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Wirtschaft

Wie schlimm steht es um die deutsche Wirtschaft?

Die Konjunkturaussichten für die deutsche Wirtschaft sind trübe. Dennoch warnen Wirtschaftsvertreter vor Schwarzmalerei: Die Auftragslage sei gerade beim Flaggschiff der Exportwirtschaft, dem Maschinenbau, stabil.

Symbolische Kurve, die steil nach unten zeigt

Es geht bergab - und das sehr heftig.

Wer sich für Wirtschafts- und Finanzpolitik interessiert, der kommt am Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung nicht vorbei. Vor allem nicht in Zeiten der Krise. Denn der Bericht gibt zum einen detailliert Auskunft darüber, wie die Regierung die Lage einschätzt und wie sie zum anderen für ein trotzdem stabiles Wirtschaftswachstum sorgen will.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts.

Mit der am Mittwoch (21.01.2009) vorgestellten aktuellen Ausgabe des Papiers ist es amtlich: Deutschland steckt mitten in einer Rezession. Und die hat es in sich, das gibt auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos unumwunden zu. Die Regierung erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von zweieinviertel Prozent. Und der Minister ordnet das Ganze auch ein: "Für diesen wirtschaftlichen Einbruch gibt es in der Nachkriegsgeschichte kein Beispiel. Es ist der größte wirtschaftliche Einbruch der jüngeren deutschen Geschichte", so Glos bei der Vorlage des Berichts in Berlin.

Deutschland besonders betroffen

Dabei sind zweieinviertel Prozent nur der Jahresdurchschnitt. Zurzeit sackt das Wirtschaftswachstum noch viel deutlicher ab. Das Minus fällt vor allem deshalb so hoch aus, weil die Konjunktur in Deutschland maßgeblich vom Auslandsgeschäft getragen wird. Noch immer sei Deutschland Exportweltmeister und Welthandelsnation Nummer eins, so der Wirtschaftsminister weiter. Deutschland habe sehr profitiert von den Aufschwüngen in der Weltwirtschaft. Aber: "Wir sind natürlich, wenn es ins Gegenteil umschlägt, besonders von der Krise betroffen."

Containerschiffe im Hamburger Hafen

Weniger zu tun: Containerterminal im Hamburger Hafen

Fragt man die Betroffenen direkt, dann bekommt man im Moment allerdings noch eine differenzierte Antwort. Während die Automobilwirtschaft bereits in großem Stil Kurzarbeit fährt, gibt sich der deutsche Maschinenbau, das Flaggschiff in der Exportwirtschaft, noch gelassen. Die Auftragslage für die ersten sechs Monate, so sagt Hannes Hesse Hauptgeschäftsführer des VDMA, des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, sei in seiner Branche durchaus noch stabil. Man profitiere von den Aufträgen des vergangenen Jahres und das habe natürlich auch Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze. Die Branche hat in den vergangenen drei Jahren rund 130.000 feste neue Arbeitsplätze aufgebaut. Insgesamt finden knapp eine Million Menschen hier Arbeit. Hesse sieht kurzfristig keine Gefährdung. Denn der Maschinenbau habe gelernt, dass er abhängig ist von qualifizierten, gut ausgebildeten Leuten. "Die trägt man durch die Krise so lange wie möglich hindurch." Hesse warnt vor zuviel Pessimismus: "Wenn wir Licht sehen, sollten wir nicht vorsichtshalber den Tunnel verlängern."

Warnung vor Schwarzmalerei

Eine Meinung, mit der Hesse nicht allein steht. Nichts fürchtet die Wirtschaft so sehr wie Schwarzmalerei. Das macht auch Gerhard Handke, Hauptgeschäftsführer des BGA Bundesverbandes Groß- und Außenhandel deutlich. Schließlich habe man über drei, vier Jahre Zuwächse von fünf bis zehn Prozent wie selbstverständlich in den Nachrichten hingenommen. "Wenn sie jetzt mal sechs Monate das Gegenteil hören, dann glauben alle, die Welt geht unter und wir haben den Schwarzen Freitag von 1929 wieder. Das sehen wir eben nicht so."

Ein symbolisches Konjunkturpaket ist geschnürt und liegt in einem Einkaufswagen

Das Konjunkturpaket soll das Schlimmste verhindern

Die Botschaft scheint beim Wirtschaftsminister angekommen zu sein. Michael Glos geht im Jahreswirtschaftsbericht davon aus, dass es schon im Frühjahr, also im zweiten Quartal dieses Jahres wieder aufwärts gehen wird. Bei der Bewältigung der Krise profitiere die deutsche Wirtschaft von einer erheblich besseren Verfassung, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen habe sich in den letzten Jahren erhöht. Abgesehen davon, so bemerkt Glos lapidar, gebe es zum Optimismus doch auch gar keine Alternative. Schließlich habe die Bundesregierung in der vergangenen Woche ein zweites, umfassendes Konjunkturpaket beschlossen, um die negativen Rückwirkungen aus der Weltwirtschaft abzufedern. "Wir steuern damit entschlossen gegen ein nachhaltiges Abgleiten in eine Rezession."

Allerdings rechnet die Bundesregierung jetzt schon damit, dass sich die Zahl der Arbeitslosen im laufenden Jahr um 500.000 auf dann wieder 3,5 Millionen erhöhen wird.

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