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Wirtschaft

Wohin soll die Reise gehen?

Sommerzeit - Reisezeit. Die Tourismusbranche freut sich. Das Jahr 2004 verzeichnet wieder einen Aufschwung. Doch der Markt ändert sich. Das betrifft sowohl die Touristenströme als auch die Touristen selbst.

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Waschbottich-Rennen in Japan: Tourismus kennt viele Spielarten

Die Tourismusbranche gilt weltweit als eine der Schlüsselbranchen des 21. Jahrhunderts. In Deutschland werden nach Angaben des Deutschen Tourismusvereins etwa sechs Prozent des Bruttosozialprodukts "direkt und indirekt durch touristische Nachfrage erwirtschaftet". In Europa ist der Reisesektor für ein Sechstel bis ein Fünftel des gesamten Bruttosozialprodukts verantwortlich. Daten des Weltwährungsfonds (IWF) zufolge löste der internationale Tourismus bereits 1998 die Automobilbranche als größte Exportindustrie der Welt ab. Die Zahl der weltweiten Reisen wird sich nach einer Prognose der World Tourismus Organisation (WTO) von 1995 bis zum Jahr 2020 sogar verdreifachen.

Auf und Ab

Das Wachstum stellt sich jedoch anders dar, als es noch im vergangenen Jahrzehnt der Fall war. Ende der 1990er Jahre habe die Reisebranche den Sprung auf die Trendlokomotiven Mobilität und Individualisierung bravourös bewältigt, schreibt die Zukunftsinstitut GmbH in einer Studie zur "Zukunft des Tourismus". Symbol für den gelungenen Wandel: Aus dem Stahlkonzern Preussag wurde 2002 der Reiseanbieter TUI, aus Eisen und Stahl wurden Sonne und Strand. Heute ist TUI der weltweit größte Reisekonzern mit 19,2 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2003 - die Wandlung von der Schwerindustrie zum Reise-Giganten galt seitdem als Beispiel für den Übergang von der Industrie- in die Wissensgesellschaft.

Tourist auf Bali verläßt Ort des Grauens

Tourist auf Bali verläßt Ort des Grauens

Dann kamen der Schock des 11. September, die Anschläge auf Bali und die Angst vor weiterem Terrorismus. In Asien breitete sich SARS aus. Die Reisebranche erlebte einen Einbruch, der seit drei Jahren andauert.

Das Big-Big-Business

Die World Tourismus Organisation mit Sitz in Madrid publiziert seit 2003 drei Mal jährlich ein "World Tourism Barometer". Dazu werden über 230 Experten aus mehr als 100 Staaten befragt. Die neuesten Ergebnisse aus dem Bericht vom Juni 2004 bestätigt den Aufwärtstrend des Jahres 2003 - dem weltweiten konjunkturellen Aufschwung sei Dank und trotz der Unsicherheit durch die Zunahme globalen Terrorismus. Im Jahresvergleich stieg der Branchenumsatz nach WTO-Angaben von 474 Milliarden im Jahr 2002 auf 514 Milliarden US-Dollar. Europa hat daran den größten Anteil (54,8 Prozent), gefolgt von Amerika (22,5 Prozent) und dem Asiatisch-Pazifischen Raum (17,2 Prozent). Dennoch zeigen sich die Auswirkungen der geopolitischen Lage. Die Reisedauer wird geringer und näher gelegene Ziele gewinnen gegenüber Fernreisen an Attraktivität. Die Zahl der Reisen nach Nord-Amerika und nach Asien pendeln sich wieder auf normalem Niveau ein.

Im Ranking der weltweit beliebtesten Reiseziele stehen seit ein paar Jahren die USA, Spanien, Frankreich und Italien ganz oben auf der Liste. Auf den Plätzen fünf bis zehn folgen China, Großbritannien, Österreich, Mexiko, Deutschland und Kanada. Die neuesten Zahlen aus dem WTO-Bericht vom Juni 2004 bestätigen diesen Trend.

Chinesischer Tourist macht ein Foto von seiner Familie vor einer Sehenswürdigkeit (nicht im Bild)

Die WTO rechnet mit einem steten Wachstum der Reisebranche. Prognosen rechnen im Jahr 2020 mit 1,6 Milliarden grenzüberschreitenden Reisenden weltweit (2003: 700 Millionen), darunter 400 Millionen Fernreisenden. Europa, Ostasien und Amerika bleiben die beliebtesten Regionen - wobei Ostasien mit der höchsten Zuwachsrate rechnen kann.

Reisen wandelt sich

Das Hamburger Zukunftsinstitut hat einige Trends ausgemacht, die das Reiseverhalten derzeit bestimmen:

* Unter "Destination Ich" sind Reisen zu verstehen, die in der Weiterentwicklung des Wellness-Booms das Rundum-Wohlfühlen in den Mittelpunkt stellen. Das Neue daran: Nicht primär das Reiseziel ist ausschlaggebend, sondern die Begleitumstände des Reisens.

* Der Gegentrend dazu ist die Suche nach Abenteuern, die immer bizarrer werden. So bietet ein holländisches Reiseunternehmen eine Reise in die Gosse an, bei der vier Tage lang das Leben ohne Dach über dem Kopf getestet werden kann.

* Außerdem im Kommen: der "Back-Home-Tourismus". Was nichts anderes heißt, als dass die Leute zu Hause bleiben statt sich den Stress einer Fernreise anzutun – die heimatliche Welt als Entschleunigungsreservat.

* Ebenfalls schick sind "Stilgruppen-Reisen": Urlaub für ganz spezielle Zielgruppen in ganz bestimmten Lebenssituationen (für frisch Geschiedene zum Beispiel).

* Im Bereich der Pauschalreisen geht der Trend zur "individualisierten Pauschalreise", sprich dem eigenhändig aus "Bausteinen" zusammengestellten Urlaub unter dem Markendach eines Großanbieters.

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