die großen, interessanten Städte. Wenn die dann hören, dass die freien Stellen eher in den ländlichen Regionen Baden-Württembergs oder Ostdeutschlands zu finden sind, dann schlucken viele erst einmal." Das sei aber kein unüberwindbares Hindernis. Wer wirklich kommen wolle, der käme auch.

Im Gegensatz zu Bürgern der EU brauchen Zuwanderer aus den sogenannten "Drittstaaten" eine Arbeitserlaubnis – und hier sei in den letzten fünf Jahren eine erfreuliche Entwicklung festzustellen, hat Ilona Riesen vom Institut der deutschen Wirtschaft anhand der statistischen Zahlen herausgefunden. Der Anteil der Drittstaatler mit einer "unbefristeten Niederlassungserlaubnis" sei deutlich gestiegen: "Diese Niederlassungserlaubnis ist mit dem Recht auf einen unbefristeten Aufenthalt in Deutschland verbunden. Und das ist der wichtige Aspekt in Bezug auf die Drittstaatler, denn wenn jemand unbefristet in Deutschland leben und ohne Einschränkungen arbeiten darf, dann ist der Wunsch, dann sind die Möglichkeiten für eine bessere Integration natürlich viel besser."

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